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Eidechsenlicht für silberne Wände

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 · Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich) · 1450

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit30 Min.Portionen1 LichtBuchBerlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (~1450)

Noch ein anderes Licht: Nimm grüne Eidechsen und nimm das Schmalz aus ihnen. Mache daraus einen Docht und zünde das Licht nachts an. Es soll kein anderes Licht brennen als dieses. Und wer das Licht ansieht, wird meinen, die Wände seien silbern.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Grunn Edekchsen Grüne Eidechsen - Nicht beschaffen: Die historische Anweisung soll nicht mit lebenden Tieren nachgestellt werden. -
das smalcz aus Inn Eidechsenschmalz - Nicht beschaffen: Der Text nennt Eidechsenschmalz; eine praktische Rekonstruktion wird hier nicht empfohlen. -
ein tacht Docht - Supermarkt, Bastelbedarf -

Was ist das? Das zweite Lichtstück dieser Handschrift, direkt nach b4-150: ein Docht aus dem Fett grüner Eidechsen, der nachts als einziges Licht brennen soll und den Betrachtern die Wände silbern erscheinen lässt. Kein Speiserezept, sondern ein Schauzauber aus der Hausbuch-Tradition.

Der W1-Zwilling. w1-154 überliefert dasselbe Stück und heißt dort "Ein magisches Licht aus Eidechsenfett". Die Konkordanz ordnet w1-154 zusätzlich b4-149 zu; das ist ein Fehler der Zonenzählung, denn inhaltlich gehört w1-154 hierher.

Warum das funktionieren soll. Der behauptete Effekt beruht auf der Alleinstellung des Lichts: Eine einzige, farblich eigentümliche Flamme im sonst dunklen Raum verschiebt die Farbwahrnehmung, weil dem Auge jeder Vergleichswert fehlt. Das ist der Kern dieser Lichtstücke; der Text selbst erklärt nichts davon.

Nicht nachstellen. Weder Gewinnung des Fetts noch Bau des Dochts oder Brennweise werden genannt, und mit Tieren nachzustellen ist es ohnehin nicht. Ein Ersatzfett würde den behaupteten Effekt nicht belegen, deshalb steht hier keine Rekonstruktion.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Es ist keine Speise, sondern eine überlieferte Anweisung für ein als wirksam behauptetes Licht. Die im Text genannten Tiere sollen dafür heute nicht verwendet werden.

Was ist der Zweck dieser Anweisung?

Der Text behauptet, ein Licht aus Eidechsenschmalz lasse die Wände silbern erscheinen, wenn nachts kein anderes Licht brennt. Einen Wirkmechanismus nennt die Quelle nicht.

Was bedeutet ‚Edekchsen‘ und ‚smalcz aus Inn‘?

‚Edekchsen‘ ist eine Schreibform für Eidechsen. ‚Smalcz aus Inn‘ bezeichnet das Fett der im Satz zuvor genannten Eidechsen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (Mitte 15. Jh.). CoReMA-Handschrift B4 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 1187): bairisches Kochbuch der Mitte des 15. Jahrhunderts, 112 Blatt Papier. Enthält u.a. ein Paar-Rezept für "grünen Met" und ein Grundrezept "Wie du mett solt machen" (Honig-Wasser-Ansatz mit Hopfen und Hefe-Nachgärung) - textlich eng verwandt mit W1 (Wien, Cod. 2897), das dieselben zwei Met-Rezepte fast wortgleich überliefert.

Aber ein ander liecht NYm Grunn Edekchsen vnd nym das smalcz aus Inn vnd mach dauon ein tacht vnd czundt das liecht . des nachts . das chain liecht mer prynn denn das ain vnd wer das liecht an sicht . der will waenen die wenntt sein silbrein
Edekchsen

Schreibform für ‚Eidechsen‘.

smalcz aus Inn

Das Fett der genannten Eidechsen.

tacht

Docht.

silbrein

Variante zu ‚silbern‘. Der Text behauptet, dass die Wände im Licht silbern erscheinen.

Handschrift
Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Folio
Fol. 094v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch)
Entstehung
Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich), 1450
CoReMA

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 094v, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), B4 (Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Keine Speise, sondern eine Anweisung für ein als wirksam behauptetes Licht. Für die heutige Lagerpraxis ist sie nicht geeignet; die im Text genannten Tiere sollen nicht verwendet werden.
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Stand dieser Fassung: 30.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.