Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Die Krammetsvögel ebenso zubereiten, lasse sie nur eine Stunde backen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
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| Kramat voͤgel | Krammetsvögel | - | ⚠ Nicht erhältlich, da streng geschützt (FFH-Richtlinie Anhang II, Bundesnaturschutzgesetz). Dient nur der historischen Dokumentation. | Wachteln oder kleine Tauben aus Zucht |
Welches Gericht ist das? Ein kurz gegarter kleiner Wildvogel - der Krammetsvogel (Wacholderdrossel) war im 16. Jahrhundert eine geschätzte Delikatesse und ist heute streng geschützt. Der Text beschreibt keinen eigenen Kochschritt, sondern verweist mit ‚auch also' knapp auf das unmittelbar vorangehende Reiher-Rezept und nennt nur eine eigene, feste Garzeit von einer Stunde. Als Nachkoch-Ersatz eignen sich Wachteln oder kleine Zuchttauben.
Braten oder Backen? Das vorangehende Reiher-Rezept schreibt ausdrücklich ‚bratenn' vor - Garzeit je nach Alter des Vogels, am offenen Feuer oder Spieß. Für die Krammetsvögel steht im Text dagegen ‚bache'. Im ganzen Kapitel (etwa bei den Pasteten-Rezepten) bezeichnet ‚bachen' durchgehend das Garen im Ofen, während die Feuer-Röst-Technik jeweils ausdrücklich als ‚braten' benannt wird. Die kleinen Drosseln wurden demnach nicht am Spieß gebraten, sondern gemeinsam im Ofen gegart - schonender und für mehrere kleine Vögel gleichzeitig praktikabler als einzelnes Spießbraten.
Praxis. Mehrere Krammetsvögel (ersatzweise Wachteln) gemeinsam in einer flachen Schüssel oder Pfanne mit etwas Fett oder Speck bei mäßiger Ofenhitze (ca. 180-200 °C) etwa eine Stunde garen, dann Garprobe machen. Ofentemperatur und Anzahl der gleichzeitig gegarten Vögel nennt der Text nicht; dazu ist eine denkbare historische Alternative als eigener Deutungspunkt festgehalten (siehe unten).
Krammetsvögel (Wacholderdrosseln) sind in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen weder gejagt noch gehandelt werden. Ein Nachkochen mit der Originalzutat ist illegal und ethisch nicht vertretbar. Als Ersatz könnten Wachteln oder kleine Tauben aus Zucht verwendet werden, um die Größe und Textur zu imitieren.
Nein. Dieses Rezept ist aufgrund des strengen Artenschutzes für Krammetsvögel (Wacholderdrosseln) nicht für die Lagerküche geeignet. Es dient ausschließlich der historischen Dokumentation.
Die Anweisung ‚auch also' ist eine im Druck häufige Verweisformel: die Zubereitung soll wie beim unmittelbar vorangehenden Rezept erfolgen - hier dem Reiher-Rezept. Was das im Einzelnen umfasste, beschreibt das Buch an dieser Stelle nicht ausdrücklich. Bei der eigentlichen Garmethode weicht das Rezept sogar ab: statt zu braten wie beim Reiher, werden die Krammetsvögel eine Stunde im Ofen gebacken (‚bache').
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
Die Krammetsvögel (auch Wacholderdrosseln genannt) waren im Mittelalter und der frühen Neuzeit beliebte Jagdvögel. Sie sind heute in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen nicht gejagt oder gehandelt werden.
Die Formulierung ‚auch also' ist in diesem Druck die übliche knappe Verweisformel auf die unmittelbar vorangehende Anweisung - hier auf das Reiher-Rezept (‚laß nur bratenn / darnach er alt ist'). Das Buch selbst führt an dieser Stelle kein eigenes Rupfen oder Ausnehmen aus; was im Einzelnen übernommen wird, bleibt daher offen. Bei der eigentlichen Gartechnik weicht das Rezept sogar ab: statt des Reiher-‚bratenn' steht hier ‚bache' - im ganzen Kapitel das Wort für Ofenbacken, nicht für Spießbraten.
Hier im Sinne von ‚backen' (im Ofen), wie durchgängig in diesem Kapitel für Pasteten und andere Fleischgerichte - nicht im Sinne von Spießbraten. Die Nachbarrezepte für Taube und Reiher verwenden für die Feuer-Röst-Technik ausdrücklich das andere Wort ‚braten'.
OCR-Lesefehler des Kraken-Transkripts fuer „Kramat" (K/R-Verwechslung in der Fraktur-Type). Die Titelzeile desselben Rezepts schreibt „Kramat voͤgeln" korrekt mit K, ebenso das Nachbarrezept std-146 in seiner Annotation („Von Kramat vögeln"); text_modern uebersetzt bereits „Krammetsvoegel". „Rramat" ist kein Wort.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Kramat voͤgeln
Gewählte Lesart: Übersetzt als Krammetsvögel (Wacholderdrosseln), eine im 16. Jahrhundert häufig gejagte Vogelart.
Andere mögliche Lesart:
Ofenhitze und Anzahl der Vögel beim Backen
Gewählte Lesart: Mäßig heißer Ofen (ca. 180-200 °C), mehrere Vögel gemeinsam in einer flachen Schüssel oder Pfanne mit Fett gegart, nach etwa einer Stunde Garprobe.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 04.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.