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Koppen in Essigwasser kochen

Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-3 PersonenBuchDas Kochbuch des Balthasar Staindl (~1545)

Nimm die Koppen und gieße den Essig darüber, sodass sie darin vollständig abschlagen. Salze sie, dann schütte sie so in das siedende Wasser. Sind sie an den Kiemen aufgesprungen oder ist der Rücken hart geworden, so haben sie genug.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Cappen Koppen - Fischhändler, selten im Handel, siehe FAQ Kleine ganze Fische wie Stint, Renke oder eine kleine Bachforelle
eſſig Essig - - -
ſaltz Salz - - -
ſiedend waſſer Siedendes Wasser - Leitung -

Welches Gericht ist das? Kleine Süßwasserfische werden zunächst roh mit Essig übergossen, dann gesalzen und erst danach in bereits siedendem, essigfreiem Wasser gegart. Die Essig-Behandlung ist also eine kalte Vorstufe, kein Garschritt: die Säure lässt Haut und Schleim reagieren und macht sie fest, ähnlich der bis heute bekannten Technik Forelle blau. Erst danach kommt der Fisch ins klare, kochende Wasser. Der Titel „in Essigwasser kochen" beschreibt darum das Gesamtverfahren aus Essig-Vorbehandlung und Sieden, nicht wörtlich ein Garen in einer Essig-Wasser-Mischung.

Welcher Fisch ist gemeint? Der Druck schreibt durchgängig „Kappen" mit A, sowohl in unserer Ausgabe von 1545 als auch in einer unabhängig geprüften späteren Ausgabe. Am plausibelsten ist trotzdem die Koppe gemeint (auch Groppe, Cottus gobio), ein kleiner Bachfisch, der im übrigen Rezeptkorpus als „Koppen"/„Groppen" belegt ist; eine eigene Fischbezeichnung „Kappen" lässt sich in keinem geprüften Wörterbuch nachweisen. Die Schreibung mit A ist damit die des Drucks, kein Lesefehler unserer Übertragung, und die genaue Art bleibt eine offene Frage des 16. Jahrhunderts.

Praxis. Die rohen, ausgenommenen Fische kurz mit Essig übergießen und einige Minuten ziehen lassen, bis Haut und Fleisch spürbar fest werden. Salzen, dann in bereits siedendes, essigfreies Wasser geben. Gar sind sie, sobald sie sich am Kiemenbereich öffnen oder der Rücken fest wird. Da die Koppe/Groppe in Teilen Deutschlands geschützt und kaum im Handel ist, eignen sich für den Nachkoch-Versuch kleine ganze Fische wie Stint, Renke oder eine kleine Bachforelle - sie vertragen dieselbe Behandlung.

Was bedeutet 'Kappen' in diesem Rezept?

Der Begriff ist nicht restlos gesichert. Am plausibelsten ist eine dialektale Bezeichnung für die Koppe (auch Groppe genannt), einen kleinen Bachfisch. Das Rezept steht im Kapitel direkt neben ähnlich kurzen Anleitungen zu Äschen, Grundeln und Pfrillen, alles kleine Flussfische.

Wo bekomme ich Koppen oder Groppen?

Praktisch nirgends im normalen Handel. Die Groppe ist in Teilen Deutschlands geschützt und wird nicht kommerziell gehandelt. Für den Nachkoch-Versuch eignen sich stattdessen kleine ganze Fische wie Stint, Renke oder eine kleine Bachforelle, die dieselbe Behandlung mit Essig und Salz vertragen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, gut geeignet. Es braucht nur einen Topf, Feuer und wenige Minuten Essig-Salz-Vorbereitung, bevor der Fisch ins siedende Wasser kommt. Der einzige echte Engpass ist die Beschaffung passender kleiner Fische.

Woran erkennt man, dass die Fische gar sind?

Der Text nennt zwei Garproben: entweder öffnet sich der Fisch am Kiemenbereich, oder der Rücken wird fest und hart. Beides sind klassische Zeichen dafür, dass kleine Fische beim Sieden fertig sind.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.

Die Kappen. vcüij. qNimdie Cappen / geüß den eſſig drüber / daz ſie ſich gantz abſchlage im eſſig / ſaltz / ſchüts alſo ind; ſiedend waſſer / ſo ſie ſich bey den kroͤpffen auffthuͦnd / oder der ru⸗ gkenhaͤrdt wirt / ſo hond ſie ſein gnuͤg.
Kappen

Fischart unsicher, vermutlich ein dialektaler Name für die Koppe (auch Groppe, Cottus gobio), einen kleinen Bachfisch. Steht im Kapitel neben Äschen, Grundeln und Pfrillen, also anderen Kleinfischen.

abschlage

Der Essig lässt die Fischhaut und den Schleim reagieren und fest werden, ähnlich der bis heute bekannten Technik 'Forelle blau'.

kroͤpffen

Der Kiemenbereich des Fisches. Wenn sich dieser beim Sieden öffnet, gilt der Fisch als gar.

Druck
Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...
Teil
Das vierte Buch: Fisch und Krebs
Folio
Fol. 017r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen, 1545

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

eſſigvinegar Q41354
ſaltztable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartKappen / Cappen

Gewählte Lesart: Gelesen als dialektaler Name für eine kleine Flussfischart, vermutlich die Koppe (Groppe, Cottus gobio). Das Rezept steht im selben Kapitel direkt neben Äschen, Grundeln, Pfrillen und anderen kleinen Fischen, und die Behandlung mit Essig und Salz passt zur bekannten Kleinfisch-Technik im selben Buch.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine mundartliche Kurzform von 'Karpfen' - Klanglich naheliegend, doch der Karpfen wird im selben Buch mehrfach vollständig als 'Karpffen' bezeichnet, was gegen eine zweite, verkürzte Schreibweise im selben Kapitel spricht.

Originalwerk (~1545) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 017r (gedruckte Blattzählung XVII recto), Regensburg, Staatliche Bibliothek, 999/Philos.1921/1922; bereitgestellt durch die Bayerische Staatsbibliothek München (bsb11110687) - NoC-NC 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigenes Kraken-OCR (scripts/fetch_staindl_kraken.rb, german_print.mlmodel, 112 Scans) - seit 2026-09-01 fuer ALLE acht Buecher (std-001..294) primaer, liest auf diesem Druck deutlich sauberer als die vorherige BSB-Bibliotheks-OCR (Verhältnis 385,8 vs. 93,0, keine der bekannten M/W- und kl/El-Verwechslungen). Die BSB-Bibliotheks-OCR (scripts/fetch_staindl.rb, api.digitale-sammlungen.de/ocr) bleibt als Referenz im Cache, wird aber von keinem Rezept mehr gelesen. Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Topf am Feuer in etwa 20 Minuten fertig, frischer Kleinfisch braucht nur die kurze Essig-Salz-Vorbereitung vor dem Sieden. Einziger Engpass ist die Fischart selbst, die heute kaum noch im Handel zu finden ist.
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Stand dieser Fassung: 06.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.