Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Auch von einem Biberschwanz: Brühe einen Biberschwanz und zieh ihm die Haut ab. Röste den Schwanz, bis er ganz trocken wird, wie Sand.
Danach bestreue ihn mit Gewürz. Willst du daraus ein gepfeffertes Mus machen, so verfahre wie oben beschrieben. Du kannst es gut so zubereiten.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| piberswancz | Biberschwanz | 1 | ⚠ Biber ist in DE/EU streng geschützt (FFH-Richtlinie), kein legaler Bezug möglich. Nutria (Myocastor coypus, 'Sumpfbiber') beim spezialisierten Wildhändler oder Metzger als praktisch verfügbare Annäherung, alternativ Kaninchen oder kräftiges Hähnchenfleisch. | Nutria-Fleisch (nicht historisch, aber ähnliche Textur und leicht rötliches, mildes Fleisch), sonst Kaninchen oder Hähnchen |
| gewurcz | Gewürz | - | - | - |
| gepfeffercz | Pfeffer | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein gehäutetes, bis zur Trockenheit ("sandtrocken") geröstetes Biberschwanzstück - im Kern eine reine Fett-Delikatesse, denn der Biberschwanz besteht fast nur aus Fettgewebe. Optional lässt sich daraus ein gepfeffertes Mus machen, dessen Zubereitung das Rezept nur referenziert (siehe unten). Strukturell vergleichbar mit dem bis heute in nordamerikanischen Trapper- und Wildnisküchen praktizierten gerösteten Biberschwanz, dort meist in umgekehrter Reihenfolge (erst rösten, dann häuten, weil sich die Haut durch die Hitze leichter löst) - keine direkte Traditionslinie, aber ein konvergentes, bis heute lebendiges Gericht um dieselbe Zutat. Der nächste Verwandte im eigenen Korpus ist sev-060 (Severin-Tradition): dieselbe Zutat, aber gekocht/blanchiert und in einer Wein-Gewürz-Sauce serviert statt trocken geröstet.
piberswancz. Das Kompositum ist im Korpus ein Hapax und in den klassischen Wörterbüchern nicht als Ganzes belegt - gesichert wird die Lesart "Biberschwanz" durch die CoReMA-Sachglosse mit Wikidata-Verknüpfung (Q96756739).
gepfeffercz. Gelesen als "gepfeffert", adjektivisch zu "Mus" (Wikidata Q3143131 bestätigt das Grundwort "Pfeffer"). Dass die Endung auch auf einen eigenständigen Gerichtnamen "Gepfefferz" hindeuten könnte, ist eine denkbare Alternative, aber weniger wahrscheinlich als die adjektivische Lesart.
Praxis. Der Biberschwanz wird zunächst gebrüht - dadurch löst sich die zähe, schuppige Haut, die sich danach abziehen lässt. Anschließend wird er geröstet, bis er "sandtrocken" ist: Der hohe Fettanteil des Biberschwanzes (in Trapper-Quellen mit bis zu rund 60% beschrieben) lässt sich beim Rösten weitgehend auslassen, bis eine trockene, krosse Kruste entsteht, ähnlich der Grieben-Bildung bei sehr fettem Fleisch. Erst danach wird trocken mit Gewürz bestreut, ohne Bindung oder Sauce. Für die gepfefferte Mus-Variante verweist das Rezept auf ein anderes, an dieser Stelle nicht wiederholtes Rezept im selben Kochbuch. Legal ist der Biberschwanz heute nicht zu beschaffen; als praktische Annäherung eignet sich Nutria oder ersatzweise Kaninchen bzw. kräftiges Hähnchenfleisch.
Nirgends legal - Biber sind in Deutschland und der gesamten EU streng geschützt (FFH-Richtlinie), Jagd und Handel sind verboten. Wer das Rezept nachvollziehen möchte, kann auf Nutria (Sumpfbiber, invasive Art, bei spezialisierten Wildhändlern legal erhältlich) zurückgreifen, das in Textur und Fettgehalt ähnlich ist, aber erst Ende des 19. Jahrhunderts aus Südamerika nach Europa kam und damit nicht historisch ist. Alternativ eignen sich Kaninchen oder kräftiges Hähnchenfleisch als moderne Annäherung.
Nein - nicht wegen des Aufwands, sondern weil die Hauptzutat schlicht nicht legal zu beschaffen ist. Ein Ersatz mit Nutria oder Kaninchen wäre technisch einfach umsetzbar (Brühen, Häuten, Rösten dauert keine Stunde), aber dann ist es kein Biberschwanz-Rezept mehr im eigentlichen Sinn.
Im christlichen Mittelalter zählte 'alles, was im Wasser lebt' als Fisch und war damit fastentauglich. Der Biber wurde wegen seines schuppigen Schwanzes und seiner wasserlebenden Natur theologisch dieser Kategorie zugeordnet - der Schwanz galt als besonders fleischig-schmeckende, geschätzte Fastenspeise an gehobenen Tafeln.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Biberschwanz, der fetthaltige, schuppige Schwanz des Bibers. Von der CoReMA-Sachglosse (Wikidata) eindeutig als Biberschwanz bestätigt.
Die Biberhaut, die vor dem Rösten abgezogen wird - hier als Nebenprodukt genannt, nicht als Speisezutat.
'Wie Sand trocken' - eine bildhafte Steigerung für 'ganz durchgetrocknet', kein Hinweis auf Sand als Zutat.
Ein 'gepfeffertes Mus' (gepfefferte Speise/Sauce), das an anderer Stelle im Kochbuch beschrieben ist. Das Rezept verweist nur darauf, ohne die Zubereitung zu wiederholen.
Interner Rückverweis im Manuskript auf ein früheres 'gepfeffertes Mus'-Rezept. Ein eindeutiges Zielrezept ist im bisher digitalisierten mha-Korpus nicht identifizierbar - möglicherweise liegt es außerhalb des bereits erschlossenen Bereichs.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
piberswancz
Gewählte Lesart: Biberschwanz - der Schwanz des Bibers, ein historisch geschätztes Fastenspeise-Teilstück. Diese Lesart wird direkt durch die CoReMA-Sachglosse mit Wikidata-Verknüpfung (Q96756739, 'beaver tail') gestützt, obwohl das Wort in den klassischen Wörterbüchern (Lexer, Benecke, Stratmann) nicht direkt als Ganzes belegt ist.
Andere mögliche Lesart:
gepfeffercz
Gewählte Lesart: Gepfeffert, adjektivisch zu 'Mus' - eine pfefferbetonte Würzung des Gerichts. Bestätigt durch die CoReMA-Sachglosse (Wikidata Q3143131, 'pepper').
Andere mögliche Lesart:
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