Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Höfliches Ringbrot vom Spieß

Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit180 Min.Portionen4-6 PersonenBuchDas Kochbuch des Balthasar Staindl (~1545)

Gib dieses Gericht als Speise oder Gebäck. Nimm ein halbes Mäßlein gutes Semmelmehl und gib es sogleich in eine Schüssel, die aus Kupfer oder Zinn sein soll. Nimm das Mehl und erwärme es in einer warmen Stube. Nimm ein kleines Maß süßen Rahm und lass ihn warm werden, sodass du keinen Finger darin halten kannst. Nimm einen Löffel voll Garben und den süßen Rahm, nimm zwei Eier und schlage sie ebenfalls unter den Rahm. Rühre alles gut ab.

Setze die Zinnschüssel zu den ‚Würm‘ (Dampf/Wärme), damit der Teig aufgeht. Er muss etwa eine Viertelstunde aufgehen, bis er schön zäh wird und beim Rühren glatt Blasen wirft. Nimm dann etwa ein Achtel schön verlesene, ganz trockene Weinbeeren und rühre sie in den Teig. Nimm auch ein halbes Lot Muskatblüte, zerbrösel sie klein und rühre sie ebenfalls in den Teig.

Sobald der Teig fertig bearbeitet und aufgegangen ist, setze ihn wieder zu den ‚Würm‘ in die Schüssel, damit er wie zuvor etwa eine Viertelstunde aufgeht. Dann nimm den Spieß, der dafür vorbereitet sein muss. Salbe ihn ein wenig mit Schmalz, doch so, dass er nicht nass ist. Nimm dann den Teig, lege ihn schön um und um in gleicher Dicke an den Spieß, sodass er schön glatt wird und haftet.

Dann nimm drei Eigelb, salze sie ein wenig und bestreiche den Teig am Spieß fleißig um und um, damit er schön gelb wird. Wenn er nun bestrichen ist, nimm einen groben Faden oder Zwirn und binde ihn um den Teig, in der Art eines Reifs. Achte genau darauf, dass der Faden locker auf dem Teig liegt und gar nicht einschneidet, sonst ginge der Teig nicht vom Spieß. Wenn er mit dem Faden umwickelt ist, lass ihn an einem brennenden Feuer nur ganz flugs um und um braten, bis er warm ist.

Dann nimm Schmalz und lass es in einem Pfännlein zergehen, sodass du gut einen Finger darin halten kannst. Nimm dann ein kleines Tüchlein, eine Vorderspanne lang und zwei Finger breit, binde es zu einem Knüpfel und tauche es in das Schmalz. Salbe den Braten damit, wie ein Spanferkel. Dann brate ihn noch mehr um und um, sodass er schäumt. Salbe ihn dann nochmals wie zuvor und brate ihn so lange, bis er schön bräunt. Salze ihn dann zum dritten Mal und brate ihn oft so lange, bis er schön hellbraun wird.

Nimm ihn dann vom Feuer und wende den Spieß um. Währenddessen ziehe den Faden und befördere ihn eilig auf ein schönes weißes Tuch. Nimm ein Messer und löse den Rand von beiden Seiten vom Ende ab. Dann nimm ein Tuch in beide Hände und ziehe ihn ganz gemächlich herunter, so geht er schön vom Spieß. Decke ihn schön zu, schiebe ein Tüchlein in die beiden Spalten, damit die ‚Würm‘ (Dampf) nicht herausgehen. So zieht er sich hübsch an und wird innen schön trocken. Und so ist er bereit.

Den Teig muss man salzen, wenn man ihn zuerst anmacht. Auch wenn du den Teig angemacht hast, breite ein Tuch auf den Tisch und wälze den Spieß hin und her, so kommt der Teig gleichmäßig an den Spieß.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ein halb meelin guͦt ſemel mel gutes Semmelmehl 250 g Supermarkt (Backregal) -
ein maͤßlin ſuͤſſen raum süßer Rahm 250 ml - Sahne oder Crème fraîche
ein loͤ†fel vol garben Garben 1 EL - -
zwey ayer Eier 2 - -
eim halben viertel weinber Weinbeeren (Rosinen) 60 g - -
ein halblot Muſcat bluͤ Muskatblüte 7½ g gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Muskatnuss (etwas weniger, da intensiver)
dꝛey eyr doter Eigelb 3 - -
ſaltz Salz - - -
ain groben faden / ain zwirn Grober Faden oder Zwirn - Supermarkt, Kurzwarenladen -
schmaltz Schmalz - Supermarkt, Metzger Butter oder Pflanzenöl

Welches Gericht ist das?

