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Käsemus

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-3 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Auch mache ein Mus aus geriebenem Käse. Siede den Käse dann und gib Milch und Eier dazu. Lass es weiß.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
geribnem kaeß Geriebener Käse - Supermarkt Ein milder, gut schmelzender Käse wie Gouda oder Emmentaler
milch Milch - - -
aiger Eier - - -

Welches Gericht ist das? Ein cremiges Käse-Milch-Ei-Mus: geriebener Käse wird erhitzt, bis er sich verflüssigt, dann mit Milch und Ei zu einer hellen, gebundenen Masse verrührt. In der lebenden Küche ist das die schlichte Vorstufe dessen, was in der Käsesuppe oder im Schweizer Käsefondue (dort mit Wein statt Ei gebunden) fortlebt - auch verwandt mit den Käse-Ei-Füllungen rustikaler Alpengerichte wie Kasnocken. Die Schwester-Handschrift m384-053 überliefert praktisch denselben Wortlaut, bis auf Rechtschreibvarianz.

Zur Crux „sud denn“. Unklar bleibt, ob zuerst der geriebene Käse allein erhitzt wird, bevor Milch und Eier dazukommen, oder ob erst alles vermischt und dann gemeinsam gesiedet wird. Die gewählte Lesart (Käse zuerst) folgt der Wortstellung im Original und wird durch die annotierte Parallelstelle in m384-053 gestützt. Küchentechnisch ist dabei zu beachten: geriebener Käse ohne jede Flüssigkeit im Topf am offenen Feuer neigt zum Anhaften und Anbrennen, bevor er schmilzt - wer diese Lesart nachkocht, sollte auf sehr milder Glut und unter ständigem Rühren arbeiten, oder ersatzweise gleich etwas von der Milch mit erhitzen.

Praxis. Käse fein reiben, damit er zügig schmilzt. Bei milder Hitze im Topf schmelzen, dabei ständig rühren, damit nichts ansetzt. Milch und verquirlte Eier dazugeben und unter Rühren weitererhitzen, bis die Eier gestockt und die Masse sämig gebunden ist - das Ei ist hier reines Bindemittel, keine Mehlschwitze. Keine färbenden Zutaten wie Safran zugeben, damit das Mus hell bleibt, wie es der Text ausdrücklich verlangt.

Was bedeutet 'Lass es weiß'?

Diese Anweisung bedeutet, dass das Gericht seine helle Farbe behalten soll. Es sollen also keine färbenden Gewürze wie Safran oder andere Zutaten hinzugefügt werden, die das Mus gelb oder andersfarbig machen würden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es ist schnell zubereitet, benötigt nur einen Topf und Feuer, und die Zutaten sind leicht zu transportieren und zu lagern.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee)). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

Kaß muoß Ouch mach ain muoß von geribnem kaeß vnd sud denn vnd tuo milch vnd aiger darzuo vnd lauß wis
muos

Mittelalterlicher Oberbegriff für breiig-pürierte Speisen (süß oder herzhaft) - nicht deckungsgleich mit dem heutigen engeren „Mus“-Begriff wie Apfelmus.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 113r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsud denn

Gewählte Lesart: Die Anweisung „siede es dann“ bezieht sich auf den geriebenen Käse, der zunächst geschmolzen oder erhitzt wird, bevor Milch und Eier hinzugefügt werden.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch bedeuten, dass das fertige Mus, nachdem alle Zutaten vermischt sind, noch einmal gesiedet werden soll. - Die gewählte Lesart folgt der Wortstellung im Original und wird durch die Schwester-Handschrift m384-053 gestützt, deren Parallelstelle ebenfalls das sanfte Erhitzen des Käses vor der Milch-Ei-Zugabe meint. Küchentechnisch ist trockenes Sieden von geriebenem Käse ohne Flüssigkeit jedoch anfälliger fürs Anbrennen als die Alternative, alles gemeinsam zu erhitzen - beide Lesarten sind grammatisch möglich, die gewählte gilt hier als die textnähere.

LesartGarzustand der Ei-Milch-Käse-Masse

Gewählte Lesart: Bei mäßiger Hitze unter Rühren erhitzen, bis die Eier vollständig gestockt und die Masse sämig gebunden ist - der Text nennt dafür keine Dauer, nur die Farbvorgabe (weiß bleiben), weshalb dies die lebensmittelsicher nachkochbare Praxisempfehlung ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine nur kurz erwärmte, noch weich-cremige Bindung wäre mit dem knappen Wortlaut ebenfalls vereinbar. - Diese Variante birgt das Risiko von nicht vollständig durchgegartem Ei und wird deshalb nicht als gleichwertige Empfehlung behandelt, sondern nur als historisch denkbare Lesart dokumentiert.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 113r, Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125 ("Sermones", [Reichenau], 15. Jh.), Rezeptteil fol. 108r-120r - Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Im Topf am Feuer in etwa 15-20 Minuten fertig. Die Zutaten sind robust und benötigen keine aufwendige Kühlung, was es zu einem idealen Lagergericht macht.
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