Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Falsche Eier für die Fastenzeit: Aus der vorbereiteten Masse, die weiter vorne im Buch beschrieben ist und vermutlich eine feine Mandelpaste ist, kugelrunde Stücke formen.
Diese der Länge nach durchschneiden.
Die Stelle, an der bei einem echten Ei der Dotter läge, einfärben (zeitüblich meist mit Safran, im Original bleibt das Färbemittel aber ungenannt).
Die fertigen Fastenei-Hälften mit Petersilie bestreuen und mit Essig beträufeln.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| vorgeschriben materi | vorbereitete Masse (aus vorherigem Rezept) | - | - | Fein gemahlene Mandelpaste ohne Zucker (Marzipan-Rohmasse) als moderne Annäherung |
| peterlein | Petersilie | - | - | - |
| essich | Essig | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein Fasten-Täuschungsgericht: aus einer Mandel-Weißbrot-Paste geformte, halbierte „Eier“ mit gefärbter Dotterstelle, serviert mit Petersilie und Essig. Näher an heutigen Marzipan-Ostereiern oder veganen Ei-Attrappen als an einem echten Ei - eine essbare Illusion aus einer in der Fastenzeit erlaubten Masse, die aussieht wie das verbotene Original.
Woraus besteht die „vorgeschriebene Masse“? Das Rezept setzt eine bereits beschriebene Teigmasse voraus, ohne sie hier erneut aufzuzählen. Unmittelbar davor steht im Manuskript das Rezept für ein „Ayremschmalcz“ aus geschälten Mandeln und Weißbrot, im Mörser zu einer feinen Masse gestoßen - mit hoher Wahrscheinlichkeit der gemeinte Referent. Der Zwilling mon-147 bestätigt diese Zusammensetzung: dort werden Masseherstellung und Eierformen in einem einzigen Rezept vereint. Für den Nachkoch reicht ungesüßte Marzipan-Rohmasse aus dem Handel als moderne Annäherung.
Form, Schnitt und Farbe. Aus der Masse werden kugelrunde Stücke geformt und der Länge nach durchgeschnitten. Die Stelle, an der bei einem echten Ei der Dotter läge, wird eingefärbt - der Text nennt kein Färbemittel, zeitüblich wäre Safran für ein sattes Gelb.
Praxis. Kein Koch- oder Hitzeschritt ist in diesem Rezept selbst verlangt - die eigentliche Arbeit steckt in der vorbereiteten Grundmasse. Marzipan-Rohmasse zu kleinen, eiförmigen Stücken formen, längs halbieren, die Mitte mit etwas Safranwasser oder -pulver einfärben, mit gehackter Petersilie bestreuen und mit einem Spritzer Essig servieren. Als Schaugericht eignet sich das Rezept gut für die Lagerküche: die Masse lässt sich vorbereitet mitbringen und vor Publikum zu Eihälften formen, schneiden, einfärben und anrichten.
Der Text verweist auf eine an anderer Stelle im Kochbuch beschriebene Teigmasse, ohne sie hier erneut aufzuzählen - eine übliche Verweistechnik in mittelalterlichen Rezeptsammlungen. Unmittelbar vor diesem Rezept beschreibt das Manuskript ein „Ayremschmalcz“ aus geschälten Mandeln und Weißbrot, im Mörser zu einer feinen Masse gestoßen - mit hoher Wahrscheinlichkeit der gemeinte Referent, zumal der Zwilling mon-147 dieselbe Mandel-Weißbrot-Masse für ein fast identisches Rezept nennt. Für den Nachkoch reicht ungesüßte Marzipan-Rohmasse aus dem Supermarkt oder Reformhaus als moderne Annäherung.
Als Schaugericht sehr gut. Die Grundmasse lässt sich zu Hause oder am Vortag vorbereiten und mitbringen, am Marktstand wird sie dann vor Publikum zu Eihälften geformt, geschnitten, eingefärbt und mit Petersilie und Essig angerichtet - eine kompakte, hübsche Vorführung.
Während der Fastenzeit waren Eier als tierisches Produkt verboten. Um trotzdem eine festliche, eiähnliche Speise auf den Tisch zu bringen, formte man aus einer erlaubten Teigmasse täuschend echte Eihälften, inklusive einer eingefärbten 'Dotter'-Stelle (das Original nennt kein Färbemittel, zeittypisch wäre Safran) - ein typischer Trick der mittelalterlichen Fastenküche.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Die Fastenzeit, in der echte Eier und andere tierische Produkte verboten waren. Dieses Rezept ist eine Täuschungsspeise, die aussieht wie echte Eier, aber keine enthält.
Verweist auf eine an anderer Stelle im Kochbuch beschriebene Teigmasse. Unmittelbar vor diesem Rezept steht im Manuskript ein „Ayremschmalcz“ aus geschälten Mandeln und Weißbrot (mha-125) - mit hoher Wahrscheinlichkeit der gemeinte Referent, gestützt durch den Zwilling mon-147, der beide Schritte (Masse herstellen, zu Eiern formen) in einem Rezept vereint.
Der Dotter (Eigelb). Hier nicht als Zutat gemeint, sondern als Bezugspunkt: die Stelle in der Teigmasse, die den Dotter eines echten Eis nachahmen soll.
‚Färb es' - eine Standardformel in mittelalterlichen Rezepten, die ein Färbemittel nicht näher benennt. Zeitüblich wäre Safran für ein sattes Gelb.
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