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Weiße Torte mit Rosenwasser

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit25 Min.Portionen4-6 PersonenBuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Nimm das Weiße von Eiern und gieße ein halbes Maß Sahne dazu. Lass die Mischung in einer Pfanne sieden, bis sie dick wird. Gib Rosenwasser hinein und streiche die fertige Masse auf, so ist sie recht.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
das weisß von airen Eiweiß - - -
ain halbe masß milchram 500 ml Sahne ½ l - -
ain rossenwasser Rosenwasser - Gewürzhandel, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Eine am Herd bis zur Bindung gekochte Eiweiß-Sahne-Masse mit Rosenwasser, die als Füllung auf einen bereits gebackenen Tortenboden gestrichen wird - kein Rührkuchen im heutigen Sinn, sondern eine gestockte Rosen-Sahne-Creme als Tortenauflage. Die nächste lebende Verwandtschaft ist eine rosenwassergewürzte Sahne- oder Cremefüllung, wie sie noch heute in Sahnetorten vorkommt, sowie entfernt die Familie der rosenwassergewürzten Milchpuddings - auch wenn jene meist mit Stärke statt Eiweiß binden. Vom Verfahren her, Eiweiß mit Sahne aufkochen bis es bindet, ganz ohne Mehl oder Stärke, liegt es näher an einem gerührten Eiweiß-Custard als an einem modernen Biskuit.

Die Bindung. Die Masse entsteht ausschließlich aus der Eiweiß-Gerinnung selbst: Eiweiß und Sahne werden gemeinsam in der Pfanne erhitzt, bis sie eindickt - kein Mehl, Eidotter oder Brot wird als zusätzliches Bindemittel genannt. Das Rosenwasser kommt laut Text erst nach dem Eindicken hinzu, was technisch sinnvoll ist, weil sein Aroma bei starker Hitze verkochen würde.

Praxis. Der Text nennt weder Hitzestufe noch Rührhinweis noch Eier-Anzahl fürs Sieden in der Pfanne. Für die Nachkoch-Praxis empfiehlt sich mittlere bis milde Hitze unter regelmäßigem Rühren, um Anbrennen am Pfannenboden und ungleichmäßiges Gerinnen (Klümpchenbildung statt glatter Masse) zu vermeiden - eine moderne Empfehlung, die der historische Text selbst nicht macht. Ist die Masse dick genug, wird sie mit Rosenwasser abgeschmeckt und auf den separat vorzubereitenden Tortenboden gestrichen - dafür bietet sich saw-070s Grundrezept an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, gut geeignet. Die Masse entsteht komplett in einer Pfanne am offenen Feuer in unter 30 Minuten, die Zutaten sind robust und brauchen keine besondere Kühlung. Für glattes Gelingen empfiehlt sich mittlere Hitze mit regelmäßigem Rühren, und die fertige Masse sollte zügig verstrichen und nicht stundenlang warmgehalten werden.

Was bedeutet 'Maß' als Mengenangabe im Rezept?

Das Maß war ein regionales Flüssigkeitsmaß, im süddeutschen Raum je nach Stadt etwas unterschiedlich, in Augsburg ungefähr 1 Liter. Ein halbes Maß entspricht also grob 500 Milliliter, wie es hier für die Sahne angegeben ist.

Worauf wird die fertige Masse eigentlich gestrichen?

Das Rezept nennt keinen Boden, setzt aber offenbar einen bereits gebackenen Tortenboden voraus - am naheliegendsten den Eier-Mehl-Teig aus saw-070, den das Buch als Grundrezept 'für allen Tortenteig' einführt, um ihn nicht bei jedem einzelnen Rezept zu wiederholen. Die Eiweiß-Sahne-Masse dient als gestockte, mit Rosenwasser parfümierte Füllung oder Auflage.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Jtem wiltú ain weissen torten machen Nim das weisß von airen vnnd geúsß ain halbe masß milchram daran vnd lasß jn ainer pfannen sieden, bis es dick wirt vnnd thiet ain rossenwasser darein vnnd streich es aúff, so jst er recht.
torten

Meint hier nicht den heutigen mehrschichtigen Kuchen, sondern eine gestockte Füllung, die auf einen bereits gebackenen Boden gestrichen wird.

masß

Historisches Hohlmaß, im Augsburger Raum etwa 1 Liter - ein halbes Maß entspricht also ungefähr 500 ml.

milchram

Mittelhochdeutsch 'milchroum', wörtlich Milchrahm - im modernen Deutsch schlicht Sahne.

rossenwasser

Rosenwasser, ein aus Rosenblüten destilliertes Aromawasser, in der patrizischen Küche des 16. Jahrhunderts ein beliebtes und teures Duft- und Geschmacksmittel.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 27 verso
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

das weisß von airenegg white Q796758
ain halbe masß milchramcream Q13228
ain rossenwasserrose water Q900450

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesarttorten / streich es aúff

Gewählte Lesart: Die Masse ist eine Tortenfüllung, die nach dem Eindicken auf einen anderswo beschriebenen, bereits gebackenen Tortenboden gestrichen wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Masse könnte auch für sich allein als kalte oder lauwarme Süßspeise ohne Boden gegessen worden sein, 'aufstreichen' dann eher im Sinne von 'glattstreichen in der Schüssel'. - Das Rezept erwähnt keinen Boden explizit, sodass sich 'streich es auff' theoretisch auch auf ein Gefäß statt auf einen Tortenboden beziehen könnte.

Lesartsieden, bis es dick wirt (Hitze/Rührtechnik)

Gewählte Lesart: Für die Nachkoch-Praxis empfiehlt sich mittlere bis milde Hitze unter regelmäßigem Rühren, um Anbrennen und ungleichmäßiges Gerinnen zu vermeiden - eine moderne, küchenpraktisch naheliegende Empfehlung.

Andere mögliche Lesart:

  • Der historische Text belegt nur 'sieden' ohne Hitze- oder Rührangabe; ob und wie im Haushalt der Sabina Welserin tatsächlich gerührt wurde, bleibt offen. - Das Transkript nennt an dieser Stelle kein Verfahrensdetail über 'sieden' hinaus - jede genauere Angabe zu Hitze oder Rühren ist eine moderne Ergänzung, kein Beleg aus der Quelle.

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 27 verso, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Eiweiß-Sahne-Masse entsteht komplett in einer Pfanne am offenen Feuer in unter 30 Minuten - keine Zutat braucht Kühlung oder Ofen. Der Text nennt weder Hitzestufe noch Rührtechnik; in der Praxis empfiehlt sich mittlere Hitze mit regelmäßigem Rühren, um Anbrennen und ungleichmäßiges Gerinnen zu vermeiden. Setzt die vollständige Präsentation als Torte zusätzlich einen bereits gebackenen Boden voraus (vermutlich saw-070), den das Rezept selbst nicht beschreibt, braucht dieser Boden einen Ofen - die Masse allein bleibt aber lagertauglich, sofern sie zügig verstrichen und nicht stundenlang warmgehalten wird.
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Stand dieser Fassung: 25.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.