Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Über eine Sauce, die zu fett ist, mach es so: Wenn die Sauce zu fett ist und beim Stehen fest wird, gieße siedendes Wasser darauf. So wird sie wieder klar.
Dann die Schüssel auf eine Seite neigen, damit das Wasser nicht zu lange darauf stehen bleibt. Sonst zergeht die Sauce.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| gabraid | Sauce, die zu fett ist | - | - | - |
| siedenncz wasser | Siedendes Wasser | - | Leitung | - |
Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht, sondern ein Küchenkniff: das Wiederherstellen einer zu fett geratenen Sauce ('gabraid') mit siedendem Wasser. Lebendige Verwandtschaft ist die Praxis, eine Brühe oder Sauce vor der Weiterverarbeitung zu entfetten - der Vorläufer des heutigen Fettkännchens, hier aber mit heißem statt kaltem Wasser gelöst.
Wenn eine fette Sauce abkühlt und steht, bildet sich eine feste Fettschicht ('gesteet'). Siedendes Wasser macht diese Schicht wieder flüssig - der Text nennt das Ergebnis 'lauter' (klar), nicht ausdrücklich 'weniger fett'.
Praxis. Sobald die Sauce fest geworden ist, siedendes Wasser darübergießen. Die Schüssel danach schräg halten und das Wasser zügig abgießen, bevor es zu lange darauf steht - sonst beginnt die Sauce selbst sich aufzulösen ('zergeet'). Ob dabei tatsächlich Fett mit dem Wasser abläuft oder die Technik vor allem die geronnene Sauce wieder glattzieht, sagt der Text nicht - beide Lesarten sind mit dem Wortlaut vereinbar.
Gabraid ist die mittelhochdeutsche Bezeichnung für eine Sauce oder Brühe. Der Begriff klingt einem anderen Wort ähnlich, das anderswo Innereien von Wild bezeichnet, hier ist aber laut der Sachglosse der Quelle klar eine Sauce gemeint.
Ja, sehr gut. Es braucht nur einen Topf mit kochendem Wasser und eine Schüssel, die Technik dauert nur wenige Minuten und lässt sich direkt am Feuer anwenden, wenn eine Sauce zu fett geraten ist.
Damit das heiße Wasser nicht zu lange auf der Sauce stehen bleibt. Der Text ist hier eindeutig: Bleibt das Wasser zu lange darauf, beginnt die Sauce selbst sich aufzulösen ('zergeet'). Das schräge Halten und zügige Abgießen ist also vor allem eine Frage des richtigen Zeitpunkts, keine aufwendige Technik.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
CoReMA verlinkt das Wort zu 'Sauce' als Gerichtstyp. In anderen mittelhochdeutschen Texten kann ein ähnlich klingendes Wort ('Gebräde') auch Innereien von Wild meinen, hier ist aber laut Sachglosse eindeutig eine Sauce oder Brühe gemeint, keine Zutat.
Von mhd. 'gestân' - hier im Sinn von 'erstarrt, setzt sich fest', wenn die fette Sauce beim Abkühlen eine feste Fettschicht bildet.
Von 'neigen' - die Schüssel schräg stellen, kippen, um das Wasser zügig abzugießen, bevor es zu lange auf der Sauce steht.
Zergeht, löst sich auf - gemeint ist, dass die Sauce selbst zerfällt oder verkocht, wenn das heiße Wasser zu lange darauf steht.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
gabraid
Gewählte Lesart: Sauce/Brühe, gemäß der CoReMA-Sachglosse, die das Wort explizit als Gerichtstyp 'sauce' verlinkt.
Andere mögliche Lesart:
gesteet
Gewählte Lesart: Erstarrt, setzt sich fest - die fette Sauce bildet beim Stehen eine feste Fettschicht (von mhd. 'gestân').
Andere mögliche Lesart:
zergeet
Gewählte Lesart: Zergeht, löst sich auf beziehungsweise verkocht, wenn das heiße Wasser zu lange auf der Sauce steht.
Andere mögliche Lesart:
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