Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Wenn du Karpfen räuchern willst, schuppe ihn und salze ihn ein. Lass ihn im Salz liegen, dann wasche ihn aus. Schneide ihn in Stücke und nimm eine große Nadel mit einem Spagat. Fasse die Stücke an, immer eine Handbreit voneinander, und hänge sie so auf. So trocknen sie schnell im Rauch ab und werden sehr gut.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Karpffen | Karpfen | - | Fischhändler, gut sortierter Supermarkt | - |
| ſaltz | Salz | - | - | - |
| Nadel | Nadel | - | Supermarkt, Kurzwarenladen | - |
| Spagat | Spagat | - | Supermarkt, Baumarkt | Küchengarn |
Welches Gericht ist das?
Kein zusammengesetztes Gericht, sondern eine Konservierungstechnik: gesalzener und geräucherter Karpfen. Schuppen, Einsalzen, Wässern, Zerteilen, Aufhängen an Nadel und Spagat, Trocknen im Rauch - das ist die klassische Räucherfisch-Herstellung, wie sie in Karpfenteich-Regionen (Aischgrund, Waldviertel, Wittingau/Třeboň) bis heute in vergleichbaren Grundzügen betrieben wird.
Wie lange im Salz?
Der Druck nennt für die Salzzeit keine Dauer, nur den Vorgang selbst ("lass ihn im Salz liegen"). Für Geschmack und leichte Festigung reicht eine kurze Salzzeit von wenigen Stunden; eine mehrtägige Salzzeit im Sinne einer echten Pökel-Konservierung wäre historisch ebenso denkbar, lässt sich aus dem Wortlaut aber nicht beweisen.
Wie heiß und wie lange räuchern?
Auch für den Rauchvorgang fehlt eine Zeit- oder Temperaturangabe - der Text sagt nur, dass die Stücke im Rauch abtrocknen. Für eine Marktdemonstration empfiehlt sich Heißräuchern: der Fisch gart dabei im Rauch durch, was ohne durchgehende Temperaturkontrolle sicherer ist als das historisch eigentliche Kalträuchern über Stunden bis Tage.
Praxis.
Karpfen schuppen, gut salzen und einige Stunden im Salz liegen lassen, dann abwaschen und erst danach in Stücke schneiden. Die Stücke mit einer Nadel und einem Spagat auffädeln oder aufhängen, dabei etwa eine Handbreit Abstand zueinander lassen, damit der Rauch überall hinkommt. Im heißen Rauch räuchern, bis die Stücke durchgegart und trocken sind. Für eine tatsächlich lagerfähige Haltbarmachung braucht der volle Rauchprozess mehr Zeit, als ein einzelner Markttag hergibt - als Demonstration der Vorbereitung und des Räucherbeginns funktioniert das Rezept aber gut.
Ja: Schuppen, Salzen, Zerteilen und Aufhängen sind reine Handarbeit am offenen Feuer, ganz ohne Ofen oder Kühlung - das Räuchern ersetzt die Kühlung sogar. Nur für eine wirklich lagerfähige Haltbarmachung braucht der volle Rauchprozess mehr Zeit, als ein einzelner Markttag hergibt.
‚Selchen‘ ist im bairisch-österreichischen Sprachraum vor allem der Begriff für das Räuchern - also das Trocknen im Rauch. ‚Pökeln‘ taucht nur als seltene Nebenbedeutung auf; im Rezept sind Salzen und Räuchern ohnehin zwei getrennte Schritte.
Ein Spagat ist ein Bindfaden oder eine Schnur, die hier zum Aufhängen der Fischstücke verwendet wird. Alternativ kann auch robustes Küchengarn verwendet werden.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
Das Wort ‚selchen‘ bedeutet im bairisch-österreichischen Sprachraum vor allem räuchern (Trocknen im Rauch); ‚pökeln‘ kommt nur als seltene Nebenbedeutung vor. Im Rezept sind Salzen und Räuchern ohnehin zwei getrennte Arbeitsschritte.
Die Vorlage zeigt hier durch eine OCR-Verwechslung von i und l fälschlich ‚wili‘ statt ‚will‘ - bestätigt durch eine zweite Ausgabe des Drucks von 1569.
Die Vorlage zeigt hier durch eine OCR-Verwechslung von b und g fälschlich ‚Spabat‘ statt ‚Spagat‘ (Bindfaden) - bestätigt durch eine zweite Ausgabe des Drucks von 1569.
Eine ‚Handbreit‘ ist ein altes Längenmaß, das etwa der Breite einer Hand (ca. 8-10 cm) entspricht.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Karpffen | carp Q83355448 |
| ſaltz | table salt Q11254 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Dauer des Salzens ("laß in im ſalt ligen")
Gewählte Lesart: Der Druck nennt für die Salzzeit keine Dauer, nur den Vorgang selbst. Für die Praxis reicht eine kurze Salzzeit von wenigen Stunden für Geschmack und leichte Festigung, bevor der Fisch ausgewaschen wird.
Andere mögliche Lesart:
Räucherdauer und -temperatur ("truckens bald im rauch ab")
Gewählte Lesart: Für die Marktpraxis als Heißräuchern verstehen: der Fisch gart dabei im Rauch durch, was ohne durchgehende Zeit- und Temperaturkontrolle sicherer ist.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 07.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.