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Weißes Erbsenmus

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.3/10
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Bereite Erbsenmus aus weißen, passierten Erbsen zu. Achte darauf, dass keine roten Erbsen beigemischt werden und keine anderen Zutaten hinzugefügt werden. Du kannst es gut mit Honig süßen.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
wissen durch gezognen aerbisen Weiße Erbsen, passiert - Supermarkt -
hong Honig - - -

Welches Gericht ist das? Ein passiertes, glattes Mus aus weißen Erbsen - der Vorläufer des heutigen Erbsenpürees bzw. des britischen Pease Pudding, die ebenfalls auf durchpassierten getrockneten Erbsen beruhen. Ka1-043 ist nahezu wortidentisch mit dem Rezept „Weißes Erbsenmus“ (m384-056) aus der Schwester-Handschrift Cgm 384 und folgt damit einer im Korpus verbreiteten Standardzubereitung.

Weiße statt rote Erbsen. Das Rezept verlangt ausdrücklich helle, weiße Erbsen und schließt eine Beimischung roter Erbsen aus. Dahinter steht vermutlich eine reale Sortenunterscheidung: neben der hellen Speiseerbse gab es die gröbere, dunkel-rotbraune Feld- oder Grauerbse, die zum Strecken einfacher Speisen diente. Der Ausschluss sichert die feine, helle Konsistenz des Mus.

Passieren. „Durch gezogen“ meint das Passieren der gegarten Erbsen durch ein Tuch oder Sieb - dabei werden Schalen und Keime entfernt, es entsteht die glatte Mus-Konsistenz. Ein eigener Kochschritt wird im Text nicht genannt, ist aber vorausgesetzt: Ohne vorheriges Weichkochen ließen sich die Erbsen nicht passieren.

Praxis. Getrocknete, geschälte weiße Erbsen weichkochen, bis sie zerfallen, anschließend durch ein Sieb oder Tuch streichen. Keine weiteren Zutaten zufügen - nach Wunsch mit Honig süßen. Für die Lagerküche gut vorbereitbar: das Mus lässt sich zuhause passieren und am Markttag nur erwärmen.

Was sind 'aerbis' und 'rotten aerbisen'?

'Aerbis' sind Erbsen, ein häufiges Grundnahrungsmittel im Mittelalter, oft getrocknet verwendet. 'Rotten aerbisen' (rote Erbsen) bezeichnet vermutlich die Feld- oder Grauerbse, eine gröbere, dunklere Sorte, die hier explizit ausgeschlossen wird, um die helle Farbe des Erbsenmus zu erhalten.

Gibt es 'weiße Erbsen' wirklich, oder ist das nur eine Umschreibung für 'gute'?

Es ist eine echte, wenn auch relative Farbangabe, keine reine Qualitätsfloskel: 'Weiß' meint hier die deutlich hellere der zwei damals bekannten Erbsensorten im Vergleich zur dunkel-rotbraunen Feld-/Grauerbse - nicht Schneeweiß, denn eine rein weiße Speiseerbse gab es nie. Heutige gelbe Schälerbsen (die man für Erbsensuppe kauft) treffen farblich vermutlich am ehesten, was hier 'weiß' genannt wird - moderne grüne (Schäl-)Erbsen sind eine andere, spätere Zucht und keine direkte Entsprechung.

Was bedeutet 'durch gezognen'?

Der Ausdruck 'durch gezognen' bedeutet, dass die Erbsen nach dem Kochen passiert oder durch ein Sieb gestrichen werden sollen. Dies sorgt für eine feine, glatte Mus-Konsistenz, frei von Schalen oder groben Stücken.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Erbsenmus gilt als Goldstandard für die Lagerküche: nur zwei gut lagerbare Zutaten (Erbsen, Honig) ohne Kühlbedarf. In der Praxis lässt sich das Mus in einem Topf am Feuer zubereiten, wobei Garen und Passieren erfahrungsgemäß rund 45 Minuten dauern; zum Passieren genügt ein einfaches Sieb oder Tuch.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee)). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

Muoß von aerbis Aerbis muoß mach von wissen durch gezognen aerbisen alle merung von rotten aerbisen durch gezogen an andri ding wol machtu es mit hong susß machen etc.
Muoß

Ein Mus oder Brei, hier aus Erbsen.

aerbis / aerbisen

Erbsen. Im Mittelalter waren getrocknete Erbsen ein Grundnahrungsmittel.

wissen aerbisen

Weiße Erbsen - gemeint sind geschälte, helle Erbsen. „Weiß“ ist hier eine relative Farbangabe im Vergleich zur dunkel-rotbraunen Feld-/Grauerbse, kein reines Schneeweiß - ein reinweißes Erbsenkorn gab es nie. Heutige gelbe Schälerbsen (die klassische Zutat für Erbsensuppe) sind farblich vermutlich die nächste lebende Entsprechung dieser hellen Sorte.

durch gezognen

Wörtlich 'durchgezogen', bedeutet hier 'passiert' oder 'durch ein Sieb gestrichen', um eine feine, glatte Konsistenz zu erhalten.

merung

Beimischung oder Zugabe. Das Rezept betont, dass keine anderen Erbsensorten oder Zutaten beigemischt werden sollen.

rotten aerbisen

Rote Erbsen - vermutlich die Feld- oder Grauerbse (Pisum sativum subsp. arvense), eine gröbere, dunkel-rotbraune Sorte, die zum Strecken einfacher Speisen diente. Die Schwester-Handschrift Cgm 384 (m384-056) hat an derselben Stelle „roten earwisz“ - „rotten“ ist damit eindeutig die alemannische Form von „rot“, nicht verwandt mit nhd. „verrottet“. Das Rezept schließt sie explizit aus, um die helle Farbe des Mus zu gewährleisten.

an andri ding

„An“ steht hier für „ane“ (= ohne): „ohne andere Dinge“, also ohne weitere Zutaten.

susß machen

Süßen. Honig war im Mittelalter ein gängiges Süßungsmittel. Die Kombination von herzhaften Speisen mit Süße war typisch für die mittelalterliche Küche.

etc.

Eine übliche Abkürzung in mittelalterlichen Rezepten, die andeutet, dass weitere Zutaten oder Variationen möglich sind, die dem Koch bekannt sein sollten.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 113v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartalle merung von rotten aerbisen

Gewählte Lesart: Übersetzt als Ausschluss („keine roten Erbsen beigemischt“), gestützt durch die Schwester-Handschrift m384-056, die an derselben Stelle die vollständige Formel „one alle merung von roten earwisz“ (= „ohne jede Beimischung roter Erbsen“) hat, sowie durch die Kohärenz des Satzes (das Rezept beginnt mit weißen Erbsen, ein Zusatz roter Erbsen wäre widersinnig).

Andere mögliche Lesart:

  • Im ka1-Transkript selbst fehlt unmittelbar vor „alle merung“ die Negationspartikel („one“/„an“), anders als in m384-056. - Ohne Faksimile (kein Scan vorhanden) lässt sich nicht abschließend klären, ob die Negation im Original elliptisch ausgelassen oder beim Transkribieren übergangen wurde. Die Lesart als Ausschluss bleibt aber durch die Parallelstelle und die Satzlogik eindeutig gestützt.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 113v, Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125 ("Sermones", [Reichenau], 15. Jh.), Rezeptteil fol. 108r-120r - Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Im Topf am Feuer in etwa 45 Minuten fertig. Robuste Zutaten ohne Kühlbedarf, ideal für die Lagerküche.
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