Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Nimm eine Äsche und brate sie folgendermaßen: Schuppe sie nicht. Schneide ihr den Bauch auf und spalte sie auf. Bestreue sie innen und außen mit Salz. Lege sie auf einen Rost und lass sie gut durchbraten.
Genauso brate auch Forelle, Alande und Brachsen.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ain Aschen | Äsche | 1 | Fischhändler, Angelvereine (Süßwasserfisch, im Handel selten, teils reguliert) | Forelle oder Saibling |
| salcz | Salz | - | - | - |
| vorchen | Forelle | - | - | - |
| Allannde | Alande | - | Fischhändler, Angelvereine (Weißfisch, im Handel selten) | Karpfen oder Rotauge |
| praechsen | Brachsen | - | Fischhändler, Wochenmarkt | Karpfen |
Welches Gericht ist das? Ein ganzer Süßwasserfisch - Äsche, oder ebenso Forelle, Alande und Brachsen - wird ungeschuppt aufgeschnitten, innen und außen gesalzen und auf einem Rost über der Glut durchgebraten: die unmittelbare Vorstufe der „Forelle vom Rost", wie sie bis heute an Seen, Flussufern und auf Fischerfesten verkauft wird.
Warum bleiben die Schuppen dran? „schupp In nicht" heißt wörtlich „schuppe ihn nicht" - die Schuppenhaut bleibt bewusst dran. Sie schützt das Fleisch beim ungeschützten Direktgaren über der Glut vor dem Austrocknen, ganz ähnlich wie beim modernen Grillen „in der Haut". Der Befund ist über mehrere Rezepte desselben Buchs hinweg konsistent (schupp als Imperativ von „schuppen" auch in mha-056, mha-151, mha-152, mha-217) und stützt diese Lesart zusätzlich zur grammatischen Notwendigkeit.
Praxis. Der Bauch wird aufgeschnitten, der Fisch gespalten und aufgeklappt, damit er schneller durchgart - der Text macht keine Angabe zur Richtung des Schnitts, praktisch bietet sich nach dem Aufschneiden des Bauchs aber kaum eine andere an. Innen und außen mit Salz bestreuen, dann auf den Rost über glühender Glut legen und durchbraten. Der Text sagt nichts dazu, ob der aufgeklappte Fisch dabei gewendet werden muss - hier hilft die eigene Erfahrung am Feuer, als grobe Richtschnur etwa 20 bis 30 Minuten pro Fisch. Weitere Würzung ist nicht vorgesehen, eine Sauce oder Bindung braucht dieses Gericht nicht.
Vermutlich kein Metallgitter, sondern frisch geschnittenes, grünes Hartholz (Hasel, Weide, Buche), das über reiner Glut liegt, nicht über offener Flamme - eine von mehreren Bauweisen, die für mittelalterliche Feuerroste diskutiert werden, denn auch eiserne Roste sind archäologisch gut belegt. Mehr zu den verschiedenen Thesen auf der Grundlagen-Seite im Abschnitt 'Der hölzerne Rost'.
Die Schuppenhaut wirkt beim direkten Braten über der Glut wie eine natürliche Schutzschicht und verhindert, dass das zarte Fleisch austrocknet.
Ja, sehr gut. Frischer Fisch, Salz, ein Rost über der Glut, in etwa 20 bis 30 Minuten pro Fisch fertig - ideal für eine Feuerküchen-Vorführung am Marktvormittag.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Äsche (Thymallus thymallus), ein Salmonide aus klaren, sauerstoffreichen Flüssen. Wird hier stellvertretend für mehrere ähnlich zubereitete Süßwasserfische genannt.
‚Schuppe ihn nicht' - die Schuppen bleiben beim Braten dran, sie schützen das Fleisch vor dem Austrocknen über der Glut.
Vermutlich ein hölzerner Rost aus grünem Hartholz, der über der Glut liegt - eine von mehreren für mittelalterliche Feuerroste diskutierten Bauweisen, denn auch eiserne Roste sind archäologisch belegt. Details zu den verschiedenen Thesen auf der Grundlagen-Seite.
Von CoReMA als ungeklärt vermerkt. Plausibelste Lesart ist ‚Alande' bzw. ‚Alet' (Leuciscus idus), ein Weißfisch derselben Gewässer wie Forelle und Brachsen.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
schupp
Gewählte Lesart: Verb ‚schuppen' in der Negation: ‚schupp In nicht' = ‚schuppe ihn nicht'. Grammatisch verlangt der Satz ein Verb, kein Substantiv.
Andere mögliche Lesart:
Allannde
Gewählte Lesart: Alande / Alet (Leuciscus idus), ein Weißfisch derselben Flusszonen wie Forelle und Brachsen.
Andere mögliche Lesart:
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