Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Die Leber des Wildschweins ebenso zubereiten wie zuvor beschrieben.
Gute Brühe dazugeben und auftragen.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| wilden Sweins leber | Wildschweinleber | - | Jäger, Wildhändler | Ersatzweise Schweineleber vom Metzger, wenn keine Wildschweinleber erhältlich ist |
| guot prue | Gute Brühe | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein reiner Verweis-Eintrag: "Des wilden Sweins leber thue auch also" (mach es mit der Wildschweinleber ebenso) nennt keine eigene Garmethode, sondern verweist auf eine zuvor beschriebene Zubereitung. Im Basler Kochbuch steht unmittelbar davor ein weiteres Leber-Rezept (Rinderleber, am Spieß gebraten, mehrfach gewaschen und in einer Essig-Gewürz-Sauce serviert) - ein naheliegender, aber nicht durch die Edition bestätigter Kandidat für den Verweis (siehe interpretive_choices). Ein eindeutiger moderner Nachfahre lässt sich daher nicht benennen; am ehesten vergleichbar mit der allgemeinen Praxis, gegartes Innereienfleisch mit kräftigem Sud aufzutragen.
Praxis. Sicher belegt ist nur der letzte Schritt: gute Brühe dazugeben und auftragen - das dient dem Feuchthalten und der Aromatisierung der bereits zubereiteten Leber unmittelbar vor dem Servieren, ist also ein Anrichte-, kein Garschritt. Für die Garmethode selbst, die im Text nicht ausgeschrieben ist: Leber vollständig durchgaren (Anbraten und/oder Sieden bis durchgegart), keinesfalls roh oder halbgar servieren - bei Innereien sicherheitshalber immer vollständig garen.
Ja, genau das ist der Fall. Mittelalterliche Kochbücher sparen sich oft eine Wiederholung, wenn ein Rezept ähnlich zubereitet wird wie ein vorheriges. Der Schreiber verweist mit 'thue auch also' auf eine bereits beschriebene Methode, die im vorliegenden Auszug fehlt. Welches Rezept genau gemeint ist, lässt sich nicht sicher sagen - im Basler Kochbuch steht aber unmittelbar davor ein weiteres Leber-Rezept (Rinderleber, am Spieß gebraten, mehrfach gewaschen und in einer Essig-Gewürz-Sauce serviert), ein naheliegender, wenn auch nicht bestätigter Kandidat für den Verweis.
Wildschweinleber ist beim Jäger oder spezialisierten Wildhändler erhältlich, seltener im gut sortierten Metzgereien mit Wildangebot. Als Ersatz eignet sich Schweineleber vom Metzger, die geschmacklich milder, aber ähnlich in der Zubereitung ist.
Bedingt: die eigentliche Garmethode der Leber ist durch den Verweis-Charakter des Rezepts nicht sicher bekannt und könnte, je nachdem welche Zubereitung gemeint ist, auch mehrstufig und zeitaufwendig sein. Sicher belegt ist nur der letzte Schritt - gute Brühe dazugeben und servieren. Wildschweinleber als Innerei sollte frisch oder gut gekühlt mitgebracht werden. Der Engpass ist die Beschaffung der Leber, nicht die Zubereitung am Feuer.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Standardformel in mittelalterlichen Kochbüchern: verweist auf eine vorher beschriebene Zubereitungsart, die hier nicht wiederholt wird. Das Rezept setzt voraus, dass der Leser den vorangegangenen Eintrag kennt.
Brühe, Fond (mhd. brüeje). CoReMA verlinkt die Stelle mit dem Sachbegriff 'stock' (Wikidata Q3075310).
Die Verweisformel wird im Transkript zweimal hintereinander notiert: 'Des wilden Sweins leber thue auch also Item des wilden Sweins leber thue auch also...'. Das ist keine Verschreibung, sondern die reguläre Rubrik-und-Incipit-Konvention dieser Handschrift - Titelzeile am Ende einer Seite, Wiederaufnahme als Rezepteinstieg auf der Folgeseite (bestätigt durch die CoReMA-Glossen-Quelle, die an derselben Stelle einen Foliowechsel-Marker notiert).
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
thue auch also
Gewählte Lesart: Verweis-Formel: 'mach es ebenso [wie zuvor beschrieben]' - die eigentliche Zubereitungsart wird nicht wiederholt, sondern als bekannt vorausgesetzt.
Andere mögliche Lesart:
thue auch also (Referenz-Ziel)
Gewählte Lesart: Unklar/nicht identifizierbar - weder die CoReMA-Glosse noch ein Editionskommentar nennen das konkrete Zielrezept, auf das verwiesen wird.
Andere mögliche Lesart:
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