Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Nimm Mandelmilch und weißen Fisch. Siede den Fisch sofort auf, bis sich das Fleisch von der Gräte löst. Entferne die Gräten und hacke das Brät, also das Fischfleisch, vom Fisch klein.
Gib das gehackte Fischfleisch in die Mandelmilch und rühre daraus das Mus zusammen. Hast du vom Fischbrät nicht genug, nimm gestoßenen Reis mit Zucker, um das Mus zu strecken.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| mandel milich | Mandelmilch | - | - | - |
| weiss visch | Weißer Fisch | - | Fischhändler | Kabeljau, Seelachs oder Zander |
| gestossnen reis | Gestoßener Reis (optional) | - | - | Fertiges Reismehl aus dem Bio-Supermarkt |
| zucker | Zucker | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein Fisch-Blancmanger für die Fastenzeit: fein gehacktes weißes Fischfleisch wird in Mandelmilch zu einem Mus verrührt. Das ist keine lokale Einzelerscheinung, sondern die Fastenvariante der europaweit belegten Blancmanger-Familie (frz. blanc mangier, ital. biancomangiare, engl. blank maunger) - ein Zwilling in einem italienischen Rezeptbuch (ant-048) führt exakt dieselbe Substitution unter dem Titel „Altramente di Quaresima“ mit Hecht-, Frosch- oder Weißfischfleisch statt der sonst üblichen Hühnerbrust. Der Name Blancmange lebt bis heute fort, allerdings fast nur noch als süßer Mandelmilch-Pudding - der herzhafte Fisch-Zweig der Familie ist unter diesem Namen nicht überliefert.
Die Stelle „loß In den grat hach das geprat“ bleibt syntaktisch holprig und lässt sich nicht restlos auflösen; wir lesen sie als „entferne die Gräten, hacke das Brät“, eine Textlücke oder ein Abschreibfehler im Manuskript ist nicht auszuschließen.
Praxis. Den Fisch in der Mandelmilch kurz aufsieden, bis sich das Fleisch von der Gräte löst, dann entgräten und feinhacken. Das gehackte Fischfleisch anschließend in die Mandelmilch einrühren, bis ein Mus entsteht - der Text nennt für diesen Schritt keine weitere Hitzezufuhr; in der Praxis bindet die Masse zuverlässiger, wenn Fisch und Mandelmilch beim Verrühren noch warm sind. Reicht das Fischfleisch nicht aus, wird mit gestoßenem Reis (ersatzweise Reismehl) und Zucker gestreckt - ein gängiger Trick, um teures Fischfleisch sparsam einzusetzen.
Ja, gut machbar. Der Fisch wird kurz gegart, entgrätet und gehackt, dann mit Mandelmilch zum Mus verarbeitet. Frischer Fisch sollte morgens am Markttag besorgt und bis zur Zubereitung kühl gehalten werden, ansonsten reicht einfaches Feuertopf-Equipment.
Geprat ist das Brät, also fein gehacktes, rohes Fischfleisch. Das Wort hat nichts mit 'braten' oder 'gebraten' zu tun, sondern bezeichnet die zerkleinerte Fleischmasse selbst.
Reicht das gehackte Fischfleisch nicht aus, um dem Mus genug Substanz zu geben, wird mit gestoßenem Reis und Zucker gestreckt. Das war ein gängiger Trick, um teures Fischfleisch sparsam einzusetzen und trotzdem eine sämige Konsistenz zu erreichen.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Das Brät, also das rohe, fein zerkleinerte Fischfleisch. NICHT 'gebraten' im Sinne von in der Pfanne gebraten, eine klassische mhd. Verwechslungsgefahr.
Bedeutet hier 'sofort, gleich an Ort und Stelle', nicht wörtlich 'an den Platz'.
Hier eindeutig 'Mus' im Sinne von Brei/Püree, da keine Eier, kein Mehl und kein Schmalz genannt werden, die auf eine gebackene Eierspeise hindeuten würden.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
loß In den grat
Gewählte Lesart: Übersetzt als 'entferne die Gräten' bzw. 'lass die Gräten heraus' - im Sinne von Aussortieren der Fischknochen vor dem Weiterverarbeiten.
Andere mögliche Lesart:
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