Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° · Entstehungsort unbekannt · 1543
Eingemachte Quitten: Nimm Quitten, schneide jede in vier Schnitze und gib sie in einen neuen Topf. Die Schalen lege alle nach oben und gib Wein und Honig hinzu. Lass sie dämpfen, bis sie weich werden. Nimm sie vom Feuer und schichte sie in eine Büchse: immer eine Lage Quittenstücke, danach streue Zimt und Gewürznelken, und danach wieder eine Lage Quittenstücke. Lege die Schalen nach unten und gib Honig darüber.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| kuttinen | Quitten | - | Wochenmarkt, gut sortierter Supermarkt | - |
| wein | Wein | - | - | Apfelwein oder Most |
| honig | Honig | - | - | - |
| Rorlen | Zimt | - | - | - |
| Negelen | Gewürznelken | - | - | - |
Welches Gericht/Konfekt ist das? Geviertelte Quitten werden in Wein und Honig weichgedämpft und dann lagenweise - Frucht, Zimt und Gewürznelken, wieder Frucht - in einer Büchse geschichtet und mit Honig übergossen: eine geschichtete Quittenkonserve, das Vorläuferstadium dessen, was heute Quittenkompott oder -konfekt im Glas heißt (das Wort „Marmelade“ geht über portugiesisch marmelada, „Quittenmus“, letztlich auf lateinisch melimelum, „Honigapfel“ = Quitte, zurück). Im selben Buch findet sich mit wo10-028 ein naher Verwandter - dort werden ganze Quitten mit Rorlen regelrecht gespickt statt geschichtet -, als eigenständiger Zwilling gilt aber keines der geprüften Korpus-Rezepte (auch mha-162, ähnlich betitelt, füllt und bindet ganze Fruchthälften statt zu schichten).
Zwei Stellen im Text sind mehrdeutig. Die „Schalen“ (schelffen), die zuerst nach oben gelegt werden, könnten auch die Fruchtstücke selbst meinen - die Lesart als Schale ist aber die besser belegte und schützt vermutlich das Fruchtfleisch vor Bodenkontakt im Topf. Bei der zweiten Nennung sollen die Schalen „hinder sich“ gelegt werden - wörtlich „rückwärts“ oder „zurückgewendet“, hier als Gegenstück zum ersten „nach oben“ gelesen, also vermutlich nach unten oder auf die andere Seite gedreht; eine zwingende 1:1-Übersetzung ist das nicht.
Praxis. Quitten vierteln, in einen Topf geben, mit Wein und Honig übergießen und dämpfen, bis sie weich sind. Warm in ein Einmachglas oder eine Büchse schichten: Quittenstücke, dazwischen Zimt und Gewürznelken, wieder Quittenstücke. Zimt kommt dem Buch nach eher in kleinen Röllchen oder Stangenstücken zum Einsatz als gemahlen. Zum Schluss die Schalen und einen Guss Honig obenauf geben - er schließt luftdicht ab und wirkt konservierend. Mengen und Ziehzeit nennt der Text nicht; das Konfekt braucht Zeit zum Durchziehen, bevor es serviert wird.
Im Kontext dieses Rezepts ist mit „Rorlen“ Zimt gemeint. Der übrige wo10-Bestand (u. a. wo10-006, 018, 021-023, 027-029) liest den Begriff durchgehend als Zimtröllchen bzw. kleine Zimtstangenstücke, nicht als Pulver - wo10-028 etwa lässt damit ganze Quitten spicken, was feste Stückchen voraussetzt.
Schaugericht: Die Zubereitung der Quitten am Feuer ist gut machbar. Das anschließende Schichten in einer Büchse mit Gewürzen und Honig eignet sich hervorragend, um die mittelalterliche Konservierungstechnik vor Publikum zu demonstrieren.
‚Eingemacht' bedeutet hier, dass die Quitten durch Dämpfen mit Wein und Honig sowie das Schichten mit Gewürzen haltbar gemacht werden, ähnlich einer Konfitüre oder eines Kompotts zur Vorratshaltung.
Dieses Rezept stammt aus dem Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (Entstehungsort unbekannt). CoReMA-Handschrift Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5 Aug. 4°): "Kunst- und Artzneibuch von Ludwigen Neer zusamengetragenn. Anno 1543" - ein 1543 datiertes Kunst- und Arzneibuch mit Kochrezept-Anteil. Enthält ein gewürztes Met-Rezept ("Wie man ain Met sieden soll") mit ganzer Muskatnuss und Zimtstangen, im Wasser eingekocht und mit geläutertem Honig fertiggestellt.
Quitten. Eine alte Frucht, die im Mittelalter oft für Süßspeisen und Konserven verwendet wurde.
Topf. Ein Kochgefäß, hier für das Dämpfen der Quitten.
Büchse. Ein Behälter oder eine Dose, hier zum Schichten und Aufbewahren der eingemachten Quitten.
Dämpfen. Eine Garmethode, bei der die Quitten im Dampf weichgekocht werden.
Lind. Bedeutet hier weich oder zart.
Lage oder Schicht. Hier im Sinne einer Schicht Quittenstücke in der Büchse.
Zimtröllchen (Zimtröhrchen) - gerollte Zimtrindenstücke, benannt nach der röhrenförmigen Form (vgl. „röre“ = röhrenartiger Hohlkörper). Im gesamten wo10-Korpus (u. a. wo10-006, 018, 021-023, 027-029) konsistent so gelesen, nicht als Pulver - wo10-028 etwa lässt Quitten damit spicken, was feste Stückchen voraussetzt.
Gewürznelken. Ein beliebtes Gewürz im Mittelalter, hier zum Aromatisieren der Quitten.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| kuttinen | quince Q2751465 |
| wein | wine Q282 |
| honig | honey Q10987 |
| Rorlen | cinnamon Q28165 |
| Negelen | clove Q15622897 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
schelffen
Gewählte Lesart: Schalen. Die äußere Haut der Quitten, die beim Dämpfen und Schichten verwendet wird - vermutlich um das Fruchtfleisch vor Bodenkontakt im Topf zu schützen.
Andere mögliche Lesart:
hinder sich
Gewählte Lesart: Nach unten bzw. andersherum gelegt - als Gegenstück zur ersten, korpusweit als „nach oben“ belegten Positionsangabe „vbersich“.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 24.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.