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Pfrillen mit Essig und Ingwerschmalz

Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit25 Min.Portionen2-4 PersonenBuchDas Kochbuch des Balthasar Staindl (~1545)

Die Pfrillen müssen mit Maß gesalzen werden, und der Essig kommt rechtzeitig dazu. Man muss sie nicht lange sieden lassen, manche essen sie am liebsten genau so. Sind die Pfrillen gar gesotten, richte sie auf einer zinnernen Schüssel oder Platte an. Nimm ein wenig Essig, lass ihn aufwallen, und gieß ihn über die gesottenen Pfrillen. Streue Ingwerpulver darüber und brenn ein Schmalz darauf.

Wie man Fisch überhaupt gut siedet: Wer den Fisch gut sieden will: Wenn du ihn schon ganz gar gekocht hast und das Wasser abgesiegen ist, sorge dafür, dass du einen guten Trunk Essig aufwallen lässt. Gieß ihn über den gesottenen Fisch, lass ihn darin kurz aufkochen, und seihe ihn dann rasch ab. So werden die Fische fest.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Pfrillen Pfrillen - Fischhändler, Angelbedarf Kleine Frischwasserfische wie Stint oder junge Forellen, ersatzweise kleine Sardinen
ſaltzen Salz - - -
eſſig Essig - - -
Ingwer ſtupp Ingwerpulver - - -
ſchmalt; Schmalz - - -

Welches Gericht ist das? Ein kleiner, ganzer Süßwasserfisch (die Elritze, hier Pfrille genannt) wird kurz gesotten und dann mit einem heißen Essigguss übergossen, mit Ingwerpulver bestreut und mit gebräuntem Schmalz angerichtet. Die lebende Verwandtschaft ist die noch heute gelehrte Technik der Forelle blau: Der aufwallende Essig festigt das Fischfleisch - das sagt der Text im zweiten, allgemeinen Absatz sogar ausdrücklich ("so werden die Fische fest").

Zwei Anweisungen unter einer Überschrift. Im Druck stehen unter „Pfrillen“ zwei kurze Anweisungen hintereinander: zuerst das eigentliche Pfrillen-Rezept, danach ein allgemeiner Tipp, wie man Fisch überhaupt gut siedet. Beide gehören zur selben Buchseite und werden hier zusammenhängend wiedergegeben.

Praxis. Kleine ganze Fische (ersatzweise Stint, junge Forellen oder kleine Sardinen) mäßig salzen und mit etwas Essig kurz sieden - sie müssen nicht lange kochen. Auf einer Platte anrichten, mit kurz aufgewalltem Essig übergießen, mit Ingwerpulver bestreuen und mit heiß gebräuntem Schmalz (ohne Mehl, reines Bräunen wie bei „Beurre noisette“) übergießen. Für die allgemeine Fisch-Technik: den bereits gargekochten und abgetropften Fisch mit kochendheißem Essig übergießen, kurz darin aufkochen lassen und sofort abseihen - das Fleisch wird dadurch fest.

Wo bekomme ich Pfrillen?

Pfrillen (Elritzen) werden heute kaum noch gehandelt, da sie zu klein für den kommerziellen Fischfang sind. Angler bekommen sie mancherorts noch, sonst funktionieren kleine Fische wie Stint oder junge Forellen als Ersatz, auch kleine Sardinen sind eine praktikable Alternative.

Was bedeutet 'brenn ein schmaltz darauf'?

Damit ist gemeint, Schmalz in der Pfanne zu erhitzen, bis es leicht bräunt und einen nussigen Geschmack entwickelt, und es dann heiß über den fertigen Fisch zu gießen - ähnlich wie moderne Butter braun schwenken.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, gut geeignet. Kleine Fische garen in Minuten, die Essig-Ingwer-Schmalz-Sauce braucht nur eine zweite Pfanne und wenig Zeit - der einzige Punkt ist frischer Fisch, der bis zum Kochen kühl gehalten werden sollte.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.

Pfrillen. wev. & Die Pfrillen muͦß man zuͦmaſſen ſaltzen / vnnd auch den eſſig bey zeit daran gieſſen / man darffs nit lang ſieden / etlich eſſens gern alſo / Wenn die Pfrillen geſotten ſeind / ſo richts auff ein zynin ſchüſſeloder platten an / nim ein wenig eſſigs / laß in wallen / geuß vber die geſotte Pfril len / vnd thuͦ Ingwer ſtupp darauf / vnd bꝛeñ ein ſchmalt; darauff. vcvj. (Es iſt zuͦwiſſen / Wer die viſch wolwill ſieden / ſo du es gar an die ſtatt gſotten haſt / vñ daß abgeſigen ſeind ſihe das du ain guͦten truck Eſſig laſſeſt wallen / geüß an die geſotten viſch / laß dariñ ein ſud thuͦn / ſeichs fluchs ab/ ſo werdens haͤrdt.
Pfrillen

Schwäbischer Name der Elritze (Phoxinus phoxinus), eines kleinen Bach- und Flussfisches, der im Ganzen gegessen wurde.

brenn ein schmaltz

Schmalz wird erhitzt, bis es leicht bräunt und aromatisch wird, dann heiß über das fertige Gericht gegossen - eine gängige Finish-Technik der Zeit.

Ingwer stupp

Ingwerstupp meint gemahlenen Ingwer, hier als Streugewürz auf den fertigen Fisch.

thuͦn (ein sud thuͦn)

An dieser Stelle war die Lesung unserer Texterfassung fehlerhaft (stand zunächst als 'chuͦn'); richtig ist 'thuͦn' (tun) - 'einen Sud tun' meint ein kurzes Aufkochen. Eine weitere Ausgabe desselben Kochbuchs von 1569 bestätigt an dieser Stelle dasselbe Wort.

Druck
Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...
Teil
Das vierte Buch: Fisch und Krebs
Folio
Fol. 017r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen, 1545

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Pfrillencommon minnow Q214278
ſaltzentable salt Q11254
eſſigvinegar Q41354

Originalwerk (~1545) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 017r (gedruckte Blattzählung XVIIr), Regensburg, Staatliche Bibliothek, 999/Philos.1921/1922; bereitgestellt durch die Bayerische Staatsbibliothek München (bsb11110687) - NoC-NC 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigenes Kraken-OCR (scripts/fetch_staindl_kraken.rb, german_print.mlmodel, 112 Scans) - seit 2026-09-01 fuer ALLE acht Buecher (std-001..294) primaer, liest auf diesem Druck deutlich sauberer als die vorherige BSB-Bibliotheks-OCR (Verhältnis 385,8 vs. 93,0, keine der bekannten M/W- und kl/El-Verwechslungen). Die BSB-Bibliotheks-OCR (scripts/fetch_staindl.rb, api.digitale-sammlungen.de/ocr) bleibt als Referenz im Cache, wird aber von keinem Rezept mehr gelesen. Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Kleine Fische lassen sich in wenigen Minuten sieden, die Essig-Ingwer-Schmalz-Sauce ist in einer zweiten Pfanne fix angesetzt. Frischer Fisch braucht nur Kühlung bis zum Kochen, sonst kein besonderer Aufwand am Feuer.
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Stand dieser Fassung: 06.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.