Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Noch eine Salbei-Sauce: Nimm Salbei, dazu Zimt und Walnüsse. Das Ganze mit gutem Essig fein verreiben.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| saluan | Salbei | - | - | - |
| Cynamonium | Zimt | - | - | - |
| walisch nuss | Walnüsse | - | - | - |
| guotem essich | guter Essig | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine kalte, ungekochte Würzsauce aus Salbei, Zimt und Walnüssen, die mit gutem Essig zu einer feinen Paste verrieben wird - kein Kochschritt, kein Feuer, reine Mörserarbeit. Sie gehört in die breite Familie kalter Nuss-Essig-Saucen, wie sie etwa in der italienischen Salsa di Noci oder dem georgischen Bazhe bis heute fortleben, dort allerdings meist ohne Essig und Zimt. Der mit Abstand engste Verwandte im Korpus ist mon-036 (Mondseer Kochbuch), das dieselbe Salbei-Zimt-Walnuss-Grundformel unter der Bezeichnung "salsen czw vischen" - Sauce zu Fisch - führt und zusätzlich mit Wein anreibt, bevor durch Essig passiert wird. Der vorliegende Basler Text ist die knappere Fassung ohne diesen Wein-Zwischenschritt.
Praxis. Salbei, Zimt und Walnüsse zusammen im Mörser oder auf dem Reibebrett mit gutem Essig fein verreiben, bis eine streichfähige Paste entsteht. Die zerriebene Walnuss liefert durch ihr Fett die einzige Bindung - keine Mehlschwitze, kein Ei nötig. Mengenverhältnisse nennt die Quelle nicht; wer sich am Zwilling mon-036 orientiert, kann probeweise mit etwa gleichen Teilen Salbei und Walnuss sowie einer kleinen Prise Zimt beginnen und über den Essig die Schärfe justieren. Kalt servieren, zum Beispiel zu Fisch.
Vermutlich als würzige, saure Beilagensauce. Der eng verwandte Mondseer Zwilling - eine fast wortgleiche Salbei-Zimt-Walnuss-Sauce - nennt seine Fassung explizit als Sauce zu Fisch; der vorliegende Basler Text selbst nennt keinen Verwendungszweck.
Ja, uneingeschränkt. Salbei, Zimt und Walnüsse mit Essig verreiben dauert nur wenige Minuten, braucht kein Feuer und die Zutaten sind bei Raumtemperatur unbedenklich.
Das ist wahrscheinlich eine Kopfzeilen-Dublette des Schreibers und kein eigenständiger zweiter Rezeptteil - beide Wendungen meinen dieselbe Salbei-Sauce als weitere Variante zu einem früheren Eintrag im Buch.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Salbei (Salvia officinalis) - im schwäbisch-alemannischen Sprachraum eine übliche Schreibweise, nicht mit Sellerie zu verwechseln.
Mittellateinisches Wort für Zimt (griechisch kínnamon), in Wörterbüchern der Zeit direkt mit Zimt gleichgesetzt. Im mha-Korpus ein Hapax - nur in diesem einen Rezept in dieser lateinischen Form, sonst trägt das Buch eingedeutschte Zimt-Schreibungen; ein kleiner Rest gelehrter Schreibsprache im sonst vernakulären Text.
Walnuss - 'welsch/walisch' bezeichnet hier die italienische bzw. römische Herkunft der Nuss (daher auch der moderne Name 'Walnuss').
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.