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Gewürzte Fischfüllung für die Fischpastete

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit45 Min.Portionen3-4 PersonenBuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Den Fisch aufmachen und das Eingeweide herausnehmen. Schneide quer Einschnitte in den Fischkörper, lasse den Fisch sonst ganz.

Nimm Pfeffer und Ingwer, mische beides gut durcheinander, gib ein wenig Gewürznelken dazu. Salze den Fisch innen und außen gründlich.

Nimm Butterschmalz oder ein anderes Schmalz und gib es innen in den Fisch sowie außen darauf.

Forme die Pastetenhülle in Fischform um den Fisch und lasse sie backen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
fischen, forchine, karpffen, selbling, brexine Fisch (Forelle, Karpfen, Saibling oder Brachse) - Fischhändler -
pfeffer Pfeffer - - -
jmber Ingwer - - -
negellen Gewürznelken - - -
saltz Salz - - -
pútterschmaltz oder sonst ain schmaltz Butterschmalz - - oder anderes Schmalz, z. B. Schweineschmalz
pasteý Pastetenteig - - Mürber Fettteig oder klassischer Blätterteig, sofern eine feine Kruste gewünscht ist

Welches Gericht ist das? Ein ganzer, ausgenommener Fisch wird quer eingeschnitten, innen und außen gewürzt und gesalzen, mit Schmalz bestrichen und in eine eigens fischförmig geformte Teighülle eingeschlagen, bevor er gebacken wird. Das lebende Gegenstück ist der bis heute bekannte Fisch im Blätterteig (Poisson en croûte), dessen Kruste oft mit eingeritzten Schuppen die Fischform nachzeichnet - derselbe naheliegende Trick, die Hülle der Form ihres Inhalts anzugleichen.

Die Quereinschnitte im sonst ganzen Fisch lassen vermutlich Gewürz, Salz und Schmalz tiefer eindringen und fördern ein gleichmäßigeres Garen durch die dicke Teighülle hindurch - der Text selbst nennt dafür keinen Grund, das ist die naheliegende Einordnung, keine Behauptung des Originals. Das Schmalz innen und außen tritt an die Stelle einer Flüssigkeit, die der Fisch beim Backen in der geschlossenen Hülle sonst nicht bekäme, und bastet ihn von innen.

Praxis. Den ganzen Fisch (zum Beispiel Forelle oder Karpfen) ausnehmen und quer einschneiden, mit der Pfeffer-Ingwer-Nelken-Mischung würzen und innen wie außen gründlich salzen, mit Butterschmalz bestreichen, in eine fischförmig zugeschnittene Teighülle einschlagen und backen - im Dutch Oven über der Glut ebenso möglich wie im Ofen. Backen, bis der Fisch durchgegart ist (das Fleisch löst sich vom Knochen) und die Hülle goldbraun durchgebacken ist; die genaue Zeit richtet sich nach der Fischgröße, eine Angabe dazu macht der Originaltext nicht.

Wo bekomme ich Forelle, Karpfen, Saibling oder Brachse?

Alle vier Fischarten sind gängige Süßwasserfische und beim Fischhändler oder auf dem Wochenmarkt erhältlich, oft auf Vorbestellung als ganzer Fisch. Karpfen ist meist am einfachsten zu bekommen, Saibling und Forelle gibt es häufig aus Zuchtteichen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Eingeschränkt geeignet. Das Ausnehmen und Einschneiden des ganzen Fisches sowie das Formen der Teighülle in Fischgestalt brauchen Zeit und ein wenig Übung, das Backen selbst lässt sich aber gut im Dutch Oven über der Glut erledigen.

Was bedeutet 'mach die pasteý wie den fisch'?

Die Anweisung meint, die Teighülle nicht einfach rund oder länglich zu formen, sondern sie in der Silhouette des Fisches um ihn herumzulegen - der Fisch soll auch nach dem Einhüllen noch als Fisch erkennbar sein.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Ain basteten von fischen, forchine, karpffen, selbling, brexine zú machen Thiet den fisch aúff vnnd thiet das jngewaidt heraús/ vnnd schneidt schnitz jberzwerch darein, lasß den fisch sonst gantz, nim pfeffer, jmber, misch woll dúrchainander, vnnd ain wenig negellen, vnnd saltz den fisch jnnen vnnd aússen woll, nempt ain pútterschmaltz oder sonst ain schmaltz vnnd thú es jnnen jn den fisch vnnd aúsen darauf, mach die pasteý wie den fisch vnnd lasß bachen.
pfeffer

Hier ist das Gewürz Pfeffer gemeint, nicht ein Pfeffer-Gericht - im Kontext der Würzmischung mit Ingwer und Nelken eindeutig als Zutat zu lesen.

negellen

Nägelein, die Gewürznelken.

jberzwerch

Quer, kreuzweise - die Einschnitte werden quer über den Fischkörper gesetzt, vermutlich damit Gewürz und Fett tiefer eindringen.

pútterschmaltz

Butterschmalz, also geklärte Butter.

pasteý

Die Teighülle der Pastete, hier bewusst in Fischform um den ganzen Fisch gelegt.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 18 verso
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

fischen, forchine, karpffen, selbling, brexinefish Q600396
pfefferpepper Q3143131
jmberginger Q15046077
negellenclove Q15622897
saltztable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartforchine

Gewählte Lesart: Forelle - eine flektierte oder dialektale Pluralform zum mhd. Wortstamm 'forhe/forhen' (Forelle), der in Fischlisten dieser Zeit häufig neben Karpfen genannt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine andere, heute nicht mehr identifizierbare Fischbezeichnung - Die genaue Form 'forchine' ist im verfügbaren Korpus nicht direkt belegt, sodass eine sichere Zuordnung nicht möglich ist. Die lautliche Nähe zu 'forhe' macht Forelle aber die naheliegendste Lesart.

Lesartbrexine

Gewählte Lesart: Brachse/Brassen, ein verbreiteter Weißfisch aus Flüssen und Seen, lautlich verwandt mit Formen wie 'brasme' oder 'bresme' in Nachbardialekten.

Andere mögliche Lesart:

  • Barsch (Perca fluviatilis) - Der Anlaut könnte theoretisch auch an 'bars-' erinnern, doch Barsch wird in anderen Quellen der Zeit meist anders benannt, weshalb Brachse die plausiblere Lesart bleibt.

Lesartlasß bachen (Backdauer)

Gewählte Lesart: Backen, bis der Fisch durchgegart (Fleisch löst sich vom Knochen) und die Teighülle goldbraun durchgebacken ist - Zeit nach Fischgröße richten.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine kürzere, allein auf Erfahrung des Kochs beruhende Backzeit ist textlich ebenso zulässig - Der Originaltext nennt weder Zeit noch Temperatur ('lasß bachen') - beide Lesarten laufen auf dasselbe Ziel hinaus, dass der Fisch am Ende durchgegart ist.

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 18 verso, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt (Aufwand): der ganze Fisch muss ausgenommen, quer eingeschnitten und anschließend mit einer selbst gemachten, fischförmig gelegten Teighülle ummantelt werden, bevor er im Dutch Oven über der Glut bäckt. Das ist mit Geduld gut am Feuer machbar, braucht aber deutlich mehr Zeit und Handgeschick als ein einfaches Bratfisch-Rezept.
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Stand dieser Fassung: 19.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.