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Forellen in Butter-Weinsauce

Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit35 Min.Portionen2-4 PersonenBuchDas Kochbuch des Balthasar Staindl (~1545)

Sind es Forellen, so salze sie ein und lass sie ein Weilchen im Salz liegen. Danach streife das Salz wieder von den Fischen ab.

Nimm Wein und süße Butter, etwa ein hühnereigroßes Stück, dazu ein im Wein safrangelb gefärbtes Gewürz. Gieß das über die Fische und lass sie darin sieden, bis sie gar genug sind.

Richte die Forellen zusammen mit der Suppe an. Das Petersilkraut schmeckt sehr gut, wenn man es mitsiedet.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Forhen Forellen - Fischhändler -
ſaltz Salz - - -
wein Wein - - -
ſuͤſſen butter / als ain haͤñen ay Butter, etwa ein hühnereigroßes Stück - - -
in aim wein gilbs gwürtz Gewürz, mit Safran im Wein gelb gefärbt - Gewürzhandel -
Peterſil kraut Petersilie - - -

Welches Gericht ist das? Pochierte Forelle in einer safrangelb gefärbten Butter-Weinsauce, die Garflüssigkeit wird als Suppe mit angerichtet. Die Grundtechnik gehört zu einer kleinen Rezeptfamilie im Fischkapitel des Staindl (zusammen mit std-097 und std-107), die denselben Wein-Butter-Sud auf verschiedene kleine und mittlere Fischarten anwendet. Im Kern entspricht das Ergebnis der heutigen "Forelle blau" beziehungsweise einer Weißwein-Butter-Fischsuppe - Wein, Butter, Safranfärbung und Petersilie sind bis heute gebräuchliche Zutaten für genau diese Zubereitung.

Praxis. Die Forellen kurz einsalzen und ein Weilchen liegen lassen, das würzt vor und zieht etwas Oberflächenfeuchte. Das Salz danach wieder abstreifen, damit der Fisch beim Weitergaren in der ohnehin gewürzten Flüssigkeit nicht zu salzig wird. Für den Sud Wein und süße Butter (etwa hühnereigroß, ungefähr 40-50 Gramm) mit einem safrangelb gefärbten Gewürz - üblicherweise mit Safran erzielt - erhitzen, über die Fische gießen und sanft sieden lassen, bis sie durchgegart sind; das schont das zarte Forellenfleisch. Die Garflüssigkeit wird als Suppe mit angerichtet statt weggeschüttet. Petersilkraut kann in der letzten Kochzeit mitsieden für zusätzliches Aroma. Eine feste Weinmenge nennt der Druck nicht - so viel, dass die Fische in der Pfanne knapp bedeckt sind, reicht aus.

Was bedeutet 'ain hännen ay' als Mengenangabe für die Butter?

Das ist eine anschauliche Größenangabe aus der Zeit vor genormten Mengeneinheiten: die Butter soll etwa so groß sein wie ein Hühnerei, also ungefähr 40-50 Gramm. Solche bildhaften Maße waren im 16. Jahrhundert üblich und für Köche der Zeit sofort verständlich.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, gut geeignet. Die Zubereitung braucht nur eine Pfanne und offenes Feuer, die Garzeit ist kurz, einzig frische Forellen sollten tagesfrisch besorgt oder gekühlt aufbewahrt werden.

Warum wird die Butter-Weinsauce gelb gefärbt?

Eine gelbe, meist mit Safran erzielte Färbung war in der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Küche ein beliebtes Gestaltungsmittel für Suppen und Saucen, sowohl aus optischen Gründen als auch als kleine Statusgeste, da Safran ein teures Gewürz war.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.

Viſch oder pfrillen im butter zuͦkochen. cvij. 4 Seinds Forhen / ſaltz auch ein / laß ain klains im ſaltz ligen / darnach ſo ſtraiff auch das ſaltz daruon / nimb wein vnd ein ſuͤſſen butter / als ain haͤñen ay / in aim wein gilbs gwürtz / geüß an die viſch / vnd laß die viſch dabey ſie⸗ den / biß ſie ſein genug haben / ſo richts an mit der ſuppen/ Das Peterſil kraut iſt gar geſchmach / ſo man es daran ſeidt.
gilbs gwürtz

Eine im Wein gelb gefärbte Gewürzmischung, üblicherweise mit Safran erzielt. Das Verb 'gilben' (gelb machen) ist in Staindls Küche stehende Formel für die typische goldgelbe Färbung vieler Fisch- und Fleischsuppen.

Fothen

Unsere Texterkennung hat hier zunächst 'Fothen' gelesen - der Druck schreibt 'Forhen', eine zeittypische Schreibung für Forellen. Betroffen sind nur die Einzelbuchstaben r/t; dieselbe Fischart erscheint an vergleichbarer Stelle in anderen Rezepten desselben Kochbuchs (unter anderem std-090) ebenfalls als 'Forhen'.

Petrofil kraut

Unsere Texterkennung hat hier zunächst 'Petrofil kraut' gelesen - der Druck schreibt 'Peterſil kraut' (Petersilkraut/Petersilie). Dieselbe Verlesung tritt auch in einem anderen Rezept desselben Kochbuchs auf, während die übrigen Rezepte durchgängig 'Peterſil' schreiben.

genng

Unsere Texterkennung hat hier zunächst 'genng' gelesen - der Druck schreibt 'genug'. Betroffen sind nur die Einzelbuchstaben u/n; 'genng' kommt sonst in keinem Rezept dieses Kochbuchs vor, 'genug' dagegen durchgängig.

daram

Unsere Texterkennung hat hier zunächst 'daram' gelesen - der Druck schreibt 'daran'. Betroffen sind nur die Einzelbuchstaben m/n; 'daram' ist kein deutsches Wort und kommt sonst in keinem Rezept dieses Kochbuchs vor, 'daran' dagegen sehr häufig.

Druck
Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...
Teil
Das vierte Buch: Fisch und Krebs
Folio
Fol. 018v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen, 1545

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Forhentrout Q2258881
ſaltztable salt Q11254
weinwine Q282

Originalwerk (~1545) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 018v (gedruckte Blattzählung XVIIIv), Regensburg, Staatliche Bibliothek, 999/Philos.1921/1922; bereitgestellt durch die Bayerische Staatsbibliothek München (bsb11110687) - NoC-NC 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigenes Kraken-OCR (scripts/fetch_staindl_kraken.rb, german_print.mlmodel, 112 Scans) - seit 2026-09-01 fuer ALLE acht Buecher (std-001..294) primaer, liest auf diesem Druck deutlich sauberer als die vorherige BSB-Bibliotheks-OCR (Verhältnis 385,8 vs. 93,0, keine der bekannten M/W- und kl/El-Verwechslungen). Die BSB-Bibliotheks-OCR (scripts/fetch_staindl.rb, api.digitale-sammlungen.de/ocr) bleibt als Referenz im Cache, wird aber von keinem Rezept mehr gelesen. Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
In einer Pfanne über dem Feuer in etwa 20-30 Minuten fertig, dazu kommt eine kurze Ruhezeit zum Einsalzen. Frische Forellen sollten tagesfrisch gekauft oder gekühlt gelagert werden, das ist der einzige Engpass.
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Stand dieser Fassung: 06.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.