Ein gesäuerter, mit süßem Rahm, Eiern und Muskatblüte angereicherter Teig, der ringförmig um einen Bratspieß gelegt, mit einem Faden fixiert und über offenem Feuer unter wiederholtem Bestreichen mit Eigelb und Schmalz gebräunt wird, bis er sich als hohler Ring vom Spieß lösen lässt. Das Verfahren - Teig schichtweise auf einem drehenden Spieß garen und basten, bis ein hohler Ring entsteht - ist ein früher Vorläufer der Baumkuchen-Familie (Baumstriezel/Kürtőskalács, Trdelník, deutscher Baumkuchen). Eine belegte Abstammungslinie gibt es nicht, nur die technische Verwandtschaft.

Was ist "Garben"?

Ein Löffel voll "Garben" wird zusammen mit Rahm und Eiern in den Teig gerührt, der danach zweimal aufgehen muss. Die genaue Zutat bleibt sprachlich ungeklärt: Das Wörterbuch belegt "garben" nur als bairisch-tirolerisches Verb für Stoßen oder Kneten, der Wortlaut verlangt an dieser Stelle aber eine zähl- und dosierbare Zutat. Küchentechnisch spricht einiges dafür, dass hier ein Triebmittel gemeint sein könnte, weil der Teig zweimal gehen, zäh werden und dabei Blasen werfen muss - ein Verhalten, das ohne Triebmittel schwer zu erklären wäre. Beweisen lässt sich das nicht, die Stelle bleibt offen.

Wie warm muss der Teig gehen?

Das Rezept nennt keine Temperatur, sondern zwei Fingerproben: Der Rahm darf so warm sein, dass gerade noch kein Finger hineinpasst, später ebenso das Schmalz zum Bestreichen. Eine warme, zugfreie Stube ersetzt hier den Backofen als Gärkammer.

Praxis.

Den Teig aus Semmelmehl, warmem Rahm und den Eiern anrühren, salzen und zugedeckt an einem warmen Ort etwa eine Viertelstunde gehen lassen, bis er zäh wird und beim Rühren Blasen wirft. Rosinen und Muskatblüte erst danach untermischen, damit die entstandene Struktur nicht zerstört wird, dann ein zweites Mal gehen lassen. Den leicht eingefetteten Spieß mit Hilfe eines Tuchs gleichmäßig mit Teig bewickeln, mit lockerem Faden ringförmig binden - schneidet der Faden ein, reißt der Teig später beim Lösen - und über gleichmäßiger Glut erst kurz und rasch, dann langsamer unter wiederholtem Bestreichen mit Eigelb und anschließend mit einem in Schmalz getauchten Tuchbausch rösten, dazwischen salzen. Vor dem Anschneiden mit einem Holzstäbchen prüfen, ob der Teigkern durchgegart ist, notfalls kurz nachrösten - der Teig gart um einen Metallkern und kann ungleichmäßig durchziehen. Ergibt eher 4 bis 6 Portionen als süßes Vorführstück.

Was ist ein 'Reif' in diesem Rezept?

Der 'Reif' bezeichnet die ringförmige Gestalt des Gebäcks, die durch das Umwickeln des Teigs mit einem Faden auf dem Spieß entsteht. Es handelt sich um ein aufwendig zubereitetes Schaugericht.

Was bedeutet 'Garben' in der Zutatenliste?

