Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553
Für eine Tischrunde nimm zehn frisch gelegte Eier und schlage sie auf. Nimm halb so viel Milch dazu, gib Mehl hinzu und mache daraus einen zähen, festen Teig. Rühre vier Löffel voll Zucker unter und salze ein wenig.
Lass Schmalz in der Pfanne heiß werden und gib den Teig hinein. Gieße das heiße Schmalz noch einmal darüber und lege einen Deckel über das Kesselchen.
Nimm eine Pfanne mit siedendem Wasser und setze das Kesselchen mit dem Teig darein. Lass es sieden und schau öfter danach, damit es nicht zu dick wird. Wenn dir der Teig richtig erscheint, nimm ihn heraus.
Gib Schmalz in eine Pfanne darüber, aber lass es nicht zu heiß werden. Schneide den Teig fingerlang und fingerdick, lege die Stücke in die Pfanne und rüttle die Pfanne, bis die Schnitte aufgehen. Dann backe sie gemächlich zu Ende.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| 10 neúe gelegte air | frisch gelegte Eier | 10 | - | - |
| halb soúil milch | Milch, halb so viel wie die Eier | - | - | - |
| ain mell | Mehl | - | - | - |
| 4 leffel foll zúcker | 4 Löffel voll Zucker | 4 EL | - | - |
| saltz ain wenig | Salz | - | - | - |
| ain schmaltz | Schmalz | - | - | Butterschmalz |
Welches Gericht ist das? Ein Ei-Milch-Mehl-Teig wird im Kesselchen im Wasserbad zu einer festen Masse gegart, dann in fingerdicke Stücke geschnitten und in Schmalz nachgebacken, bis sie aufgehen. Das ist kein klassischer Krapfen im Sinne eines gehefteten, frittierten Gebäcks, sondern näher an einer Wasserbad-Custard-Schnitte, vergleichbar mit Grieß- oder Milchschnitten: eine gegossene Masse wird gestockt, in Scheiben geschnitten und in Fett angebraten. Im Korpus findet sich mit rfk-020 ("Gebratene Milch") ein naher Verwandter mit demselben zweistufigen Verfahren, dort ohne Mehlanteil.
Das Rezept nennt zuerst „die pfannen“, dann unvermittelt „das kessele“, ohne die Beziehung beider Gefäße zu klären - eine Unschärfe der Quelle selbst, keine Verschleierung der Übersetzung. Das Schmalz, das vor dem Wasserbad in die Pfanne bzw. über den Teig gegossen wird, dient vermutlich als Trennmittel für das Gargefäß, nicht als Frittiermedium: Der Teig wird danach noch längere Zeit im Wasserbad gegart, ein Anbraten davor wäre technisch redundant.
Milch- und Mehlmenge bleiben in der Quelle unbeziffert, nur die Verhältnisangabe „halb so viel Milch“ wie Eier ist gegeben. Der Teig lässt sich damit nur nach Gefühl auf die gewünschte Festigkeit bringen - eine Lücke der Quelle, keine Auslassung der Übersetzung.
Praxis. Zehn Eier mit halb so viel Milch verquirlen, portionsweise Mehl einrühren, bis ein fester, kaum noch gießbarer Teig entsteht, dann Zucker und Salz unterrühren. Ein kleines Gefäß innen mit Schmalz ausstreichen, den Teig einfüllen, mit einem Deckel abdecken und in ein größeres Gefäß mit siedendem Wasser stellen. Öfter kontrollieren und garen, bis die Masse fest ist. Die gestockte Masse stürzen, in fingerdicke Scheiben schneiden und in mäßig heißem Schmalz unter Schwenken der Pfanne braten, bis die Stücke aufgehen und gebräunt sind.
Der Teig wird nicht direkt über dem Feuer gegart, sondern in einem kleinen, abgedeckten Topf, der wiederum in einer Pfanne mit siedendem Wasser steht. So wird die Hitze sanft und gleichmäßig übertragen, der Teig stockt langsam, ohne anzubrennen.
Ja, gut geeignet. Man braucht zwei Töpfe oder Pfannen fürs Wasserbad plus eine Pfanne zum Fertigbacken, das ist im Lager mit offenem Feuer gut machbar. Zeitlich rechne mit gut einer Stunde, weil das Garen im Wasserbad Geduld braucht und öfter kontrolliert werden muss.
Die Wendung bezeichnet keine feste Gewichts- oder Volumeneinheit, sondern die Menge für eine ganze Tischrunde, also für eine überschaubare Gesellschaft von Gästen. Zehn Eier als Basis ergeben eine großzügige Portion für sechs bis acht Personen.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).
Nominalform zu 'bachen' (= backen), also 'Gebäck/Backwerk' - nicht vom Wort für 'Bad' abgeleitet. Belegt als produktives Gattungswort in Sabina Welserins eigenem Buch ('Ain [...] baches' in saw-082, saw-088, saw-145, saw-147, saw-199) sowie buchübergreifend in ka1 und m384, wo CoReMA es mit 'pastry' glossiert (Wikidata Q477248). 'Niernberger baches' heißt somit 'Nürnberger Gebäck/Backwerk'.
Wahrscheinlich ein zäher, fester Teig (gestützt durch Schmeller fürs benachbarte Bairische, für den Augsburger Dialekt selbst nicht direkt belegt). Ein Bezug auf die zuvor genannten zehn Eier ('Zehner-Teig') ist wegen starker Korpusbelege für 'zechen'=zehn nicht auszuschließen - die Alternativlesart steht unten im Abschnitt Lesarten.
Kleiner Kessel oder Topf, der zum Garen des Teigs in ein größeres Gefäß mit heißem Wasser gestellt wird, ein einfaches Wasserbad.
Die Pfanne rütteln bzw. schwenken, damit sich die Teigstücke gleichmäßig erhitzen und aufgehen.
Siedendes, also kochendes Wasser für das Wasserbad.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| 4 leffel foll zúcker | unrefined cane sugar Q57656231 |
| saltz ain wenig | table salt Q11254 |
| ain schmaltz | animal fat Q1423543 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
baches
Gewählte Lesart: Nominalform zu 'bachen' (= backen), also 'Gebäck/Backwerk' - der Titel benennt die abschließende Back-/Bratmethode des Rezepts, die es selbst mit 'so bach es dan sitig' wieder aufgreift.
Andere mögliche Lesart:
Gewählte Lesart: Vermutlich ein zäher, fester Teig (Konsistenzangabe) - Schmeller belegt fürs benachbarte Bairische 'bis das sy gar zach wirt'; für den Augsburger Dialekt selbst nicht direkt bezeugt.
Andere mögliche Lesart:
halb soúil milch
Gewählte Lesart: Halb so viel Milch wie Eier (nach Menge), da die Eier die unmittelbar zuvor genannte und syntaktisch einzig mögliche Bezugsgröße sind - das Mehl wird im Satz erst danach genannt.
siedigs wasser
Gewählte Lesart: Gelesen als 'siedendes, kochendes Wasser' für das Wasserbad, eine naheliegende Adjektivbildung zu 'sieden'.
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Stand dieser Fassung: 20.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.