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Mandelziger-Zelten mit Ei

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit35 Min.Portionen2-4 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Ziger für die Fastenzeit.

Auf gleiche Weise kannst du Mandelziger für die Fastenzeit herstellen: Vermenge ihn mit Eiern und forme daraus scheibenförmige Zeltlein. Gib alle Zeltlein in geschlagene Eier und färbe sie mit Milch. Lege sie dann in eine Pfanne oder einen Topf, gieße Öl darüber und lass sie gut gar werden.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
mandel ziger Mandelziger - gut sortierter Supermarkt (veganer Frischkäse) oder selbstgemacht veganer Frischkäse auf Mandelbasis
aier Eier - - -
geschlagne ayer Geschlagene Eier - - -
milch Milch - - -
oel Öl - - -

Welches Gericht ist das? Aus dem Mandelziger (siehe die Grundzubereitung im vorangehenden Rezept) werden flache Scheiben geformt, die man durch eine geschlagene Ei-Milch-Tunke zieht und in Pfanne oder Topf in Öl gar werden lässt - im Kern eine Ei-Milch-Tunke auf einem Käse-/Quark-Ersatz, ähnlich der Zubereitung von in Ei-Milch getunkten und gebratenen Weißbrotscheiben, nur auf Mandelziger-Basis statt Brot. Als lebende Verwandte der Zubereitungsart lassen sich sächsische Quarkkeulchen oder alpine Zigerkrapfen/Zigerchüechli nennen - ebenfalls flache, in Fett gebratene Käse- oder Quark-Scheiben. Der Name ‚Zelten‘ selbst lebt heute vor allem als Tiroler/Südtiroler Weihnachtsgebäck weiter; das ist aber ein anderes, spezifischeres Gericht - nur der Wortstamm ist derselbe.

Das Wort ‚schypelote‘ (in ‚schypelote zeltle‘) ist ein Einzelbeleg, der in keinem der geprüften Wörterbücher auftaucht. Wir lesen es als ‚scheibenförmig‘, abgeleitet von mhd. ‚schîbe‘ (Scheibe) - eine plausible, aber nicht durch Belege gesicherte Deutung.

Die Anweisung ‚färbe es in der Milch‘ ist ungewöhnlich formuliert. Wir deuten sie als das Einrühren von Milch in die geschlagenen Eier der Tauchmasse, was den Zeltlein einen helleren Ton oder etwas Glanz geben könnte; eine gesonderte Milchglasur nach dem Eiertauchen ist ebenfalls denkbar, nach der Satzfolge des Texts aber weniger wahrscheinlich.

‚Warn werden‘ übersetzen wir als ‚gar werden‘; die Lesart ‚warm werden‘ bleibt sprachlich möglich, ist im Kontext des Garens in heißem Öl aber weniger naheliegend.

Praxis. Den Mandelziger mit Eiern vermengen und zu flachen Scheiben (Zeltlein) formen. Die Scheiben durch eine mit etwas Milch verrührte, geschlagene Eimasse ziehen. Der Text beschreibt danach, die Scheiben zunächst in Pfanne oder Topf zu legen und erst danach Öl darüberzugießen - nicht wie beim heutigen Anbraten das Öl vorzuheizen und die Stücke erst dann einzulegen. Das kann funktionieren, ergibt aber eher eine weichere, weniger krustige Textur als beim Anbraten in bereits heißem Fett. Für eine knusprigere Kruste lässt sich das Öl auch vorab erhitzen - das ist dann allerdings eine Abweichung vom Wortlaut. Eine Zeit- oder Temperaturangabe fehlt im Original; die Zeltlein sind fertig, wenn sie fest und durchgegart sind.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zelten lassen sich in einer Pfanne oder einem Topf über offenem Feuer braten. Der Mandelziger kann bereits zu Hause vorbereitet und mitgebracht werden, und Eier sowie Öl sind unproblematisch zu lagern und zu transportieren.

Das Rezept spricht von ‚Ziger in der Fasten‘, verwendet aber Eier. Ist es fastentauglich?

Nein, das fertige Gericht ist nicht fastentauglich. Obwohl der Mandelziger als Basis für die Fastenzeit gedacht ist, machen die hinzugefügten Eier die Zelten zu einer Speise, die nicht den mittelalterlichen Fastengeboten entspricht. Es handelt sich hier um eine Speise für normale Tage, die eine fastentaugliche Zutat als Basis nutzt.

Was bedeutet ‚färbe es in der Milch‘?

