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Licht zu einem Scherz

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 · Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich) · 1450

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
BuchBerlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (~1450)

Ein Licht zu einem Scherz.

Nimm das Kraut, das Centaurea heißt, wer es nimmt, sowie das Blut eines Wiedehopfs. Gib Öl hinzu und tue alles in einen Lichtstein oder in eine Lampe.

Allen, die das Licht ansehen, erscheint es, als sei jemandes Hals so lang, dass er mit dem Kopf an die Sterne stoße und das Haupt an den Himmel reiche. Steht das Licht so, dass man den Schein oder die Sterne ansehen kann, erscheint es den Leuten, als liefen die Sterne gegeneinander, führten miteinander Krieg und stritten heftig.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
das chrawtt das do haisset Centawrea Kornblumenkraut - Kräuterhandel, Wochenmarkt (auch wildwachsend an Feldrändern zu finden) -
eines wytthopphen plutt Blut eines Wiedehopfs 1 ⚠ Nicht erhältlich: Der Wiedehopf ist geschützt; die Zutat darf nicht beschafft werden. -
oll Öl - - -

Was ist das? Kein Speiserezept, sondern ein Schauzauber: ein Lampenöl, das den Betrachtern die Hälse lang und die Sterne gegeneinander kriegführend erscheinen lassen soll. Solche "hoffleich" Scherzstücke stehen in Hausbüchern regelmäßig zwischen den Kochrezepten; B4 bringt direkt danach mit b4-151 ein zweites Lichtstück derselben Art.

Wie sicher ist "Centawrea"? Der Text übernimmt den lateinischen Kräuternamen unverändert und erklärt ihn nicht. Sicher zuordnen lässt er sich deshalb nicht: In den Kräuterbüchern des Mittelalters trennt der Name zwei verschiedene Pflanzen, das "centaurium maius" und das "centaurium minus", hinter denen heute Flockenblumen-Arten (Centaurea) einerseits und das Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) andererseits stehen. Die Wörterbücher belegen den Namen für beide Richtungen, unter anderem Centaurea scabiosa und Centaurea calcitrapa. Für dieses Rezept bleibt offen, welche gemeint ist, und da es ohnehin kein Speise- oder Heilrezept ist, hat die Frage hier keine praktischen Folgen.

Kein W1-Zwilling. Die Konkordanz führt w1-155 als Partner, das ist jedoch der Hasen-Fürhess und passt nicht. Ein Gegenstück zu diesem Lichtstück ist in der Umgebung von W1 nicht zu finden.

Nicht nachstellen. Das Rezept verlangt Blut eines Wiedehopfs, einer heute geschützten Art. Aufbau, Zündung und Wirkung bleiben ohnehin offen, und die behauptete Erscheinung ist überliefert, nicht belegt.

Ist dieses Rezept überhaupt zum Essen gedacht?

Nein. Der Wortlaut beschreibt ein Licht ‚zu einem schymph‘, also zu Scherz oder Kurzweil, und behauptet dafür ungewöhnliche Erscheinungen bei den Betrachtern.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Es ist kein Kochrezept, verlangt Blut eines Wiedehopfs und erklärt weder einen sicheren Aufbau noch einen nachvollziehbaren Wirkmechanismus.

Warum wird keine Nachstellung empfohlen?

Der Text verlangt Blut eines Wiedehopfs und nennt für die behaupteten Erscheinungen keinen überprüfbaren technischen Mechanismus. Eine sichere, originale Nachstellung lässt sich daraus nicht ableiten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (Mitte 15. Jh.). CoReMA-Handschrift B4 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 1187): bairisches Kochbuch der Mitte des 15. Jahrhunderts, 112 Blatt Papier. Enthält u.a. ein Paar-Rezept für "grünen Met" und ein Grundrezept "Wie du mett solt machen" (Honig-Wasser-Ansatz mit Hopfen und Hefe-Nachgärung) - textlich eng verwandt mit W1 (Wien, Cod. 2897), das dieselben zwei Met-Rezepte fast wortgleich überliefert.

Ein hoffleich liechtt zu einem schymph NYm das chrawtt das do haisset Centawrea der das nympt vnd eines wytthopphen plutt vnd tut oll darczu In ein liechtstain oder In ein lamppen So ist allen den die das liecht . an sehen wie aym der hals als langk sey das er Im an das gestierne slach vnd das hawbt In den himel ruer vnd stet das liecht das man den schein oder sternn mug an sehen So ist den leawtten als die sternn gegen ein ander lauffen vnd mit einander vrlewgen vnd als sy ser streytten
hoffleich ... zu einem schymph

Ein als ‚hoffleich‘ bezeichnetes Licht ‚zu einem schymph‘, also zu Scherz oder Kurzweil. Die Benennung belegt jedoch weder einen Hofauftrag noch eine bestimmte Vorführungssituation.

Centawrea

Centaurea; die Pflanzenbezeichnung wird im Text als Name des Krauts genannt.

wytthopphen plutt

Blut eines Wiedehopfs.

liechtstain

‚Lichtstein‘; die Funktion des Gefäßes wird im Wortlaut nicht erläutert.

gestierne

Gestirn, hier der Sternenhimmel.

Handschrift
Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Folio
Fol. 094r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch)
Entstehung
Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich), 1450
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

eines wytthopphen pluttblood Q494268
ollcooking oil Q427457

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 094r, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), B4 (Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Kein Speiserezept. Der Wortlaut nennt ein Lichtgefäß, Pflanzenmaterial, Wiedehopfblut und Öl, erklärt aber weder einen sicheren Aufbau noch einen nachvollziehbaren Wirkmechanismus.
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Stand dieser Fassung: 30.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.