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Gepresste Speise ohne Presse herstellen

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit30 Min.Portionenbeliebige Menge (Technik, keine feste Portion)BuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Willst du ein andermal eine gepresste Speise herstellen, hast aber keine Presse zur Hand, so hilf dir so: Nimm es und lege es auf einen Tisch. Beschwere es so stark, wie das Tuch es aushält.

Fasse dir dabei ein gutes Herz, während du kochst oder kochen willst. So wird es gut.

Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht mit eigener Zutatenliste, sondern eine reine Behelfstechnik: Tisch, Tuch und Gewichte ersetzen eine fehlende Presse. Das ist dieselbe Grundidee, mit der bis heute Frischkäse, Paneer oder andere gepresste Milch- und Quarkmassen ohne dedizierte Form hergestellt werden - Masse ins Tuch, mit Alltagsgegenständen beschweren, Flüssigkeit abpressen.

Was genau wird gepresst? Der Text selbst nennt keine Zutat. Die beiden unmittelbar vorangehenden Einträge im selben Manuskript drehen sich um gepressten Fisch (einmal mit vorhandener Presse, einmal als Fisch-Mus-Variante) - das spricht dafür, dass auch hier Fisch gemeint sein könnte, nicht zwingend eine Käse- oder Quarkmasse. Eine sichere Zuordnung ist aus dem kurzen Eintrag allein nicht möglich.

Wie viel Gewicht? Der Text begrenzt die Beschwerung ausdrücklich durch das, was das bereits vorhandene Tuch aushält, nicht durch eine feste Zahl oder Zeitangabe. Ein einzelnes, ungewöhnliches Wort im Original lässt offen, ob damit die Gewichtsmenge oder die Presszeit gemeint ist - die Gewichts-Lesart passt aber besser zum unmittelbaren Kontext des Beschwerens.

Praxis. Eine feste, ebene Unterlage (Tisch oder Brett), ein durchlässiges Tuch und ein paar schwere Alltagsgegenstände (Steine, gefüllte Töpfe, ein zweites Brett mit Gewicht obenauf) reichen als improvisierte Presse. Das Tuch lässt Flüssigkeit abtropfen, während die feste Masse zusammengehalten wird; das Gewicht wird so gewählt, dass das Tuch nicht reißt. Kein Feuer, keine Kühlung nötig - der Aufbau selbst dauert nur wenige Minuten, das eigentliche Pressen braucht je nach Masse deutlich länger.

Was ist mit 'gepresster Speise' gemeint?

Der Begriff bezeichnet ein Gericht, das durch Beschweren fest gepresst wird. Der Text selbst nennt keine konkrete Zutat. Die beiden unmittelbar vorangehenden Einträge im selben Manuskript behandeln gepressten Fisch (mit vorhandener Presse) - das legt nahe, dass hier ebenfalls Fisch gemeint sein könnte, auch wenn sich das nicht mit Sicherheit belegen lässt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, sehr gut sogar - es braucht nur einen Tisch, ein Tuch und ein paar schwere Gegenstände zum Beschweren, alles ohne Feuer oder besonderes Gerät. Genau die Art von pragmatischer Behelfslösung, die auch im Lager oft gefragt ist.

Was bedeutet die Anweisung 'nym dir ein guoten muot'?

Wörtlich 'nimm dir einen guten Mut' - eine aufmunternde Bemerkung, die dem Koch gute Laune und Zuversicht beim Kochen wünscht. Solche persönlichen Zusprüche sind in mittelalterlichen Kochbüchern selten und lockern den sonst rein technischen Ton dieses kurzen Eintrags auf.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Aber von einem Item macht gepressten essen ze machen du der presss nicht gehaben . So nym vnd legs vf ainen tisch vnd lege darauf als das tuoch muge ertragen vnd nym dir ein guoten muot wann du es kochest oder kochen wild . So wirt es guot .
gepressten essen

Sammelbegriff für eine 'gepresste Speise'. Der Originaltext nennt keine konkrete Zutat, sondern beschreibt nur die Technik des Pressens. Der Buchkontext (die beiden vorangehenden Einträge über gepressten Fisch) legt nahe, dass hier ebenfalls Fisch gemeint sein könnte - eine frühere Vermutung auf Käse oder Quark ist nicht zwingend gestützt.

presss

Die 'Presse' - ein spezielles Küchengerät zum Auspressen, das hier ausdrücklich fehlt ('du der presss nicht gehaben' = wenn du die Presse nicht hast). Der ganze Eintrag ist eine Behelfslösung für diesen Fall.

tuoch

Ein Tuch, im Sinne eines Käsetuchs (Cheesecloth). Der Text setzt es bereits als vorhanden voraus - es wird nicht als eigener Schritt aufgelegt, sondern dient als Maßstab dafür, wie viel Gewicht man auflegen darf.

nym dir ein guoten muot

Wörtlich 'nimm dir einen guten Mut' - eine aufmunternde, fast persönliche Randbemerkung des Kochbuch-Verfassers, die in mittelalterlichen Kochbüchern selten ist.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 091v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartertragen

Gewählte Lesart: Als 'aushalten/tragen können' im Sinne von Gewicht: das Tuch soll so viel Gewicht tragen können, wie man draufgelegt hat.

Andere mögliche Lesart:

  • Zeitliches 'aushalten/durchhalten' - das Tuch soll die Presszeit über intakt bleiben, nicht speziell auf Gewicht bezogen. - Das Wort ist im Korpus ein Hapax legomenon (nur hier belegt), eine sichere Zuordnung fehlt. Beide Lesarten ergeben im Kontext Sinn, die Gewichts-Lesart passt aber besser zur vorangehenden Beschreibung des Beschwerens.

Lesartguoten muot

Gewählte Lesart: Als emotionale Aufmunterung übersetzt: 'gute Laune, Zuversicht' beim Kochen - eine persönliche, ermutigende Randbemerkung.

Andere mögliche Lesart:

  • Als Aufforderung zu Aufmerksamkeit/Sorgfalt ('guten Sinn walten lassen') statt als emotionale Ermutigung. - Mhd. 'muot' kann neben 'Gemüt/Stimmung' auch allgemeiner 'Sinn, Aufmerksamkeit' bedeuten. Der Kontext (kurze, praktische Anleitung) ließe auch eine Lesart als Mahnung zur Sorgfalt statt als reine Aufmunterung zu.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 091v, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Tisch, Tuch und ein paar schwere Gegenstände zum Beschweren reichen als improvisierte Presse - keine Kühlung, kein Feuer, in wenigen Minuten aufgebaut.
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