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Zibebenfüllung (für eine Torte) mit Zucker und Zimt

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit30 Min.PortionenFüllung für 1 Torte (ca. 6-8 Stück)BuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Zibeben nehmen und in einem Wasser waschen. Zwischen den Händen reiben, so wie man den Rosinen die Stiele abreibt. Das Wasser abgießen, damit die Zibeben wieder trocken werden. So lange weiterreiben, bis auch die schwarzen Häutchen trocken sind.

Danach die Zibeben verlesen und fein putzen. Zucker und gestoßenen Zimt darunterrühren.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ziwiben Zibeben - Bioladen, Feinkosthandel große Rosinen (Sultaninen) oder Malaga-Rosinen
wasser Wasser - Leitung -
zúcker Zucker - - -
zimerrerlach Zimtstangen, gestoßen - - -

Welches Gericht ist das? Eine gewaschene, von Stielresten und Häutchen befreite Zibeben-Füllung mit Zucker und Zimt für eine Torte - der Vorläufer der bis heute in Südtirol und Tirol gebackenen Zibeben-Zelten sowie, weiter gefasst, der Rosinen-Zimt-Füllungen in Streuselkuchen und Strudel im deutschsprachigen Raum. Eine entfernte Verwandte ist die Füllung der englischen Mince Pie, hier aber ohne Fleisch und ohne die dortige Gewürzvielfalt, nur mit Zucker und Zimt.

Der Zimt wird gestoßen, nicht als ganze Stange verwendet. Das Original nennt für 'zimerrerlach' an dieser Stelle kein eigenes Zubereitungsverb, aber im ganzen Kochbuch steht der Begriff in Füllungen und Streuanwendungen durchweg für gestoßenen Zimt. Ganze Zimtstangen lassen sich in eine kalt gerührte Füllung ohnehin nicht sinnvoll einrühren.

Praxis. Zibeben in einer Schüssel mit Wasser übergießen und zwischen den Händen reiben, wie man es vom Enthäuten kleiner Rosinen kennt - das Wasser weicht die dünnen dunklen Schalenreste kurz auf. Wasser abgießen und weiterreiben, bis die Zibeben wieder trocken sind, dann von Hand verlesen und übrige Stielreste entfernen. Zucker und gestoßenen Zimt kalt untermengen, keine Hitze nötig. Diese Füllung reicht für einen vorgebackenen Tortenboden, den das Rezept selbst nicht beschreibt - im selben Kochbuch liefert saw-093 (Rosinen-Zibeben-Torte mit Zimt und Malvasier) die dazugehörige Assemblage mit Boden, kurzem Backen und Malvasier-Guss.

Wo bekomme ich Zibeben?

Zibeben sind im Bioladen oder Feinkosthandel unter diesem Namen manchmal noch erhältlich, meist im Zusammenhang mit österreichischer oder südtiroler Küche. Ersatzweise funktionieren große Rosinen (Sultaninen) oder Malaga-Rosinen genauso gut.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, Goldstandard für die Füllung. Kein Feuer nötig, nur Wasser, Hände und eine Schüssel, und alle Zutaten sind bei Raumtemperatur unproblematisch. Wer daraus eine echte Torte machen will, braucht allerdings einen Teigboden, den das Original hier nicht beschreibt.

Warum beschreibt das Rezept keinen Teigboden, obwohl die Originalüberschrift 'Torten' nennt?

Die Handschrift überschreibt das Rezept mit 'Ziwibentorten zú machen', beschreibt hier aber nur die Zubereitung der Zibeben-Füllung. Der Teigboden war im Patrizierhaushalt vermutlich eine bekannte Grundtechnik, die im selben Kochbuch an anderer Stelle vorkommt - etwa bei der Rosinen-Zibeben-Torte saw-093, wo Boden, Backen und ein Malvasier-Guss ergänzt werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Ziwibentorten zú machen/ Nempt ziwiben, wescht sý jn ainem wasser vnnd reibt sý zwischen den henden, wie man die stengel von weinberlen reibt, seicht das wasser darúon, das sý wider trúcken werden, reibs so lang, das die schwartzenn heútlen trúcken werden/ alsdan so klaúbt sý vnnd bútzt sý fein vnnd thiet zúcker vnnd zimerrerlach darúnder.
ziwiben

Zibeben sind große, dunkle getrocknete Weinbeeren, eine gröbere Rosinenart. Trotz der ähnlichen Schreibung nicht mit Zwiebeln zu verwechseln.

zimerrerlach

Zimt-Röhrlein, die gerollten Zimtstangen. Der häufigste Gewürzbegriff im ganzen Kochbuch der Sabina Welserin. Ohne eigenes Zubereitungsverb steht der Begriff im Buch in Füllungen und Streuanwendungen durchweg für gestoßenen Zimt, nicht für die ganze Stange.

seicht

Vermutlich von 'seihen' (abseihen, abgießen): das Waschwasser wird abgegossen, damit die Zibeben wieder trocken werden.

heútlen

Häutchen, die dünnen schwarzen Schalenreste an den Zibeben, die durch das Reiben zwischen den Händen gelöst werden.

klaúbt

Klauben heißt hier verlesen, also Stiele und Reste aussortieren.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 52 recto
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

wasserwater Q283
zúckerunrefined cane sugar Q57656231
zimerrerlachcinnamon Q28165

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartseicht

Gewählte Lesart: Verb im Sinne von 'abseihen/abgießen': das Waschwasser wird abgegossen, damit die Zibeben wieder trocken werden.

Andere mögliche Lesart:

  • seicht als Adjektiv 'flach, gering' - Mittelhochdeutsch 'sîhte' bedeutet 'flach, seicht'. Der Satzbau mit 'das wasser darúon' verlangt aber eher ein Verb (abgießen), nicht eine Eigenschaftsangabe.

Lesartweinberlen

Gewählte Lesart: Weinbeerlein, also Rosinen, hier nur als Vergleichsgröße für die Reibetechnik genannt, nicht als eigene Zutat des Rezepts.

Andere mögliche Lesart:

  • Frische Weintrauben - Theoretisch könnte 'weinberlen' frische Trauben meinen, doch das beschriebene Abreiben der Stiele passt besser zu getrockneten Rosinen, wie das Wort im Buch sonst durchweg gebraucht wird.

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 52 recto, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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In 30 Minuten ohne Feuer fertig, nur Schüssel, Wasser und Hände nötig. Zibeben, Zucker und Zimt sind alle bei Raumtemperatur unbedenklich, es ist lediglich eine Füllung, der Teigboden fehlt im Original und müsste separat mitgebracht oder anderweitig ergänzt werden.
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Stand dieser Fassung: 02.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.