Die genaue Bedeutung ist sprachlich nicht gesichert. Das Wörterbuch kennt „garben" nur als bairisch-tirolerisches Verb für Stoßen oder Kneten, der Rezeptwortlaut verlangt an dieser Stelle aber ein zähl- und dosierbares Substantiv. Küchentechnisch spricht einiges dafür, dass ein Triebmittel wie Hefe, Bärme oder Sauerteig gemeint sein könnte, da der Teig danach zweimal gehen und dabei Blasen werfen muss - ein zusätzliches Gewürz würde das schwerer erklären, zumal Muskatblüte und Rosinen bereits separat genannt werden. Ein eindeutiger Beleg fehlt für beide Lesarten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, als Schaugericht: Es braucht weder Ofen noch Kühlung, nur ein offenes Feuer, einen Bratspieß und eine warme, zugfreie Ecke zum Gehenlassen des Teigs. Anspruchsvoll ist die Technik selbst - die Teigführung mit zwei Gehzeiten, das gleichmäßige Formen am Spieß und das wiederholte Bestreichen während der Drehung machen es zu einem aufwendigen Vorführstück für besondere Anlässe, nicht zu einem schnellen Feldküchen-Gericht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.

Ain hoͤflich eſſen / haiſt der raiff. cvcij. & Gibsfür ein richt / oder ein bachens / Nimb ein halb meelin guͦt ſemel mel / nims hald herdan / in ain ſchul ſel / die kuͦpfferin oder ziñen ſey / nimb mel / das erwaͤrm in einer ſtuben / Nimb ein maͤßlin ſuͤſſen raum / laß in warm werdē / das du kain finger dariñ haben magſt / nim ein loͤ† fel vol garben / vns den ſuͤſſen rauͦ / nim zwey ayer / ſchlags auch vnderden rauͦ / ruͤrs alſo ab / ſetz auff der Zinſchüſſel zuͦder würm / ſo geht er auff / er muͤß auff gehen / bey einer viertel ſtund / das er fein zaͤch wirt / vñ ſich glat blatert am ruͤren / nim dann bey eim halben viertel weinber / ſchoͤn er klauber / die gar trucken ſein / die raͤr in taig / nimb auch ein halblot Muſcat bluͤ / zerbꝛocks klein / ruͤrs auch inn taig/ ſo er bald abgeboͤꝛt iſt / vnd gewallen iſt / ſo ſetz in wider zuͦͤ der würm / inn der ſchüſſel / dz er auffgee / wie vor / bey einer viertelſtund / ſo nimb de ſpiß / der muͦß darzuͦ gemacht ſein ſalb in mit ſchmaltz / ein wenig / doch d; er nit naß ſey / nim dañ den taig / leg in fein an den ſpiß / vm vñ vm / in gleicher dick ab / dz er fein glat werd / vñ haſem / dañ ſo nim dꝛey eyr doter / die ſaltz ein wenig / beſtreich den taig am ſpiß fleiſſig vm vnd vmb / dz er ſein gel werd / ſo er nuͦ beſtrichen iſt / ſo nim ain groben faden / ain zwirn / de bind vm den taig / in maſſen wie ain raiff / ſchau eben d; der faden / ſo len ſey auf dem taig lig / vnd gar nit einbeiß / der taig gienge ſonſt nit vom ſpiß / Wann er vmbwunden iſt mit dem faden / ſo laß in zuͦ ainem bꝛinnenden fewe / nur gar fluchs vmb vnnd K 1 vmb Das funſſt Büch. vmb bratten / biß er er warmbt/ dann nimb ain ſchmaltz/ das laß zurgeen inn aim pfenndlin / das du wol ain finger darinn haben magſt / Nimb dann ain klaines tuͤchlin / ey⸗ ner foꝛdern ſpañ lang / vnd zwayer finger biait / die bind in ain knüpfel / thuͤs in das ſchmaltz / ſalb den braten / wie ein ſpaͤn Saw / dann ſo brat es mer fluchs vmb / ſo wirt er fai⸗ men / ſo ſalb in mer wie voꝛ / vnd brat ayns bratten / biß er ſich fein breint / ſo ſaltz in zuͦm dritten mal / vnd brat in offt ſo lang biß er ſein liecht braun wirt / So nim in vom fewr vnd wend den ſpiß vmb / dieweil zeüche den faden / vnd eyl damit auff ain ſchoͤns weiß tuͦch / nimb ain meſſer / ledig de rauß von baiden ſeiten ab vom oꝛt / dann ſo nimb ein tuͦch in baid hend / zeüch in fein gemaͤchlich ber ab / ſo geet er fein herab vom ſpiß / deck in fein zuͦ / ſcheüb ein duͤchlin in baide bꝛter / d; die würm nit herauß gehe / ſo zeücht es ſich hüpſch an / vnd wirt feyn trucken / jnwendig / vnnd iſt alſo berait den taig muͦß man ſaltzen / wann man am erſtenn anma⸗ chet / Auch ſo du den taig haſt angemach t / ſo bꝛait ain tuͦͤch auff den tiſch / vnd woͤlger den ſpiß hin vnd her / ſo kompt der taig gleich an den ſpiß.
Raiff

Der Name des Gerichts bezieht sich auf die ringförmige Gestalt des Gebäcks, die durch das Umwickeln des Teigs mit einem Faden auf dem Spieß entsteht.

