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Moelgen: Schafsmilch-Pudding mit Safran

Wel ende edelike spijse · Gent, Flandern · 1475

DessertNachspeiseLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 6/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit20 Min.Portionen4-6 PersonenBuchVon guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) (~1475)

Um Moelgen zuzubereiten, nimm Schafsmilch in einen Topf. Gib Eigelb hinzu und verrühre es gut mit der Milch. Temperiere die Mischung, um sie zu binden und zu verdicken. Füge Safran und ausreichend Zucker hinzu.

Nimm dann ein weißes Leinen- oder Baumwolltuch und lege es zwei- oder dreifach über die Öffnung des Topfes. Binde das Tuch fest um den Hals des Topfes. Stelle diesen Topf in einen größeren Kessel voller kochendem Wasser und lasse ihn lange sieden, bis der Pudding gestockt ist.

Nimm den Topf aus dem Wasserbad und lasse den Pudding vollständig erkalten. Vertiefe die Oberfläche des Puddings an zwei oder drei Stellen mit einem Löffel. Bestreue die einzelnen Portionen reichlich mit Dragée und Zucker.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
scapin melc Schafsmilch - Wochenmarkt, gut sortierter Supermarkt Kuhmilch (Vollmilch)
dodere van eyeren Eigelb - - -
soffraen Safran - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
sukers ghe nouch Zucker - - -
wit lijnwaet weißes Leinen - Stoffgeschäft Baumwolltuch
dragie Dragée - Reformhaus, Gewürzhandel (Anis-/Korianderkonfekt) Zimt, Ingwer, Nelken + Prise Zucker
Was ist ein Moelgen?

Ein Moelgen ist eine mittelalterliche Süßspeise, die einer gestockten Creme oder einem Pudding ähnelt. Sie wird traditionell im Wasserbad gegart und mit Gewürzen und Zucker verfeinert.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Die Zubereitung im Wasserbad erfordert eine kontrollierte Hitzequelle und das Gericht muss nach dem Garen vollständig abkühlen, was im Lager schwierig umzusetzen ist. Zudem ist die Kühlung des fertigen Puddings aufgrund der Eier für die Lebensmittelsicherheit unerlässlich.

Was bedeutet ‚Dragée' und wo bekomme ich es?

Dragée bezeichnet im mittelalterlichen Kontext gezuckerte Gewürzkonfekte, also mit Zucker überzogene Gewürze wie Anis, Koriander oder Zimtstücke. Es ist kein gemahlenes Gewürzpulver. Beim Kochen schmilzt der Zucker und gibt ein süß-würziges Aroma ab. Du findest Dragée in Reformhäusern oder spezialisierten Gewürzhandlungen. Alternativ kannst du eine Mischung aus Zimt, Ingwer und Nelken mit einer Prise Zucker verwenden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Von guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) (Gent, Flandern). Älteste erhaltene mittelniederländische Rezeptsammlung (~1475). Handschrift UB Gent 1035, 62 Rezepte in zwei Kapiteln - vollständig erhalten, kein Fragment. Höfische Küche des spätmittelalterlichen Flandern: Geflügel, Wild, Fisch, Pasteten und Saucen.

Moelgen te makene nemt scapin melc in eenen pot ende dodere van eyeren daer in ghewreuen ende tempert daer mede ende doeter toe soffraen ende sukers ghe nouch dan nemt wit lijnwaet ende doet vpden mont vanden potte twee fout of drie ende bindet vaste omtrent den hals vanden potte dan doet den pot in eenen ketele vul wallens waters ende latet lange zieden ende dan doet vercoelen ende maect omtrent den pot twee gaetken of drie recht met eenen lepele ende bouen den scotelen soo doet dragie ende sukers ghenouch
Moelgen

Name des Gerichts, eine Art Pudding oder gestockte Creme.

scapin melc

Schafsmilch.

ghewreuen

Gerieben oder gut vermischt.

tempert

Temperieren, hier im Sinne von binden oder andicken, um eine Creme zu erzeugen.

lijnwaet

Leinenstoff oder -tuch.

zieden

Sieden oder kochen, hier im Wasserbad.

gaetken

Kleine Löcher oder Vertiefungen.

scotelen

Schüsseln, hier im Sinne von einzelnen Portionen oder Servierschalen.

dragie

Gezuckerte Gewürzkonfekte, kein gemahlenes Gewürzpulver.

Handschrift
Wel ende edelike spijse
Sprache
Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.)
Entstehung
Gent, Flandern, 1475

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

dodere van eyerenyolk Q16336079
soffraensaffron Q25434
sukers ghe nouchunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartMoelgen

Gewählte Lesart: Pudding / gestockte Creme

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Art Käse oder Quark - Obwohl Milch verwendet wird, fehlt ein Gerinnungsmittel wie Lab oder Essig, was gegen eine Käseherstellung spricht. Die Konsistenz durch Eigelb deutet eher auf eine gestockte Süßspeise hin.

Lesarttempert daer mede

Gewählte Lesart: Andicken / Binden

Andere mögliche Lesart:

  • Mischen / Verrühren - Obwohl es auch ein Mischen ist, impliziert ‚temperieren' hier eine spezifische Technik zur Texturgebung, die über einfaches Verrühren hinausgeht.

Lesartmaect omtrent den pot twee gaetken of drie recht met eenen lepele

Gewählte Lesart: Vertiefungen in der Oberfläche des Puddings an zwei oder drei Stellen mit einem Löffel machen

Lesartbouen den scotelen

Gewählte Lesart: Auf den einzelnen Portionen / Schälchen

Originalwerk (~1475) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 017, Universiteitsbibliotheek Gent, BHSL.HS.1035 (ca. 1475), Public Domain
Transkription
Coquinaria.nl - Christianne Muusers, Digitale Edition 2020 (Hs. UB Gent 1035) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.