Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Weiche Hafergrütze, Weizen oder Hirse in Milch kochen, bis der Brei dünnflüssig wird. Safran untermengen, dann Butter hineingeben und einmal aufwallen lassen. Mit Salz würzen und noch einmal kurz aufkochen lassen. So auftragen.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| waich haber groecz oder waicz oder von hirss | eingeweichte Hafergrütze (oder Weizen, oder Hirse) | - | - | Wahlweise Weizengrütze oder Hirse - alle drei sind im Original als gleichwertige Alternativen genannt. |
| milich | Milch | - | - | - |
| saffran | Safran | - | Gewürzhandel, gut sortierter Supermarkt | - |
| puttern | Butter | - | - | - |
| salcz | Salz | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein in Milch gekochter Getreidebrei aus Hafergrütze, Weizen oder Hirse - der Text nennt alle drei ausdrücklich als gleichwertige Alternativen, nicht als gemeinsame Zutatenliste. Safran färbt den Brei gelb, Butter und Salz runden ihn am Ende ab. Das ist die einfache, alltägliche Verwandtschaft des bis heute bekannten Milchbreis/Porridge - kein Schaugericht, sondern ein schlichtes Grundrezept, wie es sowohl in gehobener als auch in bürgerlicher Küche zubereitet worden sein dürfte.
Was bedeutet „dünnlicht“? Das Wort ist ein Hapax - weder bei Lexer, Benecke, Grimm noch in der CoReMA-Edition belegt, auch kein Korpus-Zwilling klärt es. Die plausibelste Lesart im Satzzusammenhang „Seud die mit milich dunlicht“ ist eine Konsistenz-Angabe: der Brei soll beim Kochen in Milch nicht zu dick, sondern eher dünnflüssig bleiben. Das bleibt eine Auslegung, kein gesicherter Befund.
Wird die Butter noch einmal aufgekocht, oder nur das Salz? Der Text hat an dieser Stelle zwei knapp aufeinanderfolgende Verbformen - „well“ nach der Butter, „erwell“ nach dem Salz. „Erwell“ ist als mhd. „erwellen“ (aufwallen/aufkochen lassen) gut belegt. Beim vorangehenden „well“ ist unklar, ob es dieselbe Bedeutung trägt (dann würde die Butter ein erstes Mal, das Salz ein zweites Mal aufgekocht) oder ob es sich um eine Form von mhd. „wellen“ (wollen/nehmen) handelt und sich schlicht auf das folgende Salz bezieht, ohne einen eigenen Kochschritt zu meinen. Ein Korpus-Grep zeigt: das Aufkoch-Verb erscheint im ganzen Buch sonst immer nur mit er-Vorsilbe - ein unpräfigiertes „well“ als Kochbefehl wäre der einzige Beleg seiner Art. Sicher belegt ist daher nur EIN Aufkochen, am Ende mit dem Salz; ob die Butter zuvor ein zweites Mal mitköchelt, bleibt offen.
Praxis. Grütze (Hafer, Weizen oder Hirse) einweichen, dann in Milch köcheln, bis die Masse eher dünnflüssig als fest ist - die Stärke der Grütze bindet den Brei von selbst, ohne Mehlschwitze oder andere Zusatzbindung. Safran unterrühren, dann Butter einarbeiten. Zum Schluss salzen und noch einmal kurz aufkochen lassen, damit sich alles verbindet, dann auftragen. Mengenangaben fehlen im Original vollständig - Milch-, Getreide- und Gewürzmenge nach Augenmaß und Erfahrung dosieren.
Der Originaltext nennt alle drei ausdrücklich als 'oder'-Alternative, nicht als gemeinsame Zutatenliste. Nimm, was gerade verfügbar ist - Hafergrütze ergibt den cremigsten, Hirse den körnigsten Brei.
Ja, gut geeignet: ein Topf, Feuer, 20-30 Minuten. Zwei Einschränkungen: Milch muss frisch bezogen und am selben Tag verarbeitet werden, und Safran ist eine teure Würze statt einer Vorrats-Grundzutat. Für einen Markttag mit morgendlichem Frischmilch-Einkauf ist das aber problemlos machbar.
Das Wort ist in keinem der geprüften mittelhochdeutschen Wörterbücher eindeutig belegt. Die plausibelste Lesart im Kontext ('seud die mit milich dunlicht') ist eine Konsistenz-Angabe: der Brei soll dünnflüssig, also nicht zu fest gekocht werden.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Grütze/Graupen, also grob geschrotetes Getreide - hier von Hafer, Weizen oder Hirse (Wikidata Q1436715).
Butter, hier in einer flektierten Substantivform, kein Verb 'buttern'.
Von mhd. 'erwellen' = aufwallen/aufkochen lassen. Der Brei wird nach Zugabe von Salz noch einmal kurz aufgekocht.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
dunlicht
Gewählte Lesart: Als Konsistenz-Adverb gelesen: 'dünnflüssig' - der Brei soll beim Kochen mit Milch nicht zu dick werden.
Andere mögliche Lesart:
well
Gewählte Lesart: Als Verbform von mhd. 'erwellen' (aufwallen/aufkochen lassen) gelesen, parallel zum wenig später stehenden 'erwell' - die Butter wird nach dieser Lesart einmal kurz mitaufgekocht, das Salz danach ein zweites Mal.
Andere mögliche Lesart:
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