Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553
Willst du eine Eiertorte machen, so nimm Eier und Milch und rühre es zu einem Eingerührten an. Gib Mandeln und Zucker mit dazu, so wird sie fein und gut.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| or | Eier | - | - | - |
| milch | Milch | - | - | - |
| mandel | Mandeln | - | Supermarkt (Backregal) | Ganze Mandeln im Blender kurz zermahlen, wenn du die Frische bevorzugst |
| zúcker | Zucker | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine locker verrührte Ei-Milch-Masse - ein „Eingerührtes“ -, mit gemahlenen Mandeln und Zucker verfeinert. Trotz des Titels „Eiertorte“ vermutlich kein im Ofen gebackenes Gebäck im engeren Sinn: der Begriff „Torte“ deckt im Kochbuch der Sabina Welserin auch ungebackene, geformte Süßspeisen ab. Entfernt vergleichbar mit dem bis heute im Sauerland bekannten „Eierkoch“ (eine in der Pfanne weich gestockte Ei-Milch-Masse, gezuckert) - hier um gemahlene Mandeln erweitert; eine belegte Kontinuität besteht nicht, nur eine strukturelle Ähnlichkeit in Zutaten und Textur.
Der Text beschreibt zwei Schritte: erst Eier und Milch zu einer lockeren, homogenen Masse verrühren (das namensgebende „Eingerührte“), dann Mandeln und Zucker einrühren. Wie aus dieser rohen Masse ein fertiges Gericht wird, bleibt offen - der Text nennt weder Gefäß noch Hitzequelle noch Zeit. Naheliegend, weil zur Wortherkunft von „Eingerührtes“ (rühren) passend, wäre ein Garen in der Pfanne zu einer weichen, gestockten Eierspeise; ebenso denkbar wäre - nimmt man „Torte“ wörtlicher - ein Garen im Ofen. Beides ist Hypothese, keine im Text belegte Angabe. Der Eier-Mehl-Teig aus saw-070, den das Buch für die gedeckten Torten (Boden + Belag) als Grundrezept einführt, passt hier eher nicht: die ganze siebenteilige Ortorten-Familie (saw-078/104/128/129/135/137/137a) beschreibt durchgängig eine gegossene oder gerührte Ei-Milch-Masse ohne jedes Wort für Teig oder Boden - eine andere, eigene Rezeptgruppe als die 'bedellin'/'boden'-Torten des Buchs.
Praxis. Eier und Milch glattrühren, bis eine lockere Masse entsteht, dann gemahlene Mandeln und Zucker einrühren. Wie diese Masse anschließend gegart wird, lässt der Text offen; er nennt nur die Konsistenz der rohen Masse, keinen Garschritt.
Ja. Im Kochbuch der Sabina Welserin selbst ist 'or' als Eier mehrfach belegt: In saw-135 stehen 'or' und die Vollform 'air' im selben Satz ('Nim 20 or vnnd souil milch als die air'), und in saw-137a heißt es '12 or', wo das fast wortgleiche Rezept saw-137 an derselben Stelle '12 air' hat. Beide Rezepte tragen wie dieses den Titel 'Ain ortorten'. 'or' ist also eine wiederkehrende Schreibvariante des Buchs, kein Einzelfall.
Gemeint ist zunächst nur die Konsistenz: Ei und Milch werden locker verquirlt, wie ein weiches Rührei, bevor Mandeln und Zucker dazukommen. Wie diese Masse anschließend gegart wird - in der Pfanne, im Ofen, wie lange - sagt der Text nicht.
Ja. Eier, Milch, gemahlene Mandeln und Zucker sind roh am Feuer verarbeitbar, brauchen keine Kühlung und lassen sich fertig einkaufen. Wie genau die Masse gegart wird, bleibt offen - das ändert an der grundsätzlichen Machbarkeit aber nichts.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).
Eiertorte. Der Diphthong 'ai' steht im Augsburgischen des 16. Jahrhunderts regelmäßig für 'ei', vgl. 'ain' = ein, 'klain' = klein.
Ein Eingerührtes, eine locker verrührte Ei-Milch-Masse - hergeleitet von rieren/rühren, nicht von rinnen ('Eingerinntes'). Im Buch selbst bestätigt: saw-129 trägt denselben Ausdruck wortgleich im Titel ('Ain ortorten mit eingerierten airen') und im Fließtext ('machs wie ein eingerierts').
Eier. Innerhalb des Buchs mehrfach direkt belegt: saw-135 verwendet 'or' und 'air' im selben Satz ('Nim 20 or vnnd souil milch als die air'), saw-137a zählt '12 or' als Zutat, wo das fast wortgleiche saw-137 an derselben Stelle '12 air' hat, und mehrere Rezepte tragen den Titel 'Ain ortorten' - eine wiederkehrende Schreibvariante des Buchs, kein Einzelfall.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| mandel | almond Q184357 |
| zúcker | unrefined cane sugar Q57656231 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Garmethode (Pfanne vs. Ofen)
Gewählte Lesart: Der Text nennt kein Gerät und keine Hitzequelle; naheliegend ist ein Garen in der Pfanne, entsprechend der Wortherkunft von 'Eingerührtes' (rühren).
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 25.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.