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Einfache Fischsülze

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

FischHauptspeise · FischLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionen4-6 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Für eine Fischsülze nimm Wein, Wasser und Essig zu gleichen Teilen. Siede den Fisch darin und würze und färbe es gut. Lege den Fisch dann in ein Gefäß und gieße die Brühe darüber. Das wird gut.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
win Wein - - Weißwein
wasser Wasser - Leitung -
essich Essig - - Weißweinessig
visch Fisch - Fischhändler, Supermarkt Karpfen, Hecht oder anderer fester Fisch
bewurtz Gewürze - - Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat
farbs Färbemittel - - Safran (gelb), Sandelholz (rot), Petersiliensaft/Spinat (grün)

Welches Gericht ist das? Eine einfache Fischsülze: Fisch wird in einer gewürzten Wein-Wasser-Essig-Brühe gegart und anschließend mit dieser Brühe übergossen kalt gestellt, wobei die Flüssigkeit zu einer leichten Gallerte erstarrt. Die lebende Verwandtschaft ist die deutsche Sülzen-/Aspik-Tradition (Fisch in Aspik), die bis heute als kalte Vorspeise oder Buffet-Gericht verbreitet ist.

Sud und Garung. Wein, Wasser und Essig werden zu gleichen Teilen gemischt - ein essigbetonter, leicht saurer Sud, der das Fischfleisch strafft und zugleich konserviert. Darin wird der Fisch gegart, sodass er das Aroma des Suds annimmt.

Würzen und Färben. Das Rezept nennt weder konkrete Gewürze noch ein bestimmtes Färbemittel - "bewurtz vnd farbs wol" bleibt bewusst offen. Gewürze der Zeit wie Pfeffer, Ingwer, Nelken oder Muskat sind naheliegend; zum Färben eignet sich Safran für Gelb oder Petersiliensaft/Spinat für Grün.

Praxis. Den Fisch im Sud gar ziehen lassen, würzen und in ein Gefäß schichten, dann mit der Brühe übergießen und kaltstellen, bis die Flüssigkeit bindet. Das Gelieren selbst wird im Text nicht angesprochen, ergibt sich aber vermutlich aus dem körpereigenen Kollagen des Fisches (Haut/Gräten), ohne zugesetztes Geliermittel. Feste Fischarten wie Karpfen oder Hecht eignen sich am besten.

Was ist eine Sülze?

Eine Sülze ist ein Gericht, bei dem Fleisch oder Fisch in einer gewürzten Flüssigkeit gekocht und dann in dieser Flüssigkeit kalt gestellt wird, sodass sie geliert. Die Gelierung entsteht durch das natürliche Kollagen der Zutaten (insbesondere bei Fisch oder knochenreichen Fleischstücken) oder durch Zugabe von Geliermitteln.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein - Sülze benötigt eine konstante Kühlung, um fest zu werden und zu bleiben. Bei sommerlichen Markttemperaturen ist dies ohne zuverlässige Kühlkette nicht praktikabel, da die Gelatine schmelzen würde.

Welche Gewürze und Färbemittel soll ich verwenden?

Das Rezept lässt die Wahl offen. Typische Gewürze der Zeit wären Pfeffer, Ingwer, Nelken oder Muskat. Zum Färben könntest du Safran für Gelb oder Sandelholz für Rot verwenden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee)). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

Sultz Zuo Sultz vischen nim win wasser vnd essich glich vil vnd sud visch dar jn vnd bewurtz vnd farbs wol vnd leg die visch jn ain geschirr vnd gusß die brug dar vber daz wirt guott
farbs

Kurzform für 'färbe es'. Der Text nennt kein konkretes Färbemittel (Glossar: meist Safran, hier offen gelassen).

geschirr

Ein allgemeiner Begriff für ein Gefäß oder Geschirr.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartSultz Zuo Sultz vischen

Gewählte Lesart: 'Sülze von Fischen'. Titel und Incipit folgen dem in dieser Handschrift durchgängigen Muster 'Titelwort + Zuo [Dativ des Titelworts] nim/mach...' (vgl. z.B. 'Angeleiti hoener Zuo an geleiten huenern nem...') - keine rhetorische Wiederholung zur Betonung, sondern die korpusweite Rubrik-plus-Incipit-Formel.

Andere mögliche Lesart:

  • Zum Einlegen von Fischen - 'Sultz' kann auch das Verb 'sülzen' (einlegen) bedeuten. Der Titel des Wortlaut-Zwillings m5919-041 ('Ain sulcz von vischenn') bestätigt jedoch unabhängig die Nomen-Lesart als fertige Sülze.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Nein - Sülze benötigt eine konstante Kühlung, um fest zu werden und zu bleiben. Bei sommerlichen Markttemperaturen ist dies ohne zuverlässige Kühlkette nicht praktikabel, da die Gelatine schmelzen würde.
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