Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 · Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich) · 1450
Noch ein anderes Mus: Willst du ein Mus aus Pilzen machen, so sammle sie im Mai. Nimm Reysling-Pilze und Raslinge, hacke sie klein und lege sie zum Trocknen aus.
So kannst du sie lange aufbewahren. In der Fastenzeit sind sie gut, das muss ich so sagen, und auch vor der Fastnacht schmecken sie vortrefflich. So machst du es, dass du sie haben kannst, so lange du nur willst.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Swammen | Pilze | - | - | - |
| reysling | Reysling-Pilze | - | Wochenmarkt, Pilzhändler | Da die genaue Art unklar ist: getrocknete Steinpilze oder frische Kräuterseitlinge aus dem Handel verwenden |
| Rottling | Raslinge | - | Pilzhändler, Wochenmarkt | Getrocknete Steinpilze oder Champignons aus dem Handel. Vorsicht bei Verwechslung mit dem ähnlich klingenden modernen Namen 'Rötling' (Gattung Entoloma) - diese Pilze sind giftig und haben mit den hier gemeinten Raslingen nichts zu tun |
Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Fertiggericht, sondern eine Konservierungstechnik: Pilze werden im Mai gesammelt, klein gehackt und getrocknet, um sie als Vorrat für die fleischlosen Fastentage zu einem Mus verkochen zu können. Der Vorfahre der getrockneten Steinpilze und Pfifferlinge, die man heute zum Einweichen für Risotto, Sauce oder Suppe kauft.
Der Text beschreibt nur die Haltbarmachung - Sammeln, Hacken, Trocknen - nicht aber, wie aus den getrockneten Pilzen das fertige Mus entsteht. Das ist keine Lücke unserer Übersetzung, sondern eine Lücke des Originals: auch der textnahe Zwilling w1-123 (Wien, Cod. 2897) bricht an derselben Stelle ab.
Praxis. Getrocknete Pilze vor der Verwendung mehrere Stunden bis über Nacht in Wasser einweichen, danach ausreichend kochen, bis sie weich sind - das übliche Vorgehen bei Trockenpilzen, unabhängig davon, wie der Originaltext diesen Schritt auslässt.
Beide Pilznamen lassen sich heute nicht mehr abschließend einer botanischen Art zuordnen. 'Rottling' dürfte laut CoReMA-Glossar Pilze aus der Gattung Lyophyllum meinen, ähnlich dem heutigen Büschelrasling, daher hier als 'Raslinge' übersetzt. Der ähnlich klingende moderne Name 'Rötling' bezeichnet dagegen die giftige Gattung Entoloma - Nachkocher sollten deshalb nicht selbst im Wald sammeln, sondern auf sichere Handelsware wie getrocknete Steinpilze, frische Kräuterseitlinge oder Champignons vom Wochenmarkt zurückgreifen.
Ja, Goldstandard. Getrocknete Pilze halten ohne Kühlung monatelang, das Trocknen selbst geschieht Wochen vorher im Frühling und ist für den Markttag kein Thema mehr. Am Feuer bleibt nur noch das Einweichen (mehrere Stunden bis über Nacht) und Verkochen zum Mus übrig.
Fastnacht war das ausgelassene Fest unmittelbar vor Beginn der vierzigtägigen Fastenzeit. Das Rezept betont, dass die getrockneten Pilze zu beiden Anlässen schmecken, vor der Fastnacht als gewöhnliche Speise, während der Fastenzeit als fleischlose Beilage.
Dieses Rezept stammt aus dem Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (Mitte 15. Jh.). CoReMA-Handschrift B4 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 1187): bairisches Kochbuch der Mitte des 15. Jahrhunderts, 112 Blatt Papier. Enthält u.a. ein Paar-Rezept für "grünen Met" und ein Grundrezept "Wie du mett solt machen" (Honig-Wasser-Ansatz mit Hopfen und Hefe-Nachgärung) - textlich eng verwandt mit W1 (Wien, Cod. 2897), das dieselben zwei Met-Rezepte fast wortgleich überliefert.
Mittelhochdeutsches Wort für Pilze, verwandt mit dem heutigen 'Schwamm', der Pilzhut wurde wegen seiner schwammigen Struktur so benannt.
Unklare Pilzbezeichnung, die genaue Art lässt sich nicht mehr sicher bestimmen. Vermutlich ein im Frühling wachsender Speisepilz.
Bezeichnet nach der CoReMA-Glosse Pilze der Gattung Lyophyllum (Wikidata Q973255), verwandt mit dem heutigen Büschelrasling, daher hier als 'Raslinge' übersetzt. Vorsicht: der ähnlich klingende moderne Name 'Rötling' bezeichnet dagegen die giftige Gattung Entoloma und ist keine korrekte Übersetzung dieses Wortes.
Die Fastenzeit vor Ostern, in der Fleisch, Eier und Milchprodukte verboten waren. Getrocknete Pilze waren eine willkommene Geschmacksquelle für die fleischlosen Tage.
Fastnacht, der Vorabend der vierzigtägigen Fastenzeit, ein ausgelassenes Fest vor Beginn des Fastens.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Swammen | mushroom Q654236 |
| Rottling | Lyophyllum Q973255 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
reysling
Gewählte Lesart: Unbestimmte Pilzart, die im Mai gesammelt wird. Auch CoReMA lässt die genaue Zuordnung korpusweit offen (Wikidata Q0); der wortgleiche Zwilling w1-123 verwendet dieselbe Form ('raysling') und löst sie ebenfalls nicht auf.
Rottling
Gewählte Lesart: Pilze der Gattung Lyophyllum (Raslinge), so von CoReMA glossiert (Wikidata Q973255).
Andere mögliche Lesart:
truekchen
Gewählte Lesart: trocknen, aus dem Kontext ('lang halten') als Trocknungsvorgang gelesen.
Andere mögliche Lesart:
In der vasten sy sein
Gewählte Lesart: Die Klausel hat im Original kein eigenes Prädikat und wird sinngemäß als 'In der Fastenzeit sind sie gut' ergänzt.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 21.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.