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Mispeln in Honig einlegen

Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° · Entstehungsort unbekannt · 1543

RezeptKellerhandwerkLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.3/10
Zubereitungszeit30 Min.PortionenMehrere GläserBuchWolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (~1543)

Um Mispeln in Honig einzulegen: Schütte den Honig und den Wein roh über die Mispeln. Spicke die Mispeln mit Zimtstangenstücken und Gewürznelken. Damaszenerpflaumen kannst du ebenso einlegen, du musst sie aber vorher dörren. Weichselkirschen und Schlehen kannst du auf dieselbe Weise zubereiten.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Nespilen Mispeln - Wochenmarkt, gut sortierter Supermarkt -
honig Honig - - -
wein Wein - - -
Rorlen Zimtstangenstücke - Supermarkt, Gewürzhandel -
Negelen Gewürznelken - Supermarkt, Gewürzhandel -
damast Damaszenerpflaumen - Wochenmarkt, Feinkostladen Datteln
weixlen Weichselkirschen - Wochenmarkt, gut sortierter Supermarkt (saisonal) Sauerkirschen
schlehen Schlehen - Wochenmarkt (saisonal), Wildsammlung -

Welches Gericht/Konfekt ist das? Eine Konservierungsmethode für Herbst- und Winterfrüchte: Mispeln, Damaszenerpflaumen (oder Datteln), Weichselkirschen und Schlehen werden mit Zimtstückchen und Gewürznelken gespickt und in einem Honig-Wein-Gemisch eingelegt. Das ist kein Gargericht, sondern eine Vorratstechnik - vergleichbar mit heutigen eingelegten Gewürzfrüchten oder einer frühen Vorstufe von Fruchtkompott in Sirup.

Roh statt gekocht. Anders als die eng verwandten Rezepte rfk-061 und m384-009, die denselben Honig-Wein-Sud aufkochen (erwellen), bleibt der Sud hier ausdrücklich roh - der Text sagt an keiner Stelle, dass etwas erhitzt wird. Ob sich "roh" auf das Honig-Wein-Gemisch selbst bezieht (unerhitzt über die Früchte gegossen) oder auf die Früchte (rohe, ungekochte Mispeln übergossen), lässt sich aus dem Satzbau nicht sicher entscheiden - in beiden Lesarten findet aber kein Kochvorgang statt.

Spicken und Dörren. Die Früchte werden mit Zimtstückchen und ganzen Gewürznelken gespickt, bevor sie in den Sud kommen - das ist reine Aromaarbeit, keine Gar- oder Konservierungsfunktion. Für Damaszenerpflaumen (oder Datteln - Details dazu unten im Abschnitt Lesarten) verlangt der Text ausdrücklich vorheriges Dörren; das passt zum historischen Umgang mit frischem Steinobst, das erst zu Trockenfrucht verarbeitet wurde, bevor man es einlegte.

Praxis. Honig und Wein zu gleichen Teilen roh - also ohne sie zu erhitzen - über die vorbereiteten, mit Zimtstückchen und Gewürznelken gespickten Früchte geben, sodass sie vollständig bedeckt sind, und kühl und dunkel lagern. Damaszenerpflaumen oder Datteln vorher dörren (bzw. bereits getrocknete Ware verwenden); Weichselkirschen und Schlehen kannst du dagegen frisch, ohne vorheriges Dörren, nach demselben Verfahren einlegen - der Text lässt zwar offen, ob sich "dermaßen" auch auf das Dörren bezieht, für frisches Steinobst dieser Art ist das aber unüblich.

Was sind Mispeln und wo bekomme ich sie?

Mispeln sind eine alte Obstart, die erst nach dem ersten Frost genießbar wird. Ihr Fruchtfleisch wird dann weich und süßlich-herb. Du findest sie saisonal auf Wochenmärkten oder in gut sortierten Supermärkten, manchmal auch in Hofläden.

Was bedeuten 'Rorlen' und 'Damast' im Rezept?

'Rorlen' sind kleine Stücke von Zimtstangen - dieselbe Handschrift nennt an anderer Stelle ausdrücklich die 'besten Zimt-Röhrlen'. 'Damast' ist hier am ehesten als Damaszenerpflaumen zu lesen: Ein zeitgenössisches Wörterbuch (Diefenbach) übersetzt das lateinische 'damascena' (Damaszenerpflaume) direkt mit 'damast'. Auch möglich sind Datteln, die in diesem Korpus sonst aber als 'Tattel' geschrieben werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Honig und Wein werden nicht einmal erhitzt, sondern roh über die vorbereiteten Früchte gegossen - am Lager braucht es dafür kein Feuer. Das Dörren der Damaszenerpflaumen oder Datteln kannst du vorab zuhause erledigen, sodass am Lager nur noch das Spicken und Einlegen bleibt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (Entstehungsort unbekannt). CoReMA-Handschrift Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5 Aug. 4°): "Kunst- und Artzneibuch von Ludwigen Neer zusamengetragenn. Anno 1543" - ein 1543 datiertes Kunst- und Arzneibuch mit Kochrezept-Anteil. Enthält ein gewürztes Met-Rezept ("Wie man ain Met sieden soll") mit ganzer Muskatnuss und Zimtstangen, im Wasser eingekocht und mit geläutertem Honig fertiggestellt.

