Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553
Willst du eine Pastete von kleinen Vögeln machen, nimm die Vögelchen so reichlich, wie du für die Pastete brauchst.
Lege eine Lage Vögelchen und eine Lage Speck ein, bis die Pastete voll wird. Gib auch ein wenig Rosinen dazu.
Lass sie ein wenig backen. Danach gib ein kleines Tröpfchen guten Wein daran, so ist sie fertig.
Hast du aber keine frische Butter, nimm stattdessen Fett von einem Ochsen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| die fegellen | kleine Vögel | - | - | - |
| specklen | Speck | - | - | - |
| weinper | Rosinen | - | - | - |
| ain klains trepfflin gúten wein | guter Wein | - | - | - |
| frischen putter | Butter | - | - | Fett von einem Ochsen (faistin), wenn keine frische Butter vorhanden ist |
Welches Gericht ist das? Eine geschichtete Fleischpastete aus kleinen Vögeln und Speck, mit etwas Rosinen und zuletzt einem Schuss Wein verfeinert - eine reine Füllungsanleitung. Die Pastetenhülle setzt das Buch an anderer Stelle voraus: am naheliegendsten saw-061, das den Heißwasser-Pastetenteig ausdrücklich als Grundrezept 'für alle aufgesetzten Pasteten' einführt. Die nächsten lebenden Verwandten sind die französische pâté en croûte mit Wildgeflügel und die englische game pie: beide schichten Fleisch und Fett in eine Teighülle und runden am Ende mit einem Schuss Alkohol ab.
Wie lange muss die Füllung backen? Der Text sagt nur „lass sie ein wenig backen“ - ohne Zeit- oder Temperaturangabe. Denkbar ist, dass nur ein kurzes Fertigbacken gemeint war, weil die Hülle an anderer Stelle im Buch schon vorgebacken beschrieben wird; im Text selbst steht das aber nicht.
Dokumentarisch, kein Nachkoch-Rezept. Die im Original genannten kleinen Wildvögel stehen heute EU-weit unter strengem Artenschutz. Wir beschreiben das Verfahren deshalb als historisches Zeitzeugnis, nicht als Anleitung mit Ersatz-Zutat: Vögelchen und Speck wurden lagenweise in die vorgebackene Pastetenhülle gefüllt, dazwischen etwas Rosinen gestreut, kurz gebacken und zuletzt mit einem Tröpfchen guten Wein beträufelt. Fehlte frische Butter, diente ersatzweise Fett von einem Ochsen.
Nicht als Nachkoch-Rezept gedacht. Die historisch gemeinten kleinen Singvögel wie Drosseln oder Lerchen stehen in Deutschland und der EU unter strengem Artenschutz. Wir dokumentieren dieses Rezept als historisches Zeitzeugnis, nicht mit einer Ersatzzutat zum Nachkochen.
Nein - nicht als Nachkoch- oder Vorführgericht gedacht, weil die Original-Zutat (kleine Wildvögel) heute EU-weit streng geschützt ist. Wir dokumentieren das Rezept als historisches Kuriosum, nicht als Anleitung mit Ersatz-Zutat.
Damit ist Fett vom Ochsen gemeint, das als Ersatz dient, falls keine frische Butter zur Hand ist. Das Rezept selbst belegt diesen pragmatischen Ersatz nur als Einzelfall; wie verbreitet solche Fett-Alternativen allgemein waren, lässt sich daraus nicht ableiten.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).
Kleine Vögel, im 16. Jahrhundert eine geschätzte Delikatesse (z.B. Drosseln, Lerchen). Heute in DE/EU als Wildvögel streng geschützt.
Lage, hier im Sinne von schichtweisem Einlegen der Vögel und des Specks in die Pastete.
Weinbeeren, hier vermutlich getrocknete Rosinen, nicht frische Weintrauben.
Kleines Tröpfchen, eine sehr geringe Menge.
Fett, hier Fett vom Ochsen als Ersatz für frische Butter.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| die fegellen | small poultry Q107262076 |
| weinper | raisin Q13186 |
| ain klains trepfflin gúten wein | wine Q282 |
| frischen putter | butter Q34172 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
raich
Gewählte Lesart: ‚so reichlich', also so viele Vögelchen wie für die Pastete benötigt werden
Andere mögliche Lesart:
lasß ain wenig bachen
Gewählte Lesart: ‚Ein wenig backen' als knappe, unbestimmte Zeitangabe - der Text nennt weder Dauer noch Temperatur
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 25.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.