Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Schlage Erbsen durch ein Sieb und bereite sie mit Eiern zu. Backe dies mit ein wenig Schmalz oder Butter. Schneide es zu Stücken, brate es an einem Spieß, beschlage es mit Eiern und gib es zu essen.
Sobald die Erbsen-Ei-Mischung durchgesiebt ist, schneide sie stückchenweise, ziehe sie durch einen gelben Teig und backe sie.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Erbiß | Erbsen | - | - | getrocknete Schälerbsen |
| ayeren / ayerē | Eier | - | - | - |
| ſchmaltz / oder buter | ein wenig Schmalz | - | - | Butter |
| gelben taig | gelber Teig | - | - | einfacher Nudelteig mit Safran oder Eigelb gefärbt |
Welches Gericht ist das? Durch ein Sieb passiertes Erbsenmus wird mit Ei gebunden, in Schmalz oder Butter in der Pfanne zu einem festen Fladen gestockt, in Stücke geschnitten und auf zwei Wegen fertiggestellt: aufgespießt und am Feuer nochmals mit Ei bestrichen, oder - kleiner geschnitten - durch einen gelb gefärbten Teig gezogen und ausgebacken. Eine Vorläuferform heutiger Erbsenpuffer oder im Teigmantel ausgebackener Gemüsebällchen. Das Grundverfahren (Erbsen sieben, mit Ei binden, backen, schneiden, spießen, mit Ei bestreichen) ist im Kochbuch-Korpus mehrfach belegt, unter anderem in b4-030, mha-094 und mon-250 - std-190 reiht sich als weiterer Textzeuge in diese verbreitete Zubereitung ein.
Abgemacht und durchgeschlagen. Beide Ausdrücke sind über Wörterbuch und Parallelrezepte klar belegt: abmachen heißt hier schlicht "fertigstellen, zubereiten" - die Eier werden in die Erbsenmasse eingearbeitet. Durchgeschlagen nimmt den Rezeptanfang wieder auf ("schlag Erbiß durch ein Sieb") und meint die durchs Sieb passierte, gebundene Masse, keinen Garzustand.
Beschlagen mit Eiern. Bezeichnet das Bestreichen der gespießten Stücke mit verquirltem Ei, damit sie am Feuer glänzend anziehen - dieselbe Formel für dieselbe Technik nutzt das unmittelbar vorausgehende Rezept.
Die Teigmantel-Variante. Der zweite Zubereitungsweg (kleiner schneiden, durch gelben Teig ziehen, ausbacken) findet sich in keinem der bekannten Parallelrezepte - möglicherweise eine eigene Ergänzung dieses Kochbuchs.
Praxis. Der Druck nennt den Ausgangszustand der Erbsen nicht - am einfachsten von bereits weich gekochtem, durch ein Sieb gestrichenem Erbsenmus ausgehen (getrocknete Schälerbsen vorher gut einweichen und weich kochen). Masse mit Ei verrühren, in wenig Schmalz oder Butter in der Pfanne zu einem festen Fladen stocken lassen - ein Ofen wird nicht gebraucht -, auskühlen lassen, in Stücke schneiden. Für die Spieß-Variante aufspießen, am Feuer braten und mit verquirltem Ei bestreichen. Für die Teigmantel-Variante kleiner schneiden, durch einen mit Safran oder Eigelb gelb gefärbten Teig ziehen und ausbacken.
"Abgemacht" bedeutet hier "zubereitet" oder "fertiggestellt". Gemeint ist die Anweisung, die Eier in die Erbsenmasse einzuarbeiten.
Ja, gut geeignet. Ein Ofen wird nicht gebraucht: Die Erbsen-Ei-Masse stockt in wenig Schmalz oder Butter in der Pfanne, danach wird gespießt und am offenen Feuer fertig gebraten. Nur die Teigmantel-Variante braucht zum Ausbacken etwas mehr Geschick am Feuer oder im Dutch Oven.
Vermutlich getrocknete Schälerbsen. Der Druck nennt ihren Ausgangszustand nicht - in der Praxis empfiehlt es sich, sie vorher einzuweichen und weich zu kochen, bevor man sie durch ein Sieb streicht, um die im Rezept beschriebene feine Masse zu erhalten.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
Fnhd. "abmachen" heißt hier "eine Speise abschließend zubereiten, fertigstellen" - so auch im Frühneuhochdeutschen Wörterbuch belegt (etwa "mach es mit Essig ab" für dieselbe Kochtext-Konstruktion). Die Eier werden in die Erbsenmasse eingearbeitet.
Nimmt die Eingangsanweisung "schlag Erbiß durch ein Sieb" wieder auf: gemeint ist die durchs Sieb passierte, mit Ei gebundene Masse - ein feststehender Küchenausdruck fürs Passieren (vgl. heutiges "durchschlagen"), kein Garzustand.
Bezeichnet das Bestreichen der gespießten Stücke mit verquirltem Ei. Dieselbe Wendung für dieselbe Technik verwendet das unmittelbar vorausgehende Rezept dieses Kochbuchs.
Rezeptziffer beziehungsweise Druckerzeichen, kein Wort des Fließtexts - im Druck durch Klammern vom eigentlichen Rezepttext abgesetzt. Auch das vorausgehende Rezept trägt an derselben Stelle eine eigene, ähnlich verstümmelte Ziffer.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
bachs / bache
Gewählte Lesart: in der Pfanne braten (Garung in Fett, nicht im Ofen)
Andere mögliche Lesart:
Erbiß
Gewählte Lesart: bereits weich gekochtes, durch ein Sieb gestrichenes Erbsenmus als Ausgangspunkt
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 08.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.