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Kirschen in Honig einlegen

Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° · Entstehungsort unbekannt · 1543

RezeptKellerhandwerkLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit45 Min.Portionen1 Fass Kirschen in HonigBuchWolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (~1543)

Nimm gute Kirschen, sowohl frische als auch getrocknete, und entferne ihre Stiele.

Gib die Kirschen in ein kleines Fass. Nimm so viel Honig, wie du meinst, dass in das Fass passt, je nach dessen Größe. Erhitze den Honig in einer Pfanne und gib ein wenig Wasser hinzu. Lass es gut sieden, so lange wie ein weichgekochtes Ei.

Lass den Honig abkühlen. Wenn er kalt ist, schöpfe den Schaum ab und gieße den Honig in das Fass. Verschließe das Fass und stelle es in einen Keller.

Immer wenn du in den Keller gehst, rolle das Fass bis etwa zum Bartholomäustag (24. August). Danach kannst du es stehen lassen. Öffne es dann und verwende die Kirschen nach Belieben.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
gutt weyxlen die frisch vnd trucken seyen Kirschen, frisch und getrocknet - Wochenmarkt, Supermarkt -
ain honig souil du mainst In das fesslin gang darnach es gross ist Honig, ausreichend für das Fass - - -
ein wenig wasser etwas Wasser - Leitung -

Welches Gericht/Konfekt ist das? Rohe, entstielte Kirschen werden in ein kleines Fass gefüllt und mit einem erhitzten, entschäumten Honig-Wasser-Sud übergossen; danach zieht das verschlossene Fass mehrere Wochen im Keller, bis etwa zum Bartholomäustag (24. August) - bei jedem Kellergang wird es gerollt. Das ist reine Frucht-Konservierung in Honig, kein Kochen der Früchte selbst - entfernt verwandt mit dem späteren Rumtopf-Prinzip (Frucht plus konservierendes Medium, wochenlange Reifung im verschlossenen Gefäß), hier aber mit Honig statt Alkohol.

Der Honig-Wasser-Sud wird kurz aufgekocht und dabei entschäumt - ein für Sirup- und Honigverarbeitung der Zeit üblicher Klärungsschritt, kein Sonderverfahren für dieses Rezept. Honig ist eine hochkonzentrierte Zuckerlösung; er entzieht Mikroorganismen durch Osmose Wasser und wirkt dadurch konservierend, ganz ohne weitere Zutat.

Der Text nennt beide Zustände der Frucht, frisch und getrocknet, nebeneinander - vermutlich weil die Konservierung über Wochen ohnehin beide gleich behandelt: Die frischen, verderblichen Kirschen zieht der Honig-Sud, die bereits getrockneten nehmen ihn zusätzlich auf.

Das Rollen des Fasses bei jedem Kellergang ist keine dekorative Geste, sondern verhindert, dass sich der Sud unten im Fass absetzt und oben eine verdünnte, gärungs- oder schimmelanfällige Zone entsteht - eine während der aktiven Ziehphase sinnvolle, wiederkehrende Durchmischung.

Praxis. Kirschen entstielen, in ein sauberes kleines Fass oder Gefäß mit Deckel füllen. Honig mit wenig Wasser in einem Topf aufkochen, den aufsteigenden Schaum abschöpfen, vollständig abkühlen lassen (erst kalt über die rohen Früchte gießen, sonst gart man sie an). Fass verschließen und kühl und dunkel lagern; bei jedem Gang in den Keller kurz rollen. Nach mehreren Wochen, grob bis Ende August, ist die Ziehzeit abgeschlossen; danach ruhig stehen lassen und nach Bedarf öffnen. Mengen- und Zeitangaben bleiben im Text bewusst offen („so viel Honig, wie du meinst, dass hineingeht“ - das ist zeittypisch, keine Lücke unsererseits.

Was bedeutet 'Weyxlen' und 'zopff sie ab'?

'Weyxlen' sind Kirschen. 'Zopff sie ab' bedeutet, die Stiele von den Kirschen zu entfernen.

Wie lange ist 'als lanng als ain lind bar Ay'?

