Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Willst du ein andermal eine gepresste Speise herstellen, hast aber keine Presse zur Hand, so hilf dir so: Nimm es und lege es auf einen Tisch. Beschwere es so stark, wie das Tuch es aushält.
Fasse dir dabei ein gutes Herz, während du kochst oder kochen willst. So wird es gut.
Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht mit eigener Zutatenliste, sondern eine reine Behelfstechnik: Tisch, Tuch und Gewichte ersetzen eine fehlende Presse. Das ist dieselbe Grundidee, mit der bis heute Frischkäse, Paneer oder andere gepresste Milch- und Quarkmassen ohne dedizierte Form hergestellt werden - Masse ins Tuch, mit Alltagsgegenständen beschweren, Flüssigkeit abpressen.
Was genau wird gepresst? Der Text selbst nennt keine Zutat. Die beiden unmittelbar vorangehenden Einträge im selben Manuskript drehen sich um gepressten Fisch (einmal mit vorhandener Presse, einmal als Fisch-Mus-Variante) - das spricht dafür, dass auch hier Fisch gemeint sein könnte, nicht zwingend eine Käse- oder Quarkmasse. Eine sichere Zuordnung ist aus dem kurzen Eintrag allein nicht möglich.
Wie viel Gewicht? Der Text begrenzt die Beschwerung ausdrücklich durch das, was das bereits vorhandene Tuch aushält, nicht durch eine feste Zahl oder Zeitangabe. Ein einzelnes, ungewöhnliches Wort im Original lässt offen, ob damit die Gewichtsmenge oder die Presszeit gemeint ist - die Gewichts-Lesart passt aber besser zum unmittelbaren Kontext des Beschwerens.
Praxis. Eine feste, ebene Unterlage (Tisch oder Brett), ein durchlässiges Tuch und ein paar schwere Alltagsgegenstände (Steine, gefüllte Töpfe, ein zweites Brett mit Gewicht obenauf) reichen als improvisierte Presse. Das Tuch lässt Flüssigkeit abtropfen, während die feste Masse zusammengehalten wird; das Gewicht wird so gewählt, dass das Tuch nicht reißt. Kein Feuer, keine Kühlung nötig - der Aufbau selbst dauert nur wenige Minuten, das eigentliche Pressen braucht je nach Masse deutlich länger.
Der Begriff bezeichnet ein Gericht, das durch Beschweren fest gepresst wird. Der Text selbst nennt keine konkrete Zutat. Die beiden unmittelbar vorangehenden Einträge im selben Manuskript behandeln gepressten Fisch (mit vorhandener Presse) - das legt nahe, dass hier ebenfalls Fisch gemeint sein könnte, auch wenn sich das nicht mit Sicherheit belegen lässt.
Ja, sehr gut sogar - es braucht nur einen Tisch, ein Tuch und ein paar schwere Gegenstände zum Beschweren, alles ohne Feuer oder besonderes Gerät. Genau die Art von pragmatischer Behelfslösung, die auch im Lager oft gefragt ist.
Wörtlich 'nimm dir einen guten Mut' - eine aufmunternde Bemerkung, die dem Koch gute Laune und Zuversicht beim Kochen wünscht. Solche persönlichen Zusprüche sind in mittelalterlichen Kochbüchern selten und lockern den sonst rein technischen Ton dieses kurzen Eintrags auf.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Sammelbegriff für eine 'gepresste Speise'. Der Originaltext nennt keine konkrete Zutat, sondern beschreibt nur die Technik des Pressens. Der Buchkontext (die beiden vorangehenden Einträge über gepressten Fisch) legt nahe, dass hier ebenfalls Fisch gemeint sein könnte - eine frühere Vermutung auf Käse oder Quark ist nicht zwingend gestützt.
Die 'Presse' - ein spezielles Küchengerät zum Auspressen, das hier ausdrücklich fehlt ('du der presss nicht gehaben' = wenn du die Presse nicht hast). Der ganze Eintrag ist eine Behelfslösung für diesen Fall.
Ein Tuch, im Sinne eines Käsetuchs (Cheesecloth). Der Text setzt es bereits als vorhanden voraus - es wird nicht als eigener Schritt aufgelegt, sondern dient als Maßstab dafür, wie viel Gewicht man auflegen darf.
Wörtlich 'nimm dir einen guten Mut' - eine aufmunternde, fast persönliche Randbemerkung des Kochbuch-Verfassers, die in mittelalterlichen Kochbüchern selten ist.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
ertragen
Gewählte Lesart: Als 'aushalten/tragen können' im Sinne von Gewicht: das Tuch soll so viel Gewicht tragen können, wie man draufgelegt hat.
Andere mögliche Lesart:
guoten muot
Gewählte Lesart: Als emotionale Aufmunterung übersetzt: 'gute Laune, Zuversicht' beim Kochen - eine persönliche, ermutigende Randbemerkung.
Andere mögliche Lesart:
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