Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Für Wein, der sich nicht richtig setzen will, nimm Weinstein und Salz, jeweils ein Viertel. Lass beides in einer Pfanne trocken werden, dann zerstoße es sehr gut. Schütte es gut vermischt in das Fass. Gieße zuletzt Wasser hinein und fülle das Fass damit auf.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| wein ſtain | Weinstein | - | Online-Handel | - |
| ſaltz | Salz | - | - | - |
| waſſer | Wasser | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Das ist kein Speiserezept, sondern eine Kellerarbeit am Weinfass: Weinstein und Salz werden einem trüben, sich nicht klärenden Wein zugesetzt. Die Grundidee - ein Zusatzstoff soll Trübstoffe binden, damit sich der Wein absetzt - kennt man aus der heutigen Weinschönung mit Bentonit, Gelatine oder Eiklar wieder, auch wenn Weinstein und Salz selbst kein heute gebräuchliches Klärmittel sind.
Was „durch ainander" wirklich meint. Der Text lässt sich so lesen, dass man den Wein im Fass verrührt - aber dieses Kapitel benutzt dafür an anderer Stelle ausdrücklich das Verb „rühren", hier fehlt es völlig. „durch ainander" beschreibt stattdessen, wie die zerstoßene Mischung selbst beschaffen sein soll, wenn man sie einschüttet: gut vermengt, nicht als Klumpen.
Wieviel ist ein Viertel? Weinstein und Salz werden nur als „ein Viertel" angegeben, ohne dass der Text sagt, wovon. Wahrscheinlich ist ein Viertelpfund gemeint - die historische Maßeinheit „vierdung" bezeichnet genau das -, auf ein ganzes Fass Wein bezogen bleibt die Menge damit ohnehin klein. Konkret sind das rund 120 bis 130 Gramm. Ab welcher Fassgröße das unbedenklich wird, lässt sich ausrechnen: Salz wird im Wein ab etwa 0,31 Gramm je Liter überhaupt bemerkt und ab rund 0,8 Gramm je Liter als salzig erkannt. Unter etwa 160 Litern Fassinhalt schmeckt man den Zusatz also deutlich, ab etwa 400 Litern liegt er unter der Wahrnehmungsschwelle. Die Fässer dieses Kapitels - Dreiling und Fuder - liegen weit darüber.
Praxis. Weinstein (im Handel als Kaliumbitartrat bzw. Backzutat erhältlich) und Salz zu gleichen Teilen in einer trockenen Pfanne kurz anwärmen, bis alle Feuchtigkeit weg ist, dann fein zerstoßen. Die Mischung gut vermengt ins angestochene Fass geben, danach das Fass mit Wasser bis zum Spund auffüllen - das Nachfüllen gegen Luftkontakt im Spundraum ist bis heute gängige Kellerpraxis.
Weinstein ist ein kristallines Salz aus der Weinbereitung. Der Text verwendet ihn zusammen mit Salz als Behandlungsmittel für einen Wein, der sich nicht sauber klärt.
Damit ist gemeint, dass sich die Trübstoffe nicht ausreichend ablagern. Der Wein bleibt dadurch länger unklar, und die Mischung aus Weinstein und Salz soll diesen Vorgang unterstützen.
Nein. Das ist Kellerhandwerk für die Behandlung eines Weinfasses und setzt ein geeignetes Fass sowie kontrollierte Lagerbedingungen voraus.
Nur in einem kleinen Fass. Ein Vierdung ist ein Viertelpfund, nach süddeutschen Pfundgewichten der Zeit rund 120 bis 130 Gramm. Salz im Wein bemerken Verkoster ab etwa 0,31 Gramm je Liter überhaupt, und als ausdrücklich salzig erkennen sie es ab rund 0,8 Gramm je Liter. Rechnet man das gegen die Menge, ergibt sich: In einem Fass unter etwa 160 Litern schmeckt man das Salz deutlich heraus, ab etwa 400 Litern bleibt es unter der Wahrnehmungsschwelle. Die Fässer, die dieses Kapitel an anderer Stelle selbst nennt, Dreiling und Fuder, fassen ein Vielfaches davon - bei rund 1000 Litern kommt man auf etwa 0,13 Gramm je Liter. Für Fässer dieser Größenordnung ist die Menge also unbedenklich, und genau dafür ist das Rezept gedacht.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
Weinstein ist das kristalline Salz, das sich bei der Weinbereitung ablagert. Hier wird es als Zusatz zur Klärung eines sich nicht richtig setzenden Weins verwendet.
‚Sich setzen‘ bedeutet hier, dass sich Trübstoffe ablagern und der Wein klarer wird.
‚Dürt‘ ist hier eine Schreibung von ‚dürr‘ (trocken): Die Zutaten sollen in der Pfanne trocken werden, bevor sie zerstoßen werden - das entfernt Feuchtigkeit, damit sich die Kristalle fein zerstoßen lassen, statt zu verklumpen.
Die Menge ergibt nur bei einem großen Fass Sinn. Ein Vierdung, also ein Viertelpfund, sind rund 120 bis 130 Gramm; auf ein Fuder von etwa 1000 Litern gerechnet bleibt das weit unter der Schwelle, ab der Salz im Wein überhaupt wahrnehmbar wird. Ein kleines Fass würde dieselbe Menge dagegen verderben.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| wein ſtain | potassium bitartrate Q18745 |
| ſaltz | table salt Q11254 |
| waſſer | water Q283 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
vierdung / viertel
Gewählte Lesart: Die Bezugsgröße bleibt im Text unbenannt; beide Mengen sind bewusst vage als ‚ein Viertel‘ wiedergegeben, ohne eine Gewichtsangabe zu erfinden.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 03.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.