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Damast-Pflaumen in Honig

Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° · Entstehungsort unbekannt · 1543

RezeptKellerhandwerkLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit45 Min.Portionen1 Glas (~250-500 ml)BuchWolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (~1543)

Nimm die Damast-Pflaumen frisch vom Baum und gib sie in eine Büchse.

Nimm Honig und gib ihn mit ein wenig Wasser in eine Pfanne über das Feuer. Lass es sieden, so lange wie ein Ei zum Weichkochen braucht. Lass es erkalten und schöpfe den Schaum ab.

Danach gieße den Honig über die Damast-Pflaumen und rühre sie oft um.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
die damast also frisch von dem Baum Frische Damast-Pflaumen - Wochenmarkt, gut sortierter Supermarkt andere feste Pflaumensorte (z.B. Zwetschgen)
ein Honig Honig - - -
ain wenig wasser Ein wenig Wasser - Leitung -

Welches Gericht/Konfekt ist das? Frische Damaszener-Pflaumen kommen roh in eine Büchse und werden mit leicht eingedicktem, entschäumtem Honig übergossen - der Honig wird separat aufgekocht und kalt über die rohe Frucht gegossen, die Frucht selbst wird nicht gekocht. Das ist reine Frucht-Konservierung in Honig, am ehesten vergleichbar mit heute in Honig eingelegtem Obst oder kandierten Trockenfrüchten in Sirup - kein Kompott, kein Mus. Das Rezept reiht sich neben wo10-029 (Mispeln in Honig) und wo10-037 (Kirschen in Honig, nahezu wortgleiches Verfahren) in eine kleine Gruppe formelhafter Honig-Konservierungsrezepte dieser Handschrift ein.

Das Sieden von Honig mit wenig Wasser verflüssigt ihn und lässt den aufsteigenden Schaum sich sammeln; dass hier erst nach dem Erkalten abgeschäumt wird und nicht während des Siedens, ist ungewöhnlich, aber praktikabel - der Schaum setzt sich beim Abkühlen als klar abhebbare Schicht ab und lässt sich so sauberer entnehmen als aus der blubbernden Masse.

Die Sied-Zeitangabe „so lange wie ein Ei zum Weichkochen braucht” ist keine Erfindung dieses Rezepts, sondern eine im Buch mehrfach verwendete Standardformel (wo10-006, wo10-008, wo10-025, wortgleich in wo10-037). Anders als wo10-037 nennt der Text hier aber kein verschlossenes Fass, keinen Keller und keine wochenlange Reifezeit bis zu einem Kalendertag, sondern nur häufiges Umrühren - das spricht für eine kürzere, offener geführte Zubereitung als bei den Kirschen in wo10-037.

Praxis. Honig mit wenig Wasser aufkochen, so lange sieden lassen, wie ein Ei zum Weichkochen braucht, dann vollständig abkühlen lassen und den Schaum abschöpfen. Erst danach über die rohen, frischen Pflaumen in einem Gefäß gießen und häufig umrühren, damit sich der Honig gleichmäßig verteilt. Wie lange die Pflaumen im Honig ziehen sollen, sagt der Text nicht; für eine Haltbarkeit über das Wochenende hinaus ist ein luftdichter Verschluss sinnvoll - das ist eine moderne Ergänzung, kein Textbefund.

Was sind Damast-Pflaumen?

Damast-Pflaumen sind eine historische Pflaumensorte, die für ihre feste Konsistenz und ihren aromatischen Geschmack bekannt ist. Sie stammen ursprünglich aus der Region um Damaskus. Heute sind sie seltener, aber auf Wochenmärkten oder in gut sortierten Gärtnereien noch erhältlich. Alternativ können auch andere feste Pflaumensorten wie Zwetschgen verwendet werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, gut geeignet. Die Zubereitung ist einfach und erfordert nur eine Pfanne und Feuer. Das Einlegen der Früchte kann vor Ort erfolgen, um eine kleine Menge für das Wochenende zu konservieren. Für eine längere Haltbarkeit müsste der Behälter jedoch luftdicht verschlossen werden.

Was bedeutet „lind bar Ay” im Rezept?

„Lind bar Ay” ist eine im Buch mehrfach verwendete Zeitangabe: Der Honig soll so lange sieden, wie ein Ei zum Weich- oder Hartkochen braucht - also einige Minuten. Es ist keine Angabe zur Dickflüssigkeit des Honigs.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (Entstehungsort unbekannt). CoReMA-Handschrift Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5 Aug. 4°): "Kunst- und Artzneibuch von Ludwigen Neer zusamengetragenn. Anno 1543" - ein 1543 datiertes Kunst- und Arzneibuch mit Kochrezept-Anteil. Enthält ein gewürztes Met-Rezept ("Wie man ain Met sieden soll") mit ganzer Muskatnuss und Zimtstangen, im Wasser eingekocht und mit geläutertem Honig fertiggestellt.

Damast in honig zumachen Nimb die damast also frisch von dem Baum vnd thus In ain buchs vnd nimb ein Honig vnnd thus In ainer pfannen vber das feur vnd ain wenig wasser vnd lass sieden als lanng als ain lind bar Ay vnnd lass erkalten vnnd thue den faim daruon vnd geus vber die damast vnd ruer sy offt vmb
Damast

Historische Bezeichnung für die Damaszener Pflaume, benannt nach ihrer angenommenen Herkunft aus der Region Damaskus - kein Gewebe. Im Buch durchgängig als Frucht verwendet (vgl. wo10-027, wo10-029, wo10-037).

buchs

Bezeichnet eine Büchse oder einen Behälter, in dem die Früchte eingelegt werden.

lind bar Ay

Feste Zeitformel für die Siededauer: so lange, wie ein Ei zum Weich- oder Hartkochen braucht - keine Konsistenzangabe für den Honig. Dieselbe Formel steht in wo10-006, wo10-008, wo10-025 und wortgleich („ain lind bar Ay”) in wo10-037.

faim

Der beim Sieden entstehende Schaum, der abgeschöpft werden soll, um eine klare Honigmasse zu erhalten.

Handschrift
Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°
Folio
Fol. 264r
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Entstehungsort unbekannt, 1543
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ein Honighoney Q10987
ain wenig wasserwater Q283

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartals lanng als ain lind bar Ay

Gewählte Lesart: Eine Zeitangabe: sieden, so lange wie ein Ei zum Weich- oder Hartkochen braucht. Die Formel ist im Buch mehrfach belegt (wo10-006, wo10-008, wo10-025) und in wo10-037 mit identischem Wortlaut „ain lind bar Ay” ebenfalls zeitlich gelesen.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Konsistenzangabe für den fertig gesottenen Honig (dickflüssig wie ein weichgekochtes Ei). - Sprachlich weniger naheliegend, da „als lanng als” im Frühneuhochdeutschen eine Zeit-, keine Mengen- oder Viskositätskonstruktion ist; im übrigen Buch wird dieselbe Formel durchgängig zeitlich gelesen. Nicht vollständig auszuschließen, aber ohne eigenen Corpus-Beleg.

Originalwerk (~1543) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 264r, Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gut geeignet. Die Zubereitung ist einfach und erfordert nur eine Pfanne und Feuer. Das Einlegen der Früchte kann vor Ort erfolgen, um eine kleine Menge für das Wochenende zu konservieren.
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Stand dieser Fassung: 24.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.