Diese historische Zeitangabe entspricht der Kochzeit für ein weichgekochtes Ei, also etwa 3 bis 5 Minuten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dies ist ein Rezept zur langfristigen Konservierung von Kirschen in Honig, das eine Lagerung im Keller über Wochen bis Monate erfordert. Es ist nicht für die Zubereitung oder den Verzehr im Lager geeignet.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (Entstehungsort unbekannt). CoReMA-Handschrift Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5 Aug. 4°): "Kunst- und Artzneibuch von Ludwigen Neer zusamengetragenn. Anno 1543" - ein 1543 datiertes Kunst- und Arzneibuch mit Kochrezept-Anteil. Enthält ein gewürztes Met-Rezept ("Wie man ain Met sieden soll") mit ganzer Muskatnuss und Zimtstangen, im Wasser eingekocht und mit geläutertem Honig fertiggestellt.

Weyxlen in honig zumachen Nimb gutt weyxlen die frisch vnd truck= en seyen vnnd zopff sie ab vnd thus In ain fesslin vnnd nimb ain honig souil du mainst In das fesslin gang darnach es gross ist vnd thus In ai= ner pfannen vber vnnd thue ein wenig wasser darein vnd lass sieden ein gutten sudt als lanng als ain lind bar Ay vnnd lass erkalten vnnd wann es erkalt ist so thue den faim daruon vnnd geuss In das fesslin vnnd schlags zue thues In ain keller vnd so du darein geest so vber walglen es bis vmb Bartholomei darnach magst du es ston lassen darnach thus auff vnnd brauchs deins gefallens
Weyxlen

Alte Bezeichnung für Kirschen, insbesondere Sauerkirschen.

zopff sie ab

Vermutlich: die Stiele von den Kirschen entfernen (Lautvariante zu 'zupfen'). Der Beleg ist ein Hapax im Korpus und nicht unabhängig wörterbuchbestätigt.

fesslin

Ein kleines Fass oder Fässchen.

souil du mainst In das fesslin gang darnach es gross ist

Eine Mengenangabe, die bedeutet, dass genügend Honig verwendet werden soll, um die Kirschen im Fass zu bedecken.

als lanng als ain lind bar Ay

Eine historische Zeitangabe, die der Kochzeit für ein weichgekochtes Ei entspricht, also etwa 3 bis 5 Minuten.

faim daruon

Der Schaum, der beim Erhitzen des Honigs entsteht und entfernt werden sollte, um die Haltbarkeit der Konserve zu verbessern.

vber walglen es bis vmb Bartholomei

Die Anweisung, das Fass regelmäßig zu rollen, um die Kirschen gleichmäßig mit dem Honig zu benetzen und die Konservierung zu fördern. Der Bartholomäustag ist der 24. August.

Handschrift
Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°
Folio
Fol. 263r
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Entstehungsort unbekannt, 1543
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ein wenig wasserwater Q283

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartWeyxlen

Gewählte Lesart: Kirschen

Andere mögliche Lesart:

  • Weichselkirschen - Der Begriff 'Weichsel' ist eine alte Bezeichnung für Sauerkirschen, was hier aufgrund des Konservierungszwecks und des sauren Geschmacks, der gut mit Honig harmoniert, plausibel wäre.

Lesartzopff sie ab

Gewählte Lesart: Stiele entfernen

Andere mögliche Lesart:

  • abzupfen - Das Verb ist im Korpus ein Hapax (nur in diesem Rezept belegt); Lexer/Grimm/Goetze bestätigen 'zopfen' nur im Bedeutungsfeld Flechten/Zopf, nicht als 'Stiele entfernen'. Die Lesung als Lautvariante zu 'zupfen' ist kontextuell plausibel (Kirschenvorbereitung), aber nicht unabhängig wörterbuchbelegt.

Originalwerk (~1543) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 263r, Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Nein - Dies ist ein Rezept zur langfristigen Konservierung von Kirschen in Honig, das eine Lagerung im Keller über Wochen bis Monate erfordert. Nicht für die Zubereitung oder den Verzehr im Lager geeignet.
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Stand dieser Fassung: 24.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.