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Kalbfleisch durch Salzen und Essig haltbar machen

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionenbeliebige Menge Kalbfleisch (Vorratshaltung, keine Portionsangabe)BuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Sobald das Kalbfleisch vom Metzger kommt, sogleich einsalzen.

Danach jeden Tag mit Essig überreiben.

Will man das Fleisch schließlich verwenden, lege es stets sechs Stunden zuvor in Wasser.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Kalbflesch Kalbfleisch - - -
saltzen Salz - - -
essich Essig - - -
wasser Wasser - - -

Welches Gericht ist das? Kein fertiges Gericht, sondern eine Vorratshaltungs-Technik: rohes Kalbfleisch wird durch Einsalzen und tägliches Essig-Überreiben über mehrere Tage konserviert, bevor es sechs Stunden vor Gebrauch gewässert wird. Die nächste lebende Verwandtschaft ist kein Gericht, sondern ein Verfahren: die salz- und säurebasierte Fleischkonservierung, wie sie im späteren Pökeln/Surfleisch fortlebt. Die Essig-Komponente ist dieselbe Säuerungslogik, die im heutigen Sauerbraten steckt - dort inzwischen Geschmacksgeber, hier noch reine Konservierung vor der Kühlung.

Wie oft und wie lange abreiben? "jberreiben" ist im Korpus-Glossar nicht direkt belegt; die Vorsilbe "jber-" (über-) spricht eher für ein wiederholtes, oberflächliches Abreiben als für ein einmaliges, vollständiges Durchtränken mit Essig (siehe interpretive_choices). Wie viele Tage die Behandlung insgesamt dauert, sagt der Text nicht - er nennt nur "all tag" (jeden Tag), bis das Fleisch gebraucht wird. Das bleibt bewusst offen.

Praxis. Frisches Kalbfleisch direkt nach dem Kauf einsalzen. Der Text nennt keinen Lagerort und keine Temperatur für die folgenden Tage - für die heutige Umsetzung empfiehlt sich kühle Lagerung (Kühlschrank), da eine tagelange Behandlung bei Raumtemperatur ohne durchgehende Kühlkette heute kein sicherer Weg ist. Danach täglich mit Essig überreiben, so lange das Fleisch aufbewahrt wird. Vor der Zubereitung das Fleisch sechs Stunden in Wasser legen, um überschüssiges Salz und Essig wieder auszuziehen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, nicht geeignet. Rohes Fleisch soll hier über mehrere Tage nur mit Salz und Essig behandelt werden, ohne dass eine durchgehende Kühlkette beschrieben ist - das ist ein Haushalts-Konservierungsverfahren für zu Hause, kein Gericht für ein Wochenend-Lager.

Was bedeutet 'überreiben' im Rezept?

Gemeint ist, das Fleisch täglich mit Essig abzureiben beziehungsweise einzureiben. Aus heutiger Sicht lässt sich das erklären: Säure bremst das Wachstum vieler Fäulniserreger und ergänzte die Wirkung des Salzes - ein Mechanismus, den man damals nicht in diesen Worten kannte, aber aus Erfahrung nutzte.

Warum wird das Fleisch vor der Zubereitung noch einmal gewässert?

Nach Tagen des Salzens und Essigeinreibens wäre das Fleisch zu salzig und sauer zum direkten Kochen. Das sechsstündige Wässern zieht überschüssiges Salz und Essig wieder heraus, bevor das Fleisch weiterverarbeitet wird.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Kalbflesch lang behalten/ Alsbald es von der metzg kompt, von stúnd an saltzen vnnd darnach all tag mit ainem essich jberreiben, vnnd wan mans praúchen will, jn allweg 6 stund vor jn ain wasser lassen legen.
metzg

Metzgerei/Schlachthaus, dort wo das Fleisch frisch geschlachtet und verkauft wurde.

saltzen

Hier eindeutig das Verb 'salzen' im Sinn von Speisesalz auftragen, nicht die Salse (Würzsauce), die anderswo im Korpus mit 'saltz' bezeichnet wird.

jberreiben

Überreiben, also wiederholt mit Essig abreiben oder einreiben, um das Fleisch konservierend zu behandeln.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 10 verso
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Kalbfleschveal Q957434
saltzentable salt Q11254
essichvinegar Q41354
wasserwater Q283

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartjberreiben

Gewählte Lesart: Als 'überreiben' gelesen, also das tägliche Abreiben/Einreiben des gesalzenen Fleisches mit Essig zur Konservierung.

Andere mögliche Lesart:

  • Könnte auch als 'einreiben' im Sinn von vollständigem Durchtränken mit Essig verstanden werden, statt bloß oberflächlichem Abreiben. - Das Wort ist im Korpus-Glossar nicht belegt; die Vorsilbe 'jber-' (über-) legt aber eher eine wiederholte, oberflächliche Behandlung nahe als ein einmaliges Durchtränken.

LesartLagerbedingungen während der Salz-Essig-Behandlung

Gewählte Lesart: Der Text nennt keinen Lagerort oder keine Temperatur für die tagelange Behandlung; für die heutige Umsetzung wird kühle Lagerung (Kühlschrank) empfohlen.

Andere mögliche Lesart:

  • Historisch könnte die Behandlung auch bei gewöhnlicher Haushaltstemperatur ohne aktive Kühlung erfolgt sein, getragen allein vom täglich erneuerten Essigauftrag. - Der Text schweigt zu Lagerort und Temperatur; ein kühler Keller war im 16. Jahrhundert für ein Augsburger Patrizierhaus wie das der Welserin plausibel, aber nicht ausdrücklich belegt.

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 10 verso, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Rohes Fleisch über mehrere Tage nur mit Salz und Essig ohne durchgehende Kühlung zu behandeln, ist am Markttag nicht sicher umzusetzen. Das ist eine Haushalts-Konservierungstechnik für zu Hause, kein Gericht, das man am Wochenende im Lager ansetzt.
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Stand dieser Fassung: 16.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.