Würm

Im historischen Kochkontext oft eine Bezeichnung für aufsteigenden Dampf oder Dunst.

Spieß

Ein Bratspieß, der hier nicht nur zum Garen, sondern auch zum Formen des Teigs verwendet wird.

Spanferkel

Ein junges, noch gesäugtes Schwein, das oft im Ganzen am Spieß gebraten wird. Die Baste-Technik wird hier mit der eines Spanferkels verglichen.

Muskatblüte

Die äußere Hülle der Muskatnuss, auch Macis genannt, mit feinerem und milderem Aroma als die Nuss selbst.

Vimb

Die Vorlage schreibt an dieser Stelle „Vimb" statt „Nimb" (Nimm) - im ganzen Buch beginnt diese Anweisungsformel sonst immer mit „Nimb", ein Verwechslungsschaden zweier ähnlicher Anfangsbuchstaben im Druck.

mir dem faden

Die Vorlage liest hier „mir" statt „mit" - ein Verwechslungsschaden einzelner Lettern (r/t). Nur „mit dem Faden" ergibt an dieser Stelle Sinn.

(uſcat

Der Großbuchstabe M am Wortanfang ist im Druck durch ein Klammerzeichen ersetzt - dasselbe Schadensbild zeigt sich im Buch mehrfach bei M-Anfangsbuchstaben. Gemeint ist „Muscat blü" (Muskatblüte).

ſewt

Verwechslungsschaden aus ſ/f und r/t; gemeint ist „fewr" (Feuer) - die im Buch stehende Schlussformel für das Abnehmen vom Feuer.

ſiuchs

ſ/f-Verwechslung; im selben Rezept steht wenige Zeilen zuvor bereits unbeschädigt „fluchs" (rasch, schnell).

ſinger

ſ/f-Verwechslung; im selben Rezept steht wenige Zeilen zuvor bereits unbeschädigt „finger".

wieuot

u/v-Vertauschung, eine im Druck übliche Schreibweise (u für v); gemeint ist „wie vor" (wie zuvor) - der Teig soll beim zweiten Gehen genauso behandelt werden wie beim ersten.

haſem

Die Vorlage ist an dieser Stelle nicht sicher lesbar. Die naheliegende Lesung „haftet" lässt sich aus dem Schriftbild nicht sauber ableiten, ein zweiter Textzeuge zur Klärung liegt für dieses Buch nicht vor - die Stelle bleibt offen.

Druck
Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...
Teil
Das fünfte Buch: Fleisch, Geflügel und Wild
Folio
Fol. 034r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen, 1545

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ſaltztable salt Q11254
schmaltzanimal fat Q1423543

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgarben

Gewählte Lesart: Eine unbekannte Zutat, die löffelweise in den Teig gegeben wird.

Andere mögliche Lesarten:

  • Eine Art von Samen oder ein gemahlenes Gewürz. - Der Begriff 'Garben' ist in kulinarischen Kontexten des Frühneuhochdeutschen nicht eindeutig belegt. Eine löffelweise Zugabe in einen Teig legt jedoch eine pulverförmige oder kleinkörnige Zutat nahe.
  • Ein Triebmittel wie Hefe, Bärme oder Sauerteig. - Der Teig muss danach zweimal gehen, zäh werden und beim Rühren Blasen werfen - ein Verhalten, das ein Triebmittel voraussetzt. Muskatblüte und Weinbeeren werden im Text separat und namentlich als Gewürz- bzw. Fruchtzugabe eingeführt, was ein weiteres, unbenanntes Gewürz an dieser Stelle unwahrscheinlicher macht. Ein philologischer Beleg fehlt für diese Lesart ebenso wie für die Gewürz-Lesart - das Wörterbuch kennt 'garben'/'abgarben' nur als bairisch-tirolerisches Verb (stoßen, kneten), nicht als Substantiv.

