Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553
Willst du einen Hecht anders zubereiten, so nimm ein halbes Pfund Speck und eine geriebene Semmel sowie vier Zwiebeln und hacke sie klein untereinander. Nimm Weinessig und Salz, und gib die Würzmasse und den Fisch alles zusammen, so ist es gemacht.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ain halb pfúnd speck | Speck | 250 g | - | - |
| ain brosma vonn ainer semel | geriebene Semmel | 1 | - | Ersatzweise Weißbrot-Brösel |
| 4 zwiffel | Zwiebeln | 4 | - | - |
| weinessich | Weinessig | - | - | - |
| saltz | Salz | - | - | - |
| hecht | Hecht | - | - | Zander oder Wels, falls kein Hecht erhältlich |
Welches Gericht ist das? Rohe Hechtstücke werden mit einer angerührten Masse aus Speck, Zwiebeln, Semmelbröseln, Weinessig und Salz zusammengegeben - der Text bricht direkt danach ab, ohne zu sagen, ob und wie das Ganze noch erhitzt wird. Zwei bis heute lebendige Linien der deutschen Küche klingen darin an: die Speckummantelung des mageren, leicht austrocknenden Hechts lebt im heute noch gekochten Hecht im Speckmantel fort, die Zwiebel-Essig-Würzung weist in Richtung der bis heute gebräuchlichen sauer eingelegten Fischgerichte wie Brathering oder Bismarckhering.
Gegart oder eingelegt? Das Rezept steht im Buch direkt hinter saw-109, der Standard-Zubereitung von Hecht (in Sud gesotten, dann in Öl und Essig eingelegt) - der Titel „anderst ainmachen“ kündigt ausdrücklich eine davon abweichende Machart an. „Ainmachen“ trägt im Buch aber zwei Bedeutungen: an anderer Stelle (Pomeranzen in Honig) meint es eindeutig konservierendes Einlegen, an wieder anderer eher generisches Zubereiten. Weinessig und Salz passen zu beiden Lesarten - als Würze eines gegarten Gerichts wie als Mittel eines kalt eingelegten. Die Schlussformel „so jst es gemacht“ lässt sich ebenso doppelt lesen: als „die Vorarbeit ist getan, gegart wird selbstverständlich noch“ oder wörtlich als „damit ist das Gericht fertig“. Der überlieferte Text entscheidet das nicht, und wir tun es hier auch nicht.
Praxis. Wer die gegarte Lesart wählt, gibt die Speck-Zwiebel-Masse und die Fischstücke abwechselnd in einen Topf oder eine Pfanne und gart bei mittlerer Hitze am Feuer, bis der Fisch durchgegart ist. Wer die einlegende Lesart wählt, lässt Masse und Fisch kalt in Essig und Salz ziehen. Wichtig bei der kalten Variante: Süßwasserfisch wie Hecht kann Parasiten tragen, die eine Essigmarinade allein nicht sicher abtötet - dafür braucht es vorheriges gründliches Durchgaren oder tiefes Durchfrieren des Fisches.
Der Text bricht nach dem Zusammengeben von Würzmasse und Fisch mit der Formel 'so jst es gemacht' ab, ohne Hitze, Gefäß oder Zeit zu nennen. Das kann zwei Gründe haben: entweder galt das anschließende Garen am Feuer als selbstverständlich und wurde deshalb nicht eigens beschrieben, oder das Rezept beschreibt tatsächlich eine kalt eingelegte Zubereitung, bei der mit dem Zusammengeben bereits alles erledigt ist - das Wort 'ainmachen' trägt im Kochbuch beide Bedeutungen. Der überlieferte Text entscheidet diese Frage nicht.
Ja, gut geeignet. Speck, Zwiebeln und Semmel sind lagerstabil, nur der frische Hecht braucht eine Kühlmöglichkeit bis zur Zubereitung - mit Kühlakku im Camper-Kühlschrank kein Problem. Wer die kalt eingelegte Lesart wählt (siehe vorherige Frage), sollte den Fisch vorher durchgefroren haben, da eine Essigmarinade allein Parasiten in Süßwasserfisch nicht sicher abtötet.
Ein halbes Pfund ist hier mit den heute gebräuchlichen rund 250 Gramm umgerechnet. Die genaue historische Pfundgröße im Augsburg des 16. Jahrhunderts ist nicht sicher überliefert - die Umrechnung folgt der im ganzen Kochbuch verwendeten Näherung, nicht einem exakt verifizierten Augsburger Maß.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).
Hier vermutlich im Sinn von 'anrichten/zubereiten', kann im Buch aber auch 'konservierend einlegen' bedeuten (mehr dazu im Zubereitungshinweis unten). Der Titel kündigt in jedem Fall eine von saw-109, der Standard-Zubereitung für Hecht im selben Buch, abweichende Machart an.
Bezeichnet hier die angerührte Masse aus Speck, Semmel, Zwiebel, Essig und Salz, mit der der Fisch zusammengegeben wird - eine würzige, dickliche Mischung, keine klare Brühe.
Krume/Brösel, hier von einer Semmel gerieben, zum Binden der Masse verwendet.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| 4 zwiffel | onion Q3406628 |
| weinessich | vinegar Q41354 |
| saltz | table salt Q11254 |
| hecht | northern pike Q83363026 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
ainmachen
Gewählte Lesart: Im Sinn von 'auf eine bestimmte Art zubereiten' - der Titel 'anderst ainmachen' markiert eine von der Standard-Zubereitung des benachbarten Hecht-Rezepts (saw-109) abweichende Machart. Ob damit ein Garschritt gemeint ist, den der Text stillschweigend voraussetzt, bleibt offen (mehr dazu im Zubereitungshinweis unten).
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 25.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.