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Gelbes Weinteiglein für Mandel-Sülzbachen

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit10 Min.PortionenTeigmenge für ein weiteres Gericht (Mandel- oder Sülzbachen)BuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Willst du ein Teiglein anmachen für das Mandel- oder das Sülzbachen-Gericht, so mach es mit Wein an und färbe es gelb. Dann ist es fertig.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
taiglin Mehl - - -
wein Wein - - -
gilb Safran (zum Gelbfärben) - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das?

Kein eigenständiges Gericht, sondern ein knapp beschriebenes Hilfs-Teiglein: eine mit Wein angerührte, safrangelb gefärbte Masse, die als Bindung oder Hülle für zwei andere Gerichte des Buchs dient - je nachdem, ob man sie für das "Mandel"-Gericht oder das "Sülzbachen" braucht (der Text sagt "oder", nicht "und"). Funktional am nächsten verwandt ist der bis heute gebräuchliche Safran- oder Eigelb-Anstrich, der Gebäck vor dem Backen goldene Farbe gibt - anders als bei Broten oder Gebäcken, in deren ganzen Teig der Safran verteilt wird (etwa bei schwedischen Lussekatter), bleibt der Safran hier auf eine dünne Hülle beschränkt.

Die offene Frage: mit Mehl oder ohne?

Der Text nennt nur "ain taiglin" (ein Teiglein) und sagt nicht, woraus es besteht. Dass ein "Teiglein" mit Mehl gebunden wird, ist die naheliegendste Lesart, doch an anderen Stellen des Buchs kann "taiglin" auch für eine reine Ei- oder Semmelbrei-Masse zum Überziehen stehen, ganz ohne Mehl. Beide Lesarten bleiben offen.

Praxis.

Wein und - je nach gewählter Lesart - etwas Mehl zu einer dünnen, streichfähigen Masse verrühren, mit Safran gelb färben (in etwas Wein aufgelöst oder direkt eingerührt). Diese Masse dient als Überzug oder Bindung für ein bereits vorbereitetes Gericht und wird selbst nicht gekocht oder gebacken - der Text endet mit dem Anrühren. Mengenverhältnisse für Wein, Mehl und Safran nennt das Rezept nicht; sie richten sich nach der Menge des Gerichts, das damit überzogen werden soll. Konkret angewendet wird dieses Teiglein bei saw-143 und saw-147: beide ziehen fertige Oblaten-Mandel-Pakete durch ein "gelbes Teiglein" und frittieren sie danach in Schmalz - das Anrühren hier ist also nur der erste Schritt eines mehrteiligen Gerichts.

Was ist ein 'Sülzbachen', für das dieses Teiglein gedacht ist?

Vermutlich eine gebackene Sülzspeise, zusammengesetzt aus 'Sülz' (Sülze, geliertes Fleisch oder Fisch) und 'bachen' (backen). Das Rezept selbst beschreibt nur das Hilfs-Teiglein, nicht das Hauptgericht, daher bleibt die genaue Zusammensetzung des Sülzbachens unklar.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Die Frage passt hier eigentlich nicht: Das ist kein eigenständiges Gericht, sondern eine Zwischenzutat für zwei andere Rezepte im Buch (saw-143 und saw-147), die dort ihre eigene Lagerküche-Bewertung tragen (beide: gut geeignet). Das Anrühren selbst - Mehl, Wein und Safran verrühren - braucht keine Kühlung und dauert Minuten.

Was bedeutet 'gilben' im Rezept?

'Gilben' heißt 'gelb färben' und geschieht in diesem Kochbuch fast immer mit Safran. Der Safran gibt dem Teiglein seine charakteristische goldgelbe Farbe, wie es für festliche Speisen der Zeit typisch war.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Jtem wiltú ain taiglin anmachen zú dem mandel oder seltzbaches, so mach es mit ainem wein an vnnd gilb es, so jst es gemacht.
taiglin

Ein 'Teiglein', also ein kleiner Anteil dünnflüssiger Teig oder Anrührmasse - hier ohne genaue Mengenangabe, gedacht als Zutat für ein anderes Gericht.

gilb

Verb für 'gelb färben'. In der Sabina Welserin geschieht das durchweg mit Safran, daher hier als Safran-Färbung übersetzt.

seltzbaches

Vermutlich eine zusammengesetzte Form aus 'Sülz' (Sülze, siehe kersseltz) und 'bachen' (backen) - ein gebackenes Sülz-Gericht. Die genaue Speise lässt sich aus diesem kurzen Verweis allein nicht sicher rekonstruieren.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 26 verso
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

weinwine Q282
gilbsaffron Q25434

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartseltzbaches

Gewählte Lesart: Gelesen als zusammengesetzte Form von 'Sülz' (Sülze) und 'bachen' (backen) - ein gebackenes Sülz-Gericht, zu dem dieses Teiglein gehört.

Andere mögliche Lesart:

  • Reiner Eigenname eines im Buch an anderer Stelle beschriebenen Gerichts, dessen genaue Zusammensetzung wir nicht kennen. - Kurze Verweise dieser Art beziehen sich im Buch oft auf ausführlichere Rezepte an anderer Stelle, die uns hier nicht vorliegen.

Lesarttaiglin

Gewählte Lesart: Das 'Teiglein' setzt stillschweigend Mehl als Grundstoff voraus, auch wenn das Wort im Text nicht genannt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Denkbar wäre auch eine reine Wein-Safran-Anmachung ohne Mehl, etwa zum Bestreichen statt als eigentlicher Teig. - Der Text nennt kein Mehl ausdrücklich, sodass die genaue Zusammensetzung offen bleibt.

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 26 verso, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Für dieses Hilfs-Teiglein gibt es keine eigene Lagerküche-Einstufung: Es ist kein Gericht, sondern eine Zwischenzutat für zwei andere Rezepte (saw-143 und saw-147), die dort die tatsächliche Zubereitung und Lagerküche-Bewertung tragen. Das Anrühren selbst braucht kein Kochen und keine Kühlung.
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Stand dieser Fassung: 25.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.