Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553
Willst du Reisküchlein backen: Lass den Reis zuvor sieden und stoße Mandeln; mache sie mit Eiern dünn und backe es - so ist es recht. Auch tut man Zucker dazu.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| reisß | Reis | - | - | - |
| mandel | Mandeln, gemahlen | - | Supermarkt (Backregal) | Ganze Mandeln im Blender kurz zermahlen, wenn frisch gestoßene Mandeln bevorzugt werden |
| airen | Eier | - | - | - |
| zúcker | Zucker | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein in der Pfanne gebackenes Reis-Mandel-Küchlein: vorgekochter Reis wird mit gestoßenen Mandeln, Ei und Zucker zu einem dünnen Teig verrührt und wie ein kleiner Pfannkuchen oder Krapfen ausgebacken - ein Vorfahr des heutigen Reisplätzchens bzw. Reistalers, wie es als Resteverwertung noch in der deutschen Hausküche bekannt ist.
Wie kommt der Reis in den Mandel-Ei-Teig? Der Text selbst sagt es nicht wörtlich: „mach jn mit airen tinn" bezieht sich grammatisch auf die zuvor gestoßenen Mandeln, nicht ausdrücklich auf den Reis. Dass beides am Ende zusammenkommt, ergibt sich aus dem Rezeptnamen („Reisskiechlen") und der Zutatenliste - eine notwendige, aber im Transkript nicht ausgesprochene Verfahrensbrücke. Die Zwillingsrezepte im Korpus (kkm-091, mon-002, ri15632-026) bestätigen dasselbe Grundverfahren aus gekochtem, zerstoßenem Reis mit Ei; saw-103 fügt diesem Grundteig zusätzlich Mandeln bei und macht ihn ausdrücklich dünner.
Vor oder nach dem Backen der Zucker? Im Original steht „aúch thut zúcker darein" wörtlich erst nach „so jst es recht" - also nach dem Backschritt. Dieselbe Konstruktion leitet an anderer Stelle im Buch (saw-033) eine nachträgliche Fertigstellungshandlung ein. Zusammen mit den Zwillingen, die den Zucker durchgehend erst auf die fertig gebackenen Küchlein streuen, spricht das eher für ein Bestreuen der fertigen Küchlein als für ein Einrühren in den rohen Teig - textlich zwingend entschieden ist es aber nicht.
Praxis. Reis vorkochen, bis er sich zerdrücken lässt (das Original nennt keinen genauen Gargrad). Mandeln stoßen bzw. mahlen und mit Eiern zu einem dünnflüssigen Teig verrühren, den vorgekochten Reis einmengen. In der Pfanne mit etwas Fett wie kleine Pfannkuchen ausbacken. Nach dem Backen mit Zucker bestreuen - wer die Variante mit vorher eingerührtem Zucker bevorzugt, verrührt ihn stattdessen schon mit dem Teig, beide Wege sind mit dem knappen Originaltext vereinbar.
Ja, hervorragend geeignet. Reis vorkochen, mit gemahlenen Mandeln, Ei und Zucker zu einem dünnen Teig verrühren und in der Pfanne ausbacken - in gut einer halben Stunde am Feuer fertig, ohne Ofen und ohne Kühlbedarf.
Das Rezept setzt die Pfanne mit etwas Fett als selbstverständlich voraus, ohne es eigens zu nennen. Butter oder Schmalz waren im 16. Jahrhundert die übliche Wahl zum Ausbacken solcher Küchlein.
'Tinn' ist die schwäbisch-augsburgische Dialektform von 'dünn'. Sie beschreibt die gewünschte Konsistenz des Eier-Mandel-Teigs vor dem Ausbacken.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).
Reisküchlein, kleine in der Pfanne gebackene Fladen aus gekochtem Reis, gestoßenen Mandeln, Ei und Zucker.
Hier eindeutig Mandeln (die Nuss), nicht der gleichlautende 'Mantel' (Umhang) - der kulinarische Kontext mit Eiern, Reis und Zucker lässt keine andere Lesart zu.
Dialektale Schreibung für 'dünn'. Der Teig soll durch die Eier eine dünnflüssige, gießfähige Konsistenz bekommen - bestätigt durch die Zwillingsrezepte mon-002 und ri15632-026, die mit fast derselben Wendung ('mach In nicht cze dwnn' / 'nicht ze dunn') vor einem zu dünnen Teig warnen, sowie durch das Schwäbische Wörterbuch (Fischer: 'maisbrei tinn') und das buchinterne saw-047 ('ain tins taiglin' = 'ein dünnes Teiglein').
Imperativ zu 'backen': 'backe es'. Gemeint ist das Ausbacken in der Pfanne, wie bei einem Pfannkuchen oder Krapfen.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| reisß | rice Q5090 |
| mandel | almond Q184357 |
| airen | chicken egg Q15260613 |
| zúcker | unrefined cane sugar Q57656231 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
aúch thut zúcker darein
Gewählte Lesart: Der Zucker wird erst nach dem Backen auf die fertigen Küchlein gestreut: die Wendung steht im Original wörtlich hinter 'so jst es recht', und die Zwillingsrezepte (kkm-091, mon-002, ri15632-026) bestreuen den Zucker durchgehend erst auf die fertig gebackenen Küchlein.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 24.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.