Nespilen in honig einzumachen Schitt das honig vnd wein also roch an die Nespilen vnd besteckh sie mit Ror= len vnnd Negelen damast magst du auch also einmachen du muest sy aber vor derren die weixlen dessgleichen vnd die schlehen auch dermassen
Nespilen

Mispeln (Mespilus germanica) sind eine alte Obstart, die erst nach dem ersten Frost genießbar wird und oft konserviert wurde.

Schitt

Imperativ von 'schütten' (gießen), nicht von 'sieden': Dieselbe Handschrift übersetzt 'schitt' bei wo10-024 eindeutig als 'gieße' ('schitt den ausgetruckten safft darein' = 'gieße den ausgepressten Saft hinein'); auch Götzes Frühneuhochdeutsches Glossar führt 'schitt(e)' auf 'schütten' zurück.

roch an

'Roch' ist hier - wie bereits bei wo10-026 belegt - eine fnhd-Schreibvariante von 'roh' (unerhitzt), nicht von 'reichen' oder 'Rauch'. Ob sich 'roh' auf den Honig-Wein-Sud oder auf die Früchte bezieht, bleibt offen (mehr dazu unten im Abschnitt Lesarten) - in beiden Lesarten wird nichts gekocht.

Rorlen

Zimtstangenstücke: Dieselbe Handschrift nennt an anderer Stelle (wo10-006) ausdrücklich die 'besten Zimt-Röhrlen' ('zimet=rorlen') - eine direkte Innerbuch-Bestätigung dieser Lesart.

Negelen

Gewürznelken, ein häufig verwendetes Gewürz in der mittelalterlichen Küche, besonders für Süßspeisen und Konservierungen.

damast

Am ehesten Damaszenerpflaumen: Diefenbachs lateinisch-deutsches Glossar übersetzt das lateinische 'damascena' (Damaszenerpflaume) direkt mit 'damast'. 'Datteln' bleibt als Alternative möglich, werden in diesem Korpus sonst aber als 'Tattel' geschrieben (vgl. b4-075/mha-208).

derren

Dörren oder Trocknen, eine gängige Methode zur Haltbarmachung von Früchten vor dem Einlegen.

weixlen

Weichselkirschen, eine saure Kirschsorte, die sich gut zum Einlegen eignet.

schlehen

Schlehen, die Früchte des Schlehdorns, die ebenfalls erst nach dem Frost genießbar werden und oft konserviert werden.

Handschrift
Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°
Folio
Fol. 261r
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Entstehungsort unbekannt, 1543
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Nespilenmedlar Q3092517
honighoney Q10987
weinwine Q282
Negelenclove Q15622897
weixlensour cherry Q68438267
schlehensloe Q12059685

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartroch an

Gewählte Lesart: roh - das Honig-Wein-Gemisch wird unerhitzt über die Mispeln gegossen.

Andere mögliche Lesart:

  • roh - bezieht sich auf die Mispeln (die rohen, ungekochten Früchte werden übergossen), nicht auf das Honig-Wein-Gemisch. - Der Satzbau lässt beide Bezüge zu. In beiden Lesarten bleibt aber festgehalten, dass der Sud nicht gekocht wird - das unterscheidet dieses Rezept von den Zwillingen rfk-061/m384-009, die den Sud ausdrücklich aufkochen.

Lesartdamast

Gewählte Lesart: Damaszenerpflaumen - Diefenbachs lateinisch-deutsches Glossar übersetzt 'damascena' (Damaszenerpflaume) direkt mit 'damast'; zudem verlangt der Text vorheriges Dörren, was zu frischem Steinobst passt.

Andere mögliche Lesarten:

  • Datteln - eine phonetisch naheliegende Lesart und ebenfalls eine gängige Konservierungsfrucht der Zeit. - Datteln waren im 16. Jahrhundert bereits getrocknet im Handel, was das ausdrückliche Dörr-Gebot im Text weniger gut erklärt. Zudem schreibt dasselbe Korpus Datteln an anderer Stelle (b4-075/mha-208) als 'Tattel', was die phonetische Ableitung von 'damast' zu 'Datteln' schwächt.
  • Damast (Stoff aus Damaskus) - die wörtliche Lesart des Wortes. - Kulinarisch unplausibel, da Damast ein Stoff ist und keine Zutat in einem Kochrezept.

Lesartdermassen (Weichseln/Schlehen)

Gewählte Lesart: Weichselkirschen und Schlehen werden - wie die Zwillingsrezepte rfk-061/m384-009 nahelegen - frisch, ohne vorheriges Dörren, nach demselben Verfahren eingelegt.

Andere mögliche Lesart:

  • Der Satzbau ließe auch zu, dass sich 'dermaßen' auf den unmittelbar vorangehenden Dörr-Satz bezieht und auch Weichseln/Schlehen vorab getrocknet werden sollen. - Für frisches Steinobst dieser Art ist vorheriges Dörren küchenpraktisch unüblich, historisch aber nicht auszuschließen.

Originalwerk (~1543) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 261r, Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Goldstandard: Honig und Wein werden roh - ganz ohne Erhitzen - über die vorbereiteten Früchte gegeben, kein Feuer nötig. Das Spicken mit Zimt und Nelken sowie das Dörren von Damaszenerpflaumen oder Datteln lassen sich vollständig vorab zuhause erledigen; am Lager bleibt nur das Einlegen selbst.
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Stand dieser Fassung: 23.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.