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Ganzer Fisch vom Rost: Äsche & Co

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit35 Min.Portionen4 Personen (je 1 ganzer Fisch)BuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Nimm eine Äsche und brate sie folgendermaßen: Schuppe sie nicht. Schneide ihr den Bauch auf und spalte sie auf. Bestreue sie innen und außen mit Salz. Lege sie auf einen Rost und lass sie gut durchbraten.

Genauso brate auch Forelle, Alande und Brachsen.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
ain Aschen Äsche 1 Fischhändler, Angelvereine (Süßwasserfisch, im Handel selten, teils reguliert) Forelle oder Saibling
salcz Salz - - -
vorchen Forelle - - -
Allannde Alande - Fischhändler, Angelvereine (Weißfisch, im Handel selten) Karpfen oder Rotauge
praechsen Brachsen - Fischhändler, Wochenmarkt Karpfen

Welches Gericht ist das? Ein ganzer Süßwasserfisch - Äsche, oder ebenso Forelle, Alande und Brachsen - wird ungeschuppt aufgeschnitten, innen und außen gesalzen und auf einem Rost über der Glut durchgebraten: die unmittelbare Vorstufe der „Forelle vom Rost", wie sie bis heute an Seen, Flussufern und auf Fischerfesten verkauft wird.

Warum bleiben die Schuppen dran? „schupp In nicht" heißt wörtlich „schuppe ihn nicht" - die Schuppenhaut bleibt bewusst dran. Sie schützt das Fleisch beim ungeschützten Direktgaren über der Glut vor dem Austrocknen, ganz ähnlich wie beim modernen Grillen „in der Haut". Der Befund ist über mehrere Rezepte desselben Buchs hinweg konsistent (schupp als Imperativ von „schuppen" auch in mha-056, mha-151, mha-152, mha-217) und stützt diese Lesart zusätzlich zur grammatischen Notwendigkeit.

Praxis. Der Bauch wird aufgeschnitten, der Fisch gespalten und aufgeklappt, damit er schneller durchgart - der Text macht keine Angabe zur Richtung des Schnitts, praktisch bietet sich nach dem Aufschneiden des Bauchs aber kaum eine andere an. Innen und außen mit Salz bestreuen, dann auf den Rost über glühender Glut legen und durchbraten. Der Text sagt nichts dazu, ob der aufgeklappte Fisch dabei gewendet werden muss - hier hilft die eigene Erfahrung am Feuer, als grobe Richtschnur etwa 20 bis 30 Minuten pro Fisch. Weitere Würzung ist nicht vorgesehen, eine Sauce oder Bindung braucht dieses Gericht nicht.

Was ist der 'hölzerne Rost', auf dem der Fisch gebraten wird?

Vermutlich kein Metallgitter, sondern frisch geschnittenes, grünes Hartholz (Hasel, Weide, Buche), das über reiner Glut liegt, nicht über offener Flamme - eine von mehreren Bauweisen, die für mittelalterliche Feuerroste diskutiert werden, denn auch eiserne Roste sind archäologisch gut belegt. Mehr zu den verschiedenen Thesen auf der Grundlagen-Seite im Abschnitt 'Der hölzerne Rost'.

Warum werden die Fische nicht geschuppt?

Die Schuppenhaut wirkt beim direkten Braten über der Glut wie eine natürliche Schutzschicht und verhindert, dass das zarte Fleisch austrocknet.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, sehr gut. Frischer Fisch, Salz, ein Rost über der Glut, in etwa 20 bis 30 Minuten pro Fisch fertig - ideal für eine Feuerküchen-Vorführung am Marktvormittag.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Aesch zw Item Nym ain Aschen praten also vnd prat In vnd schupp In nicht Schneid Im den pauch auf vnd spalt In vnd sprenng den Innen vnd aussen mit salcz leg In auf ainen rost vnd lass In wol praten Desgleichen prat die vorchen Allannde vnd praechsen .
Aesch / Aschen

Äsche (Thymallus thymallus), ein Salmonide aus klaren, sauerstoffreichen Flüssen. Wird hier stellvertretend für mehrere ähnlich zubereitete Süßwasserfische genannt.

schupp In nicht

‚Schuppe ihn nicht' - die Schuppen bleiben beim Braten dran, sie schützen das Fleisch vor dem Austrocknen über der Glut.

rost

Vermutlich ein hölzerner Rost aus grünem Hartholz, der über der Glut liegt - eine von mehreren für mittelalterliche Feuerroste diskutierten Bauweisen, denn auch eiserne Roste sind archäologisch belegt. Details zu den verschiedenen Thesen auf der Grundlagen-Seite.

Allannde

Von CoReMA als ungeklärt vermerkt. Plausibelste Lesart ist ‚Alande' bzw. ‚Alet' (Leuciscus idus), ein Weißfisch derselben Gewässer wie Forelle und Brachsen.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 056r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartschupp

Gewählte Lesart: Verb ‚schuppen' in der Negation: ‚schupp In nicht' = ‚schuppe ihn nicht'. Grammatisch verlangt der Satz ein Verb, kein Substantiv.

Andere mögliche Lesart:

  • CoReMA glossiert ‚schuepp' als Substantiv ‚Fischschuppe'. - Die Sachglosse benennt nur das Lexem, nicht die grammatische Funktion im Satz - im Kontext von ‚In nicht' ergibt nur die Verb-Lesart Sinn.

LesartAllannde

Gewählte Lesart: Alande / Alet (Leuciscus idus), ein Weißfisch derselben Flusszonen wie Forelle und Brachsen.

Andere mögliche Lesart:

  • CoReMA markiert die Stelle als vollständig ungeklärt (Wikidata Q0). - Kein eindeutiger Wörterbuchbeleg vorhanden, nur ein Näherungstreffer bei Benecke unter ‚alande'. Die Fisch-Lesart bleibt aber am plausibelsten, da der Satz eine reine Aufzählung von Speisefischen ist.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 056r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Frischer Süßwasserfisch, direkt auf dem Rost gebraten, ganz ohne Sauce oder Würzmischung außer Salz - in 20-30 Minuten pro Fisch fertig. Ein selbst gebauter hölzerner Rost aus grünem Hartholz über der Glut macht das Ganze zu einer schönen Feuerküchen-Vorführung.
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