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Eingehacktes von Äpfeln und Zwiebeln

Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionen4-6 PersonenBuchDas Kochbuch des Balthasar Staindl (~1545)

Wenn du ein Eingehacktes machen willst, so hacke die Äpfel, röste sie und bereite sie zu, wie oben beschrieben.

Aus Zwiebeln macht man es auch so. Manchmal nimmt man auch Äpfel und Zwiebeln gemischt. Das gibt man über Wildbret-Küchlein oder worüber du willst, wenn du die geschnittenen und gerösteten Äpfel/Zwiebeln hast.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
die oͤpffel Äpfel - - Feste, säuerliche Äpfel wie Boskoop oder Elstar
Zwifel Zwiebeln - - -
(erschlossen) Schmalz - - Pflanzenöl oder Butter

Welches Gericht ist das? Ein warmes, in Schmalz geröstetes und grob gehacktes Apfel- oder Zwiebelgericht, das als Beilage über Wildbret-Küchlein oder andere Gerichte gegeben wird - eher ein Röstgemüse als ein feines Mus: Der Text belegt nur Hacken und Rösten, keinen weiteren Schritt, der die Stücke zu einer glatten Masse verarbeitet. Die Kombination lebt bis heute fort, etwa als Apfelkompott mit Röstzwiebeln zu Wildschwein, Reh oder Wildgeflügel in der süddeutsch-österreichischen Küche.

Woher stammt das Verfahren? 'Wie oben steht' verweist auf das unmittelbar vorangehende Rezept im Buch, das Äpfel schneidet und im Schmalz röstet - genau dieses Verfahren wird hier vorausgesetzt und auf Zwiebeln bzw. eine Apfel-Zwiebel-Mischung übertragen.

Praxis. Äpfel und/oder Zwiebeln grob hacken und bei mittlerer Hitze in Schmalz rösten, bis sie weich und leicht gebräunt sind - eine kräftigere Bräunung, wie sie das Nachbarrezept für Birnen beschreibt, ist ebenfalls period-plausibel, aber nicht zwingend. Bei der Mischvariante genügen etwa gleiche Teile Äpfel und Zwiebeln; der Text selbst legt kein festes Verhältnis fest. Als Beigabe zu Wildbret-Küchlein oder anderen gebratenen bzw. geschmorten Fleischgerichten servieren.

Was ist ein 'Eingehacktes'?

Ein 'Eingehacktes' ist ein grob gehacktes, in Schmalz geröstetes Apfel- oder Zwiebelgericht, das als Beilage serviert wird - eher ein Röstgemüse als ein feines Mus.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, Goldstandard. Die Zubereitung ist sehr einfach und schnell, erfordert nur grundlegendes Equipment wie Messer, Brett und eine Pfanne über dem Feuer. Äpfel und Zwiebeln sind robuste Zutaten, die keine Kühlung benötigen.

Was bedeutet die Anweisung 'wie oben steht' im Rezept?

Sie verweist konkret auf das unmittelbar vorangehende Rezept im Buch, in dem Äpfel geschnitten und im Schmalz geröstet werden - genau dieses Verfahren wird hier als bekannt vorausgesetzt.

Was sind 'Wiltbret Küchlein'?

Kleine, in Schmalz gebackene Küchlein aus Wildbret (Wildfleisch), die hier als passende Beilage genannt werden. Eine genaue Entsprechung zu einem modernen Gericht lässt sich aus dem Buch selbst nicht sicher ableiten.

Was ist mit 'gescherb' gemeint?

'Gescherb' bezeichnet geschnittene (und hier zusätzlich geröstete) Apfel- oder Zwiebelstücke. Der Begriff ist der Titelbegriff des unmittelbar vorangehenden Rezepts, auf dessen Zubereitung hier zurückverwiesen wird.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.

Ain eingehackts. Wilt du ain eingehackts machen / ſo hack die oͤpffel/ roͤſts vnd machs wie oben ſteht / von Zwifel macht mans auch alſo / man nimbt auch zuͦ zeiten oͤpfel vnd Zwifel vn⸗ der einander / das gibt man vber Wiltbret kuͤchlen / oder vber wo du wilt / magſt du die geſcherb haben.
eingehackts

Ein grob gehacktes, in Schmalz geröstetes Apfel- oder Zwiebelgericht, das als Beilage serviert wird - kein feines Mus: Der Text belegt nur Hacken und Rösten, keinen Schritt, der die Stücke zu einer glatten Masse verarbeitet.

Zwifel

Frühneuhochdeutsche Schreibweise für Zwiebeln.

