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Eier-Mus mit Schaumlöffel-Frittern

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793 · Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern · 1445

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 6/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchHaus- und Arzneibuch (Ka2) (~1445)

Für ein Mus bereite einen Teig mit drei Eiern zu.

Und gieße diesen Teig gemächlich durch einen Schaumlöffel in das gut erhitzte Schmalz, sodass es zu Erbsen gerät. Nimm es aus der Pfanne.

Und mache eine Eierbrühe. Lege die Frittern in die Eierbrühe und schmecke es ab.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
iij aiern Eier 3 - -
schmalcz Schmalz - - Pflanzenöl
aier prue Eier (für die Brühe) - - -
aier prue Brühe - - -
(implied) Gewürz - - -

Welches Gericht ist das? Ein dünner Eierteig wird tropfenweise durch einen gelöcherten Schaumlöffel in gut erhitztes Schmalz gegossen; die Tropfen stocken darin zu erbsengroßen Klümpchen, die anschließend in eine gebundene Eierbrühe gelegt werden. Die lebende Verwandtschaft ist unübersehbar: die bis heute gekochte österreichisch-bayerische Backerbsensuppe - kleine, aus dünnem Teig in heißem Fett geformte, erbsengroße Frittern als Brüheinlage. Form, Technik und Verwendung stimmen auffällig überein, auch wenn sich daraus keine durchgehend belegte Überlieferungslinie über die Jahrhunderte ableiten lässt.

Zur Teig-Frage. Der Text nennt für den Teig ausschließlich Eier, kein Mehl. Ein reiner, dünnflüssiger Eierteig neigt beim Träufeln durch den Schaumlöffel eher zu feinen Fäden als zu festen, erbsenförmigen Klümpchen; etwas Bindung (Mehl oder feines Brot) würde das Ergebnis erleichtern. Wir folgen dennoch der reinen Eierteig-Lesart als Primärlesart, weisen aber auf diese praktische Spannung hin.

Praxis. Drei Eier gut verquirlen. Das Schmalz in einer Pfanne gut erhitzen, ohne es rauchen zu lassen. Den Eierteig gemächlich durch einen Schaumlöffel hindurchgießen, sodass runde, erbsengroße Stücke entstehen, und diese darin fertig backen. Mit dem Schaumlöffel aus dem Fett heben. Parallel eine einfache Brühe mit verquirltem Ei binden, die Frittern hineinlegen und mit Gewürz und Salz abschmecken.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es ist schnell zubereitet (ca. 15-20 Minuten), benötigt nur grundlegendes Equipment wie eine Pfanne und einen Schaumlöffel und die Zutaten sind robust und benötigen keine besondere Kühlung.

Was ist ein 'Schaumlöffel' und wie verwende ich ihn hier?

Ein Schaumlöffel ist eine Kelle mit Löchern. In diesem Rezept wird er verwendet, um den Eierteig in kleinen Portionen in das heiße Schmalz zu gießen. Halte den Schaumlöffel über das heiße Fett und gieße den Teig langsam hindurch, sodass kleine, unregelmäßige Frittern entstehen.

Was bedeutet die Anweisung 'so geracz zu arbais'?

Die Formulierung beschreibt, dass der Teig beim Gießen durch den Schaumlöffel zu kleinen, runden Klümpchen stockt - daher der Vergleich mit 'Erbsen' (arbais). Es geht also um die Form der entstehenden Teigstücke, nicht um eine Zutat.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Haus- und Arzneibuch (Ka2) (15. Jh., Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern). CoReMA-Handschrift Ka2: Rezeptteil (fol. 27v-28v + 94r-98r, zwei getrennte Lagen) des "Haus- und Arzneibuch" genannten Sammelbandes, Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793 - 56 Rezepte, mittelbairisch (unteres Inntal/Mühldorf am Inn), ca. 1445-1470. Anders als das alemannische Ka1 (Reichenauer Kochbuch) aus derselben Bibliothek - Cross-Link-Potential zu den anderen mittelbairischen CoReMA-Büchern (ri15632/Rott am Inn, m5919/Regensburg).

Ein gmus zeuch einen taig mit iij aiern ab vnd gews den selben taig durch einen schawmloffel der In schmalcz wol gehiczt sey gemachssam so geracz ? zu arbais vnd zeuchs aus der pfann vnd mach ein aier prue vnd legs In dy aier prue vnd machs ab
gmus

Ein ‚Mus‘ bezeichnete im Mittelalter eine breiige Speise, oft aus zerstoßenen Zutaten. Hier ist es ein Gericht aus kleinen Frittern.

schawmloffel

Ein Schaumlöffel ist eine Kelle mit Löchern, die zum Abschöpfen von Schaum oder zum Herausheben von Gargut aus Flüssigkeiten verwendet wird. Hier dient er als Formgeber für die Frittern.

schmalcz

Tierisches Fett, meist von Schwein oder Gans, das zum Braten und Kochen verwendet wurde. In der Fastenzeit wurde es durch Pflanzenöl ersetzt.

aier prue

Eine Brühe, die mit Eiern verfeinert oder gebunden wird. Die Basis variiert im Korpus stark (etwa Fischschuppen-, Schweinsfüße- oder Hausenblasenbrühe); für dieses Rezept nennt der Text die genaue Grundlage nicht.

arbais

Erbsen; hier als reiner Vergleich für die runde, kleine Form der Frittern gebraucht, nicht als Zutat. Das Gericht hat eine auffällige lebende Verwandte: die bis heute gekochte österreichisch-bayerische Backerbsensuppe mit kleinen, in heißem Fett geformten Fritterstückchen als Brüheinlage.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793
Folio
Fol. 097v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, unteres Inntal/Mühldorf am Inn, ca. 1445-1470)
Entstehung
Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern, 1445

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesarttaig mit iij aiern

Gewählte Lesart: Wir übersetzen 'Teig mit drei Eiern' als einen einfachen Eierteig oder eine Eierbatter, die hauptsächlich aus Eiern besteht, da kein Mehl explizit genannt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein Teig aus Mehl und Eiern. - Obwohl 'Teig' oft Mehl impliziert, wird es hier nicht explizit erwähnt. Für eine flüssige Konsistenz, die durch einen Schaumlöffel gegossen werden kann, wäre ein reiner Eierteig oder eine sehr dünne Mehl-Ei-Mischung nötig. Ohne Mehlangabe ist die einfachere Eierbatter die direktere Lesart.

Originalwerk (~1445) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 097v, Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Donaueschingen 793 ("Haus- und Arzneibuch", unteres Inntal/Mühldorf, 1445-1470), Rezeptteil fol. 27v-28v + 94r-98r - Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka2 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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