Diese Anweisung ist ungewöhnlich. Wir interpretieren sie als das Mischen von Milch in die geschlagenen Eier, die als Tauchmasse dienen. Dies könnte dazu dienen, den Zelten eine hellere Farbe oder einen besonderen Glanz zu verleihen, ähnlich einem milchigen Eier-Wash.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee)). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

Ziger jn der fasten Zuo glicher wiß machtu machen von mandel ziger in der fasten aier vnd mach schypelote zeltle dar alle in geschlagne ayer vnd faerbs in der milch vnd leg sy in ain pfannen oder tupfe vnd guß oel dar vf vnd lauß es wol warn werden etc.
Ziger

Ein Frischkäse oder Quark, der hier aus Mandeln hergestellt wird, um eine fastentaugliche, milchfreie Variante zu erhalten. Ähnlich einem veganen Frischkäse.

Mandelziger

Ein pflanzlicher Frischkäse-Ersatz, hergestellt aus Mandeln, Wasser und oft etwas Säure. Er war eine beliebte Zutat in der mittelalterlichen Fastenküche.

schypelote zeltle

Vermutlich ‚scheibenförmige Zeltlein‘ - kleine, flache Gebäckstücke. Das Wort ‚schypelote‘ ist ein Einzelbeleg, der in keinem der geprüften Wörterbücher auftaucht; die Deutung als ‚scheibenförmig‘ stützt sich auf eine plausible Ableitung von mhd. ‚schîbe‘ (Scheibe), ist aber nicht durch weitere Belege gesichert. ‚Zelten‘ (mhd. ‚zelte‘) bezeichnete allgemein flaches Gebäck oder Fladen.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartaier vnd mach schypelote zeltle dar

Gewählte Lesart: Wir interpretieren ‚aier‘ hier als eine Zutat, die mit dem Mandelziger zu den Zelten verarbeitet wird, bevor diese in weiteren geschlagenen Eiern getaucht werden.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Aier‘ könnte auch lediglich eine Einleitung zum folgenden ‚geschlagne ayer‘ sein, ohne dass Eier direkt in den Zelten-Teig kommen. - Die Formulierung ist knapp und könnte eine Ellipse sein. Allerdings ist die Nennung von ‚aier‘ vor der Anweisung, Zelten zu machen, ein starkes Indiz für eine Zutat im Teig.

Lesartschypelote

Gewählte Lesart: Wir lesen ‚schypelote‘ als ‚scheibenförmig‘, abgeleitet von mhd. ‚schîbe‘ (Scheibe).

Andere mögliche Lesart:

  • Das Wort ist in keinem der geprüften Wörterbücher (u.a. Lexer, Benecke, Idiotikon, Fischer, Grimm) oder im MHDBDB belegt und bleibt ein ungeklärter Einzelbeleg (Hapax legomenon). - Ohne Wörterbuch-Attestierung kann die Bedeutung nicht als gesichert gelten, auch wenn die Ableitung von ‚schîbe‘ sprachlich plausibel ist.

Lesartfaerbs in der milch

Gewählte Lesart: Wir lesen dies als eine Anweisung, Milch in die geschlagenen Eier zu mischen, um die Zelten damit zu färben oder ihnen einen besonderen Glanz zu verleihen.

Andere mögliche Lesarten:

  • Es könnte eine separate Milchglasur nach dem Eiertauchen gemeint sein. - Die Reihenfolge der Anweisungen ‚alle in geschlagne ayer vnd faerbs in der milch‘ legt eine aufeinanderfolgende oder kombinierte Anwendung nahe. Eine separate Glasur wäre weniger effizient und würde die Eier-Schicht wieder aufweichen.
  • Die Anweisung könnte sich auf das Färben des Mandelzigers selbst beziehen, bevor die Zelten geformt werden, und wäre dann im Text fehlplatziert. - Die Platzierung der Anweisung direkt nach dem Eiertauchen macht diese Lesart unwahrscheinlich, da sie sich auf die Zelten im aktuellen Zubereitungsstadium beziehen sollte.

Lesartwarn werden

Gewählte Lesart: Wir übersetzen ‚warn werden‘ im Kontext des Bratens in Öl als ‚gar werden‘, also vollständig durchgekocht sein.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch einfach ‚warm werden‘ bedeuten. - Obwohl ‚warm werden‘ eine mögliche Lesart ist, ist es im Kontext des Bratens von Teiglingen in heißem Öl weniger plausibel, da das Ziel das Garen und Bräunen ist, nicht nur das Erwärmen.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Am Feuer gut machbar: Der Mandelziger kann bereits zu Hause vorbereitet und mitgebracht werden, Eier, Milch und Öl sind unproblematisch zu lagern und zu transportieren (keine Kühlkette nötig). Das Eintauchen und Garen in Pfanne oder Topf erfordert aber mehrschrittige Handarbeit direkt am Stand kurz vor dem Servieren und lässt sich nicht wie ein reines Vorratsgericht vorab fertigstellen.
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