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Fasan für Fürsten und Magnaten

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4-6 PersonenBuchRegistrum Coquine (~1433)

Nimm die Fasane und reinige sie gründlich mit warmem Wasser, wie es Brauch ist. Lasse die längeren Federn am Kopf und am Schwanz stehen.

Gib das warme Fleisch in warmes Wasser und lasse es kurz aufkochen. Danach bereite einen Sud mit Schmalz zu, richte den Fasan auf und brate ihn. Stecke Nelken in die Brust und überall am Körper.

Nimm danach die Federn und stecke sie wieder an den Schwanz, damit sie gut stehen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
fasanos Fasan - Wildhändler -
aqua calida Warmes Wasser - Leitung -
lardo Schmalz - Metzger Pflanzenöl
gariofolos Nelken - - -
pennas longiores Lange Federn des Fasans - - -

Welches Gericht ist das? Ein Prunk-Braten der höfischen Tafel: ein ganzer Fasan, gebraten und anschließend wieder mit seinen eigenen Federn bestückt, sodass er auf der Tafel wie ein lebendiger Vogel wirkt. Es gehört zur großen Familie der wieder-befiederten Schauvögel - im Korpus der feuerspeiende Pfau Martinos (mar-014), der Schwan im Federkleid (men-158) und die Festtagsgeflügel-Präsentation des Ménagier (men-153).

Federn stehen lassen, dann wieder anstecken. Die langen Feder an Kopf und Schwanz werden vor dem Garen abgenommen und beiseitegelegt, damit sie nicht verschmoren; nach dem Braten werden sie wieder an den Schwanz gesteckt, propter bene stare - „damit sie gut stehen". Die Präsentation war im Adel ein Statussymbol ersten Ranges.

ius cum lardo. ius kann Brühe, Sud oder Sauce meinen. Im Bratkontext am ehesten ein Schmalz-Sud zum Begießen (Basting), der den Vogel saftig hält und bräunt. gariofolos ad pectus et undique - Nelken werden in Brust und Körper gesteckt, sie würzen und wirken zugleich dekorativ.

Praxis (Tafel, nicht Alltag). Fasan rupfen, dabei die langen Schwanz- und Kopffedern sauber abtrennen und aufheben. Den Vogel kurz in warmem Wasser anziehen lassen, dann am Spieß braten und dabei mit ausgelassenem Schmalz begießen. Nelken einstecken. Nach dem Braten die Federn am Schwanz wieder einsetzen und den Vogel aufrecht anrichten. Ein reines Show-Gericht - geschmacklich ist es ein schlichter Spießbraten.

Wo bekomme ich Fasan?

Fasan erhältst du am besten bei einem spezialisierten Wildhändler oder auf dem Wochenmarkt. Manchmal bieten auch gut sortierte Metzgereien Fasan an, besonders in der Jagdsaison.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Das Braten eines ganzen Fasans erfordert eine kontrollierte Hitzequelle und Zeit für die aufwendige Präsentation. Zudem ist die Kühlung des Fasans im Lager schwierig. Bereite dieses Gericht besser zuhause vor.

Was bedeutet die Anweisung, Federn am Fasan zu belassen oder wieder anzubringen?

Im mittelalterlichen Adel war die Präsentation von Speisen ein wichtiger Ausdruck von Reichtum und Status. Ganze Vögel wie Fasanen wurden oft mit ihren prächtigen Federn serviert, um den Eindruck eines lebendigen Tieres zu erwecken. Die Federn wurden vor dem Braten entfernt, um sie vor dem Verbrennen zu schützen, und danach für die festliche Tafel wieder angebracht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Registrum Coquine (Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz). Das älteste erhaltene Kochbuch eines namentlich bekannten päpstlichen Küchenmeisters. Johannes von Bockenheim kochte ab 1417 für Papst Martin V.; sein Registrum (~1431-1435) verzeichnet 80 Rezepte mit Angaben, für welche Nationalitäten oder Stände sie geeignet sind - für Italiener, Deutsche, Böhmen, Frauen, Adelige, Söldner, Mönche u.v.m. Das macht es zum einzigen mittelalterlichen Kochbuch mit expliziter Zielgruppenzuordnung.

Ad preparandum fasanos pro principibus et magnatibus Recipe eos et munda bene cum aqua calida, ut moris est. et fac stare pennas longiores in capite, et cauda, Et mitte carnes calidam ad aquam calidam, et mitte modicum bulire, post hoc prepara ius, cum lardo, et fac eum stare, rostire, et mitte gariofolos ad pectus. et undique, post hoc recipe pennas, et mitte eas ad caudam, propter bene stare.
ius

Brühe, Sud oder Sauce. Im Bratkontext am ehesten ein Schmalz-Sud zum Begießen des Bratguts.

gariofolos ad pectus et undique

Nelken werden in Brust und überall in den Körper gesteckt - sie würzen und dienen zugleich der Zierde des Schauvogels.

pennas ... ad caudam, propter bene stare

Die langen Federn werden nach dem Braten wieder an den Schwanz gesteckt, „damit sie gut stehen" - der Vogel soll auf der Tafel wie lebendig wirken. Ein höfisches Statussymbol.

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 70v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

aqua calidawater Q283
lardoanimal fat Q1423543
gariofolosclove Q15622897

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 70v/71r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f71) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Der Fasan wird am Spieß gebraten - das ist am Feuer machbar -, doch das Wiederaufstecken der Federn macht daraus ein höfisches Schaugericht für die festliche Tafel, kein Alltagsessen.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.