München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470
Wegerichsaft hilft, in unhörige (taube) Ohren geträufelt. Er ist auch gut, um Blut zu stillen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Wegrich safft | Wegerichsaft | - | Wiese, Wegrand (Wildpflanze) | - |
Was ist das? Kein Kochrezept, sondern ein kurzer Hausapotheken-Eintrag: eine medizinische Notiz zum Saft des Wegerichs (Plantago), wie sie in spätmittelalterlichen Sammelhandschriften oft zwischen den Küchenrezepten stehen. Genannt werden zwei traditionelle Anwendungen - ins Ohr geträufelt bei Hörproblemen und äußerlich zum Stillen von Blutungen.
Einordnung: Wegerich (besonders der Spitzwegerich, Plantago lanceolata) galt seit der Antike als adstringierende Wundpflanze; solche Zuschreibungen sind hier historisch zu lesen, nicht als heutige Anwendungsempfehlung. Der Eintrag dient bei uns der Vollständigkeit der Handschrift und zeigt, wie eng Küche und Hausapotheke im Spätmittelalter beieinander lagen.
Nein - das ist keine Speise, sondern eine medizinische Notiz aus der Handschrift. Nicht zum Verzehr und nicht für die Lagerküche gedacht.
Der Eintrag nennt zwei traditionelle Anwendungen: ins Ohr geträufelt bei Hörproblemen und äußerlich zum Stillen von Blutungen. Das ist historisch überliefert und hier dokumentarisch wiedergegeben - keine heutige Anwendungs- oder Heilempfehlung.
Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).
Der Wegerich (Plantago) ist eine alte Heilpflanzen-Gattung; besonders der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) wurde seit der Antike als Wund- und Hustenpflanze geschätzt.
‚Unhörige Ohren' - im Kontext taube oder schwerhörige Ohren; der Saft sollte hineingeträufelt werden.
‚Das Blut zu stillen' (Blutungen stoppen) - Wegerich galt traditionell als adstringierende, blutstillende Pflanze.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Wegrich safft hilffet In vngehorenden oren gegossen vnd ist ouch guot fur das pluot czuo verstellen
Gewählte Lesart: Eine medizinische Notiz zur Anwendung von Wegerichsaft (bei Hörproblemen ins Ohr, äußerlich zur Blutstillung) - kein kulinarisches Rezept.
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Stand dieser Fassung: 26.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.