Lesartabgeboͤꝛt

Gewählte Lesart: ‚abgearbeitet‘ oder ‚bearbeitet‘.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚abgeknetet‘ oder ‚geruht‘. - Im Kontext des Teigs, der nach diesem Schritt erneut gehen soll, ist eine Bedeutung wie ‚fertig bearbeitet‘, ‚ausreichend geknetet‘ oder ‚geruht‘ plausibel. Eine wörtliche Übersetzung wie ‚abgebohrt‘ ergibt keinen Sinn.

Lesartrauß

Gewählte Lesart: ‚Rand‘ oder ‚Äußeres‘.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Rinde‘ oder ‚Endstück‘. - Da der Teig vom Spieß gelöst werden soll, bezieht sich ‚rauß‘ wahrscheinlich auf die äußere Kruste oder die Enden des Gebäcks, die vom Spieß gelöst werden müssen, um es zu servieren.

Lesartbꝛter

Gewählte Lesart: ‚Bretter‘ oder ‚Spalten‘.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Ränder‘ oder ‚Seiten‘. - Im Kontext des Abdeckens des Gebäcks, um Dampf (‚Würm‘) zu halten, sind ‚Bretter‘ oder ‚Spalten‘ (z.B. in einer Abdeckung oder einem Behälter) plausibel, in die ein Tuch geschoben wird, um die Öffnungen abzudichten.

LesartFertigstellungskriterium (Garprobe)

Gewählte Lesart: Das Rezept nennt keine Garprobe für den Teigkern, sondern verlässt sich auf Zudecken und Resthitze, bis das Innere ‚schön trocken‘ wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Stäbchen- oder Messerprobe vor dem Anschneiden. - Da der Teig um einen Metallspieß gart, kann er ungleichmäßig durchziehen; eine moderne Garprobe schützt vor rohem Kern, ist aber eine Praxisempfehlung und keine Anweisung des Textes.

LesartFeuerhitze und Garzeit

Gewählte Lesart: Das Rezept nennt nur qualitative Angaben - ‚an einem brennenden Feuer‘, ‚oft so lang‘ - ohne Zeit- oder Hitzewerte für die Röstphase nach dem ersten schnellen Durchgang.

Andere mögliche Lesart:

  • Auf gleichmäßige Glut statt offener Flamme wechseln. - Die mehrfach mit Eigelb und Schmalz bestrichene Oberfläche verbrennt an offener Flamme leichter, bevor der Kern durchgegart ist - eine moderne Praxisanpassung, die der Text selbst nicht verlangt.

Originalwerk (~1545) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 034r (gedruckte Blattzählung XXXIV recto), Rezept läuft bis 034v, Regensburg, Staatliche Bibliothek, 999/Philos.1921/1922; bereitgestellt durch die Bayerische Staatsbibliothek München (bsb11110687) - NoC-NC 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigenes Kraken-OCR (scripts/fetch_staindl_kraken.rb, german_print.mlmodel, 112 Scans) - seit 2026-09-01 fuer ALLE acht Buecher (std-001..294) primaer, liest auf diesem Druck deutlich sauberer als die vorherige BSB-Bibliotheks-OCR (Verhältnis 385,8 vs. 93,0, keine der bekannten M/W- und kl/El-Verwechslungen). Die BSB-Bibliotheks-OCR (scripts/fetch_staindl.rb, api.digitale-sammlungen.de/ocr) bleibt als Referenz im Cache, wird aber von keinem Rezept mehr gelesen. Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Schaugericht: braucht weder Ofen noch Kühlung - nur offenes Feuer, einen Bratspieß und eine warme, zugfreie Ecke zum Gehenlassen des Teigs. Aufwendig ist stattdessen die Technik: zweifach geführter Teig, Fadenbindung als Formgeber und mehrfaches Bestreichen mit Eigelb und Schmalz während der Spießdrehung - ein klassisches Vorführstück, kein Alltagsgebäck.
Alle Rezepte aus Das Kochbuch des Balthasar Staindl Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 08.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.