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Weiße Mandel-Brot-Sauce

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionen4-6 Personen (als Beilagensauce)BuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Nimm ein wenig Mandeln und Brotkrumen und mische sie miteinander. Stoße sie klein und treibe sie mit Essig durch ein feines Suppensieb. Wäre der Essig zu stark, gib etwas Wein darunter.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
mandel Mandeln - - Fertig gemahlene Mandeln aus dem Supermarkt ersparen das Mörsern.
brosembrot Brotkrumen - - -
essich Essig - - -
wein Wein (optional) - - -

Welches Gericht ist das? Eine weiße, mit Essig geschärfte Mandel-Brot-Paste, durch ein feines Sieb getrieben - die farblose Schwester der seltz-Familie in diesem Buch, die sonst mit Frucht arbeitet (die dunkle Kirschsauce kersseltz, das Weichselmus). Kochtechnisch die frühneuhochdeutsche Verwandte der bekannten mittelalterlichen weißen Sauce: Mandeln und Brot als Bindung, Essig zum Schärfen, kalt aufgetragen.

Der Text nennt vor dem Sieben keine Einweichflüssigkeit für das Brot - ohne Vorquellen dürfte die Masse zäh sein und sich nur mit Kraft durchs Sieb treiben lassen. Der Text selbst löst das nicht auf, und diese Übersetzung ergänzt auch keinen Einweichschritt, den der Wortlaut nicht hergibt.

Praxis. Mandeln und Brotkrumen im Mörser oder mit der Küchenmaschine fein zerstoßen und mischen. Die Masse mit Essig durch ein feines Sieb (ersatzweise ein Tuch) streichen, bis eine glatte, dickliche Sauce entsteht - der Essig liefert dabei zugleich die Flüssigkeit zum Durchtreiben, nicht nur die Säure. Ist der Essig scharf genug, um die fertige Sauce zu dominieren, etwas Wein untermischen. Ganz ohne Feuer in rund 20 Minuten fertig, kalt zu Fleisch oder Fisch gereicht.

Was bedeutet 'seltz' in diesem Rezepttitel?

'Seltz' meint hier eine dicke, kalt gereichte Würzsauce, keine feste Gallerte. Ein Geliermittel wird im Text nicht genannt, deshalb bleibt die Sauce streichfähig statt fest - vergleichbar mit einer angedickten Vinaigrette.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, Goldstandard. Mandeln, Brot, Essig und Wein sind robust, brauchen keine Kühlung, und die Sauce ist in 20 Minuten mit Mörser oder Küchenmaschine und einem feinen Sieb fertig.

Was ist ein 'Suppenseichlin'?

Ein kleines feines Sieb (oder Seihtuch), wie es zum Durchseihen von Suppen und Saucen benutzt wurde. Ein heutiges feines Küchensieb erfüllt denselben Zweck.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Ain weisse seltz Nempt ain wenig mandel vnnd brosembrot vnnderainander vnnd stosts klain vnnd treib dúrch ain súpenseichlin mit ainem essich, war er zú starck were, nim ain wein darunder.
seltz

Hier eine dicke, kalt servierte Würzsauce, keine feste Gallerte - im selben Buch findet sich auch 'kersseltz', die dunkle Kirschsauce, und das Weichselmus, das sein Sieden ausdrücklich mit dem Seltz-Sieden vergleicht.

brosembrot

Zerkrümeltes Brot, das hier als Bindemittel dient - mittelalterliche Saucen wurden mit Brot, nicht mit Mehl gebunden.

súpenseichlin

Ein feines Sieb oder Seihtuch, durch das die Mandel-Brot-Masse gestrichen wird, damit die Sauce glatt wird.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 45 verso
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

mandelalmond Q184357
essichvinegar Q41354
weinwine Q282

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsúpenseichlin

Gewählte Lesart: ein kleines, feines Sieb zum Durchseihen von Suppen/Saucen (Suppensieb).

Andere mögliche Lesart:

  • Ein Seihtuch statt eines festen Siebs. - Das Verb 'treiben durch' passt auch zu einem Tuch, durch das eine Paste gedrückt wird - beide Geräte dienten demselben Zweck des Feinseihens.

Lesartwar er zú starck were

Gewählte Lesart: Bezieht sich vermutlich auf den zuvor genannten Essig ('er' ist maskulin, wie 'essich' - im Buch an anderer Stelle grammatisch konsistent belegt): Wäre der Essig zu stark/scharf, mildert der Wein ihn ab.

Andere mögliche Lesart:

  • Bezug auf die fertige Sauce ('seltz') als Ganzes. - 'Seltz' wäre grammatisch feminin, was gegen diese Lesart spricht - fnhd. Pronomengebrauch ist aber gelegentlich lockerer, sodass ein Bezug auf das Gesamtergebnis nicht sicher auszuschließen ist. Praktisch ändert sich die Handlungsanweisung (etwas Wein zugeben) in beiden Lesarten nicht.

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 45 verso, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Mit dem Mörser oder fertig gemahlenen Mandeln, Brot und Essig in 20 Minuten fertig - keine Kühlung nötig, alle Zutaten sind trocken oder lagerstabil.
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Stand dieser Fassung: 01.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.