Wiltbret kuͤchlen

Kleine, in Schmalz gebackene Küchlein aus Wildbret (Wildfleisch), die hier als passende Beilage genannt werden. Ob sie einer modernen Frikadelle entsprechen, lässt sich aus dem Buch selbst nicht sicher belegen - ein eigenes Rezept für 'Wiltbret Küchlein' liegt im Bestand nicht vor.

gescherb

Bezeichnet geschnittene (und hier zusätzlich geröstete) Äpfel oder Zwiebeln. 'Gescherb' ist der Titelbegriff des unmittelbar vorangehenden Rezepts im Buch, auf dessen Verfahren mit 'wie oben steht' und 'magst du die gescherb haben' hier zurückverwiesen wird.

wie oben steht

Verweist auf das unmittelbar vorangehende Rezept im selben Kapitel, das die Grundzubereitung (Äpfel schneiden, im Schmalz rösten) beschreibt und hier als bekannt vorausgesetzt wird.

wodu

OCR-Zusammenzug des Kraken-Transkripts: "wodu" ist kein Wort im Fnhd., sondern die versehentlich ohne Leerzeichen erfasste Folge "wo du". Ergibt im Satz „oder vber wodu wilt" erst mit Trennung „oder vber wo du wilt" einen sinnvollen Anschluss (= worüber du willst), wie auch text_modern bereits übersetzt. Beleg: Gloning 1569 liest an dieser Stelle ebenfalls zwei getrennte Wörter.

Druck
Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...
Teil
Das zweite Buch: Rüben und Gemüse
Folio
Fol. 009r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen, 1545

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

die oͤpffelapple Q89
Zwifelonion Q3406628

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgescherb

Gewählte Lesart: 'Gescherb' bezeichnet in seiner Kernbedeutung geschnittene Frucht- oder Zwiebelstücke (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch: 'Obstschnitzel, -scheiben'). Im unmittelbar vorangehenden Rezept dieses Buches, dessen Titel den Begriff trägt, werden die geschnittenen Äpfel zusätzlich im Schmalz geröstet - genau dieses zweistufige Verfahren (schneiden, dann rösten) ist gemeint, wenn std-048 mit 'wie oben steht' und 'magst du die gescherb haben' darauf zurückverweist.

Andere mögliche Lesart:

  • Isoliert vom Kontext des vorangehenden Rezepts könnte 'gescherb' auch nur die geschnittene Form ohne das Rösten meinen - also rohe Stücke statt eines fertig zubereiteten Gerichts. - Das Wort selbst benennt nur die Schnittform; dass hier zusätzlich geröstet wird, ergibt sich erst aus dem Verweis auf das Vorgängerrezept, nicht aus 'gescherb' allein.

LesartRöstgrad

Gewählte Lesart: Der Text nennt keinen Bräunungsgrad. Für die Praxis empfiehlt sich mittlere Hitze, bis die Stücke weich und leicht gebräunt sind.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine kräftigere, stärkere Bräunung wäre ebenfalls period-plausibel. - Das im selben Kapitel unmittelbar vorangehende Verfahren beschreibt für Birnen eine kräftige Durchbräunung ('ganz braun'); ob dieselbe Intensität hier für Äpfel/Zwiebeln gemeint ist, bleibt offen, weil der Text selbst keinen Grad nennt.

LesartMischverhältnis Apfel-Zwiebel

Gewählte Lesart: Für die Mischvariante ('zu zeiten') empfiehlt sich in der Praxis etwa zu gleichen Teilen Äpfel und Zwiebeln.

Andere mögliche Lesart:

  • Der Text legt kein festes Verhältnis fest. - 'Zu zeiten' beschreibt nur, dass die Mischung gelegentlich vorkommt, nicht in welchem Verhältnis - eine freie Ermessensentscheidung des Kochs bleibt historisch ebenso plausibel.

Originalwerk (~1545) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 009r (gedruckte Blattzählung IX recto), Regensburg, Staatliche Bibliothek, 999/Philos.1921/1922; bereitgestellt durch die Bayerische Staatsbibliothek München (bsb11110687) - NoC-NC 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigenes Kraken-OCR (scripts/fetch_staindl_kraken.rb, german_print.mlmodel, 112 Scans) - seit 2026-09-01 fuer ALLE acht Buecher (std-001..294) primaer, liest auf diesem Druck deutlich sauberer als die vorherige BSB-Bibliotheks-OCR (Verhältnis 385,8 vs. 93,0, keine der bekannten M/W- und kl/El-Verwechslungen). Die BSB-Bibliotheks-OCR (scripts/fetch_staindl.rb, api.digitale-sammlungen.de/ocr) bleibt als Referenz im Cache, wird aber von keinem Rezept mehr gelesen. Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Goldstandard: Schnell zubereitet mit robusten Zutaten. Hacken und Rösten am offenen Feuer ist unkompliziert. Ideal als Beilage zu Fleisch oder Küchlein.
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Stand dieser Fassung: 05.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.