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Hecht mit Speck

Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit30 Min.Portionen4 PersonenBuchDas Kochbuch des Balthasar Staindl (~1545)

Siede den Hecht gar. Nimm dann klein gewürfelten Speck und lass ihn langsam in einer Pfanne auf kleiner Glut ausbraten.

Mische Wein und Essig miteinander und seihe das ausgelassene Speckfett mit hinein. Füge Ingwerpulver hinzu und lass diese Sauce gut sieden.

Wenn du den Fisch anrichtest, mach den Speck (das Fett) heiß und brate ihn zusammen mit den Bröcklein auf den Hecht. Dann ist das Gericht bereit.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Hoͤcht Hecht - Fischhändler, gut sortierter Supermarkt -
klain gewürflet ſpeck gewürfelter Speck - Metzger, Supermarkt -
wein Wein - - -
eſſig Essig - - -
Ingwer ſtüpp Ingwerpulver - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Gesottener Hecht, den eine heiß aufgegossene süß-saure Speck-Wein-Essig-Ingwer-Sauce vollendet: Beim Anrichten kommen die heiß gemachten Speckwürfel samt ihren knusprigen Bröcklein (Grieben) direkt auf den Fisch. Diese Technik - Fett auslassen, mit Essig/Wein ablöschen, heiß über das Gargut geben - lebt bis heute als heiße Speck- beziehungsweise Grieben-Vinaigrette der deutschen und elsässischen Küche fort, dort meist über Salat oder Gemüse; hier trifft sie auf gesottenen Fisch.

Speck in zwei Rollen. Das Original nennt "Speck" zweimal, meint aber zwei verschiedene Dinge: einmal das ausgelassene, flüssige Fett, das in die Wein-Essig-Ingwer-Sauce eingeseiht wird, einmal die festen, knusprigen Bröcklein (Grieben), die separat beiseitegestellt und erst beim Anrichten wieder heiß gemacht werden. Die Übersetzung löst das konsequent auf: "Speck (das Fett)" für die Flüssigkeit, "Bröcklein" für die festen Röststücke.

Praxis. Speck fein würfeln und bei kleiner Glut langsam auslassen, bis das Fett flüssig und die Würfel knusprig sind - nicht scharf anbraten, sonst verbrennt der Speck statt schonend auszulassen. Wein und Essig zu gleichen Teilen (oder leicht weinlastig nach Geschmack) mischen, das abgeseihte Speckfett und Ingwerpulver dazugeben und gut einkochen lassen. Den Hecht sanft köcheln bzw. pochieren, nicht sprudelnd kochen, damit das zarte Fleisch nicht zerfällt. Zum Anrichten Speckfett und Bröcklein noch einmal heiß machen und über den fertig gegarten Fisch geben.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, gut geeignet. Die Zubereitung ist einfach und erfordert nur eine Pfanne und Glut. Der frische Hecht muss gekühlt oder am Markttag besorgt werden.

Was bedeutet 'kuͤl auß' im Rezept?

‚Kühl auslassen‘ bedeutet, das Fett des Specks langsam und schonend bei mäßiger Hitze zu schmelzen, sodass es nicht verbrennt, sondern sanft ausbrät und knusprige Grieben entstehen.

Was ist 'Ingwerstüpp'?

‚Ingwerstüpp‘ ist Ingwerpulver. Im Mittelalter wurden Gewürze oft frisch im Mörser zerstoßen, daher die Bezeichnung ‚Stüpp‘ für Pulver.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.

Die Hoͤchten mit dem ſpeck. tvv. Machs alſo / Seud die Hoͤcht an die ſtat / vñ nim klain gewürflet ſpeck / laß in kuͤl auß inn ainer pfannen/ auff aim gluͤtlin / vnd nimb wein vnd eſſig vnder ainan⸗ der / den außgelaſſen ſpeck ſethe auch daran / thu Ingwer ſtüpp darein / laß es wol ſieden / vñ ſo du den Viſch anrich teſt / ſo mach den ſpeck heiß / vnd bꝛaͤnne in mit ſampt den pꝛoͤcklen auff den Hoͤchten / ſo iſt er bereit.
Hoͤcht

Frühneuhochdeutsche Schreibweise für Hecht.

an die ſtat

Wörtlich ‚an Ort und Stelle‘, hier im Sinne von ‚gar kochen‘ oder ‚bis zur gewünschten Konsistenz‘.

gewürflet

Historische Schreibweise für ‚gewürfelt‘.

kuͤl auß

Bedeutet ‚kühl auslassen‘, also das Fett langsam und schonend schmelzen, nicht schnell und heiß braten.

gluͤtlin

Ein Diminutiv von ‚Glut‘, also eine kleine Glut oder glühende Kohlen, die eine mäßige Hitze abgeben.

ſethe

Form von mittelhochdeutsch sîhen = seihen/(durch)gießen, nicht von ‚setzen‘. Wörterbücher (FWB, Lexer) belegen sîhen mit ‚giessen, durchseihen, colare‘; gemeint ist, dass das ausgelassene Speckfett in die Wein-Essig-Mischung abgeseiht wird.

ſtüpp

Bedeutet ‚Pulver‘, hier Ingwerpulver.

bꝛaͤnne

Eine Form von ‚brennen‘, hier im Sinne von ‚braten‘ oder ‚rösten‘.

Machs alſo

Die Vorlage zeigt an dieser Stelle ein beschädigtes großes M, das unsere OCR zunächst nicht erkannte; ein Abgleich mit einem weiteren Druck derselben Ausgabe bestätigt die Lesung ‚Machs also‘.

thu

Die Vorlage wurde an dieser Stelle zunächst als ‚chu‘ gelesen (t/c-Verwechslung der OCR); ein Abgleich mit einem weiteren Druck derselben Ausgabe bestätigt ‚thu‘ (Imperativ von ‚tun‘).

pꝛoͤcklen

Die Vorlage wurde an dieser Stelle zunächst als ‚ptoͤcklen‘ gelesen (br/pt-Verwechslung der OCR); ein Abgleich mit einem weiteren Druck derselben Ausgabe bestätigt ‚proecklen‘ - die knusprigen Reste (Grieben) des ausgelassenen Specks.

Druck
Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...
Teil
Das vierte Buch: Fisch und Krebs
Folio
Fol. 020v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen, 1545

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Hoͤchtnorthern pike Q83363026
weinwine Q282
eſſigvinegar Q41354

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartwein vnd eſſig vnder ainander

Gewählte Lesart: Zu gleichen Teilen bzw. nach Geschmack (eher weinlastig), da der Text nur ‚untereinander mischen‘ ohne Mengenangabe verlangt.

Andere mögliche Lesart:

LesartSeud die Hoͤcht an die ſtat

Gewählte Lesart: Sanftes Köcheln/Pochieren statt starkem Wallen, damit das zarte Hechtfleisch nicht zerfällt oder austrocknet.

Andere mögliche Lesart:

Originalwerk (~1545) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 020v (gedruckte Blattzählung XXv), Regensburg, Staatliche Bibliothek, 999/Philos.1921/1922; bereitgestellt durch die Bayerische Staatsbibliothek München (bsb11110687) - NoC-NC 1.0 Quelle öffnen
Transkription
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Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Ja, gut geeignet. Benötigt frischen Hecht, der gekühlt oder am Markttag besorgt werden muss. Die Zubereitung ist einfach und erfordert nur eine Pfanne und Glut.
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Stand dieser Fassung: 06.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.