Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Gegossene Blumen oder Estrumb: Mache es so: Nimm weiße Mandeln mit Hausenblasen, in einer Schüssel verfestigt. Wenn es dann fest geworden ist, schneide Blumen oder Gewächse hinein. Nimm diese heraus und gieße an ihre Stelle eine andere Farbe.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| weiſſen Mandel | Weiße Mandeln | - | Supermarkt (Backregal) | - |
| Hauſſen blatern | Hausenblase | - | Online-Handel (historische Zutaten) | Gelatinepulver (Rinder- oder Fischgelatine) |
| bluͤmen oder gewex | Blumen oder Gewächse (als Form) | - | - | - |
| ain andere farban dſtat | Färbemittel (für zweite Schicht) | - | Supermarkt (Lebensmittelfarbe) oder Gewürzhandel (Safran, Brasilholz) | - |
Welches Gericht ist das? Ein gegossenes, zweifarbiges Mandel-Schaugericht: Eine mit Hausenblase gebundene Mandelmasse wird in eine Schüssel gegossen und zum Gelieren beiseitegestellt. Ist sie fest geworden, werden Blüten- oder Blattformen herausgeschnitten und die entstandenen Aussparungen mit einer zweiten, andersfarbigen Gelmasse wieder aufgefüllt - ein zweifarbiges Mosaikmuster. Die nächsten lebenden Verwandten sind moderne mehrfarbige Gelee-Mosaik-Desserts (Jelly Art), bei denen vorgeformte, andersfarbige Gel-Stücke in eine Grundmasse eingesetzt werden - hier tritt an die Stelle der Blattgelatine die historische Hausenblase.
Was ist „Estrumb“? Der Begriff bleibt ungeklärt. Auch die Ausgabe von 1569 überliefert ihn an derselben Stelle unverändert - ein Lesefehler unseres Drucks scheidet damit aus. Eine tragfähige Übersetzung ließ sich bislang nicht ermitteln; vermutlich handelt es sich um eine zeitgenössische oder regionale Bezeichnung für diese Art von Schaugericht.
Praxis. Für die Mandelmasse feingemahlene Mandeln bzw. Mandelmilch verwenden, mit aufgelöster Hausenblase (ersatzweise Fisch- oder Rindergelatine) binden und in eine flache Schüssel gießen. Der Originaltext nennt weder ein Mengenverhältnis noch eine Zeit- oder Temperaturangabe für das Gelieren - kühl stellen (Kühlschrank oder kühler Keller) und mehrere Stunden fest werden lassen, bis sich saubere Formen ausschneiden lassen. Mit einem Ausstecher Blüten oder Blätter herausschneiden, die Aussparungen mit einer zweiten, andersfarbigen Masse auffüllen (etwa mit Safran oder Brasilholz gefärbt) und vor dem Anrichten erneut fest werden lassen.
Hausenblase ist ein historisches Geliermittel aus der Schwimmblase des Hausens, einer Störart. Da Störe heute streng geschützt sind, ist echte Hausenblase schwer zu beschaffen und nur über spezialisierte Online-Händler für historische Zutaten erhältlich. Als moderner Ersatz kann Gelatinepulver (Rinder- oder Fischgelatine) verwendet werden.
Ja, als Schaugericht. Die Mandelmasse muss vorab mit Hausenblase gelieren, danach lassen sich die Formen vor Publikum ausschneiden und mit einer zweiten Farbe auffüllen.
'Estrumb' ist ein ungeklärter Begriff, der sich auf eine gegossene, dekorative Schicht oder Form bezieht. Er könnte eine regionale Bezeichnung für ein solches Schaugericht sein, dessen genaue Bedeutung heute nicht mehr bekannt ist.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
Ein ungeklärter Begriff, der sich auf eine gegossene, dekorative Schicht oder Form bezieht. Er könnte eine regionale Bezeichnung für ein solches Schaugericht sein.
Hausenblase, ein traditionelles Geliermittel aus der Schwimmblase des Hausens (einer Störart). Sie wurde zum Klären von Wein und Bier sowie zum Gelieren von Speisen verwendet. Heute ist der Hausen streng geschützt; als Ersatz dient moderne Gelatine.
Hier im Sinne von ‚verfestigt‘ oder ‚gelatiniert‘ durch die Zugabe von Hausenblase.
Bezieht sich auf dekorative Formen, die aus der festen Mandelmasse ausgeschnitten werden, um sie anschließend mit einer andersfarbigen Gelmasse zu füllen. Dies war eine beliebte Technik für Schaugerichte.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Estrumb
Gewählte Lesart: Ein ungeklärter Begriff für eine gegossene, dekorative Schicht oder Form.
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Stand dieser Fassung: 05.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.