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Geschälte harte Bohnen im Weinsud

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4 Personen als BeilageBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Getrocknete Bohnen in siedende Lauge legen, bis sich die Schale löst. Dann durch ein Sieb gießen und die Schalen abreiben.

Die geschälten Bohnen mit dem zuvor genannten Wein-Würzsud aufkochen und servieren.

Diese Bohnen kannst du auch mit Butter statt mit dem Wein-Sud zubereiten.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
hertten ponnen . ponen Getrocknete Bohnen - gut sortierter Supermarkt, Bio-Laden Dicke Bohnen (Vicia faba), getrocknet, aus dem Reformhaus
wallende laug Lauge - - Etwas Natron im Kochwasser als milde moderne Alternative zur historischen Aschenlauge
vorgenanten wein condiment Wein-Würzsud - - -
puttern Butter - - -

Welches Gericht ist das? Ein zweistufiges Verfahrensrezept für harte, getrocknete Saubohnen: zuerst werden sie in siedender Lauge geschält, dann im Wein-Würzsud aufgekocht und serviert. Am Ende nennt der Text eine zweite Variante, bei der die geschälten Bohnen mit Butter statt mit dem Sud zubereitet werden. Das Rezept reiht sich in einen kleinen Bohnen-Cluster auf aufeinanderfolgenden Folios ein (mha-097 „Falsche Bohnen aus Teig", mha-098 „Grüne Bohnen und Erbsen", mha-099 „Harte Bohnen") - typisch für Meister Hans' Kompilationsstil, verwandte Gerichte block-weise zu gruppieren.

Der Verweis auf den „vorgenannten" Würzsud ist ein Standardverfahren der Handschrift: mehrere Rezepte referenzieren so bereits beschriebene Sude, um Wiederholung zu vermeiden. Welches genaue Vorgänger-Rezept hier gemeint ist, lässt sich mit dem aktuell erschlossenen Bestand nicht sicher benennen - das bleibt offen.

Der Schlusssatz nennt nur das Ergebnis der zweiten Variante („Bohnen mit Butter"), nicht das Verfahren dahinter - im Transkript steht an dieser Stelle kein Stampf- oder Reib-Verb. Die wörtlich gedeckte Lesart ist eine einfache Butter-Variante der geschälten Bohnen anstelle des Wein-Suds. Ob die Bohnen zusätzlich zu einem streichfähigen Mus zerstampft wurden, ist eine plausible, aber unbelegte Interpretation (siehe Lesarten).

Praxis. Die getrockneten Bohnen über Nacht wässern, dann in kräftig siedendem Wasser mit einer Prise Natron (als milde moderne Entsprechung der historischen Aschenlauge) kochen, bis sich die Schale löst. Abgießen, die Schalen abreiben und entsorgen. Die geschälten Bohnen in einem Wein-Würzsud (Wein mit etwas Essig, Pfeffer und Ingwer kurz aufgekocht) fertig garen und servieren. Für die Butter-Variante die geschälten Bohnen stattdessen in Butter erhitzen statt im Wein-Sud; wer daraus zusätzlich einen Aufstrich machen möchte, kann die Bohnen anschließend grob zerstampfen - das ist eine moderne Ergänzung, keine im Text ausgeschriebene Anweisung.

Was ist die 'Lauge', in der die Bohnen gekocht werden?

Gemeint ist eine einfache Aschenlauge, Wasser das mit Holzasche vermengt wurde. Sie half historisch dabei, die feste Schale getrockneter Bohnen und Erbsen aufzuweichen und leichter abzulösen. Modern kannst du stattdessen eine Prise Natron ins Kochwasser geben, das wirkt ähnlich mildernd auf die Schale.

Was bedeutet 'der vorgenannte Wein-Condiment'?

Meister Hans verweist hier auf ein Würzsud-Rezept, das im Manuskript weiter oben steht und in diesem Eintrag nicht wiederholt wird. Ohne den genauen Vorgänger-Text zur Hand kannst du ersatzweise einen einfachen Wein-Essig-Gewürzsud ansetzen, etwa Wein mit etwas Essig, Pfeffer und Ingwer kurz aufgekocht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, mit kleinem Vorlauf: die Aschenlauge sollte vorher angesetzt sein (Asche mit Wasser verrühren, kurz absetzen lassen), danach ist das Schälen und Kochen der Bohnen am Feuer unkompliziert und dauert etwa 1-2 Stunden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

von herten Item von hertten ponnen . ponen . mach die also thue die In wallende laug vncz das Im die palg ab geen So geuss sy In ain sib vnd reib die palg dauon erwoll sy mit dem vor= genanten wein condiment vnd gibs dann hin Diss ponnen machtu machen ponnen puttern .
palg

Balg, also Schale/Hülse der Bohne. Die CoReMA-Glosse zu diesem Rezept (bs1.99) verlinkt „palg" mit Wikidata Q107263052 („pea skin", Hülsenfrucht-Schale) - deckungsgleich mit dieser Lesart als Bohnenschale. Sie wird nach dem Kochen in der Lauge abgerieben und entsorgt, ist also keine Zutat zum Verzehr.

condiment

Von lat. condimentum, ein Würzsud. Der Zusatz 'vorgenanten' (vorgenannt) zeigt, dass hier auf ein bereits beschriebenes Rezept zurückverwiesen wird, nicht auf eine neue Zutat.

erwoll

Von mhd. erwellen, kurz aufwallen/aufkochen lassen.

puttern

Substantiv 'Butter' in einer schwachen Form, nicht das Verb 'buttern'.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 044v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartvorgenanten wein condiment

Gewählte Lesart: Verweis auf ein zuvor im Kochbuch beschriebenes Wein-Würzmittel, das hier nicht erneut ausgeschrieben wird, sondern als bekannt vorausgesetzt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Eigenständige, hier neu eingeführte Zutat namens 'Weinkondiment' - Ohne den Vorrezept-Kontext könnte man es als eigenständige Zutatbezeichnung lesen, aber das Wort 'vorgenanten' (vorgenannt) verweist grammatisch klar auf etwas bereits Genanntes zurück.

Lesartponnen puttern

Gewählte Lesart: Die geschälten Bohnen werden mit Butter statt mit dem Wein-Sud zubereitet - der Transkripttext nennt nur dieses Ergebnis, kein Stampf- oder Reib-Verb, daher wird hier keine Mus-Technik unterstellt.

Andere mögliche Lesart:

  • Zu einem gestampften, streichfähigen Bohnenmus/-aufstrich verarbeitet - Plausible, aber im fnhd-Text nicht ausgeschriebene Rekonstruktion; an dieser Stelle im Transkript steht kein Stampf- oder Reib-Verb. Ein vergleichbares englischsprachiges Bohnenpüree-Rezept (foc-072, 'Makke') beschreibt zwar eine ähnliche Mörser-Technik, wurde im Korpusabgleich aber als zu lose verwandt eingestuft, um als Beleg zu dienen - bleibt daher unbestätigte Interpretation, keine gesicherte Lesart.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 044v, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Topf am Feuer in gut 1-2 Stunden fertig, sobald die Lauge (Holzasche mit Wasser vermengt und kurz abgesetzt) angesetzt ist. Getrocknete Bohnen brauchen etwas Kochzeit, bis sich die Schale löst, sonst unkompliziertes Vorratsessen mit wenigen Zutaten.
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