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Spritzengebäck in Schmalz

Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° · Entstehungsort unbekannt · 1543

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit40 Min.Portionen4 PersonenBuchWolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (~1543)

Nimm Milch in eine Pfanne und stelle sie über das Feuer. Gib ein wenig Schmalz hinzu und lass es sieden. Rühre Mehl hinein und trockne den Teig gut aus, wie einen Brandteig.

Bereite ihn danach mit Eiern zu und mache ihn fest. Gib den Teig anschließend in eine Spritztülle und drücke ihn in Schmalz, das nicht zu heiß ist. Rüttele die Pfanne und lass das Gebäck frittieren.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Milch Milch - - -
ein wenig schmaltz Schmalz - - Pflanzenöl oder Butter
ein Mel Mehl - - -
Ayren Eier - - -

Welches Gericht ist das?

Ein Brandteig (Choux-artiger Teig) aus Milch, Schmalz, Mehl und Eiern, der durch eine Spritztülle direkt in nicht zu heißes Schmalz gedrückt und darin ausgebacken wird. Das ist ein Vorläufer der Brandteig-Familie, wie sie heute in Windbeuteln und Eclairs fortlebt - hier aber in der frittierten, gespritzten Form, die eher an heutiges Spritz- und Schmalzgebäck erinnert als an den modernen, ofengebackenen Windbeutel. Zucker oder Honig nennt der Text nicht; das passt zur Zubereitung der Nachbarrezepte im selben Kapitel, die ebenfalls ohne Süßung auskommen.

Wie fest muss der Teig sein?

Der Text verlangt, das Mehl in der siedenden Milch-Schmalz-Mischung „wol trucken“ zu machen - der Teig soll also, wie beim Brandteig üblich, kräftig trockengeschlagen werden, bis er sich vom Pfannenboden löst. Erst danach kommen die Eier hinzu, die den Teig binden und wieder geschmeidig-fest machen, ohne dass er für die Spritztülle zu weich wird.

Praxis.

Milch mit einem Stück Schmalz in einer Pfanne aufkochen, das Mehl auf einmal einrühren und unter ständigem Rühren trockenschlagen, bis sich ein fester Kloß bildet, der sich vom Pfannenboden löst. Die Masse etwas abkühlen lassen, dann nach und nach Eier einarbeiten, bis der Teig glatt, fest und gerade noch spritzfähig ist. In eine Spritztülle füllen und Stränge direkt in mäßig heißes, nicht rauchend heißes Schmalz drücken - zu heißes Fett verbrennt das Gebäck außen, bevor es innen durchgart. Dabei die Pfanne rütteln, damit sich die Stränge lösen, und goldbraun ausbacken.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Die Zubereitung ist schnell und erfordert nur eine Pfanne und eine Wärmequelle. Die Zutaten sind robust und benötigen keine spezielle Kühlung.

Was bedeutet ‚Brandteig‘?

Brandteig (auch Choux-Teig genannt) ist ein Teig, der durch das Abrösten von Mehl in kochender Flüssigkeit (Wasser oder Milch) mit Fett hergestellt wird. Anschließend werden Eier untergerührt, was dem Teig eine besondere Konsistenz verleiht, die beim Backen oder Frittieren hohl und luftig wird.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4° (Entstehungsort unbekannt). CoReMA-Handschrift Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5 Aug. 4°): "Kunst- und Artzneibuch von Ludwigen Neer zusamengetragenn. Anno 1543" - ein 1543 datiertes Kunst- und Arzneibuch mit Kochrezept-Anteil. Enthält ein gewürztes Met-Rezept ("Wie man ain Met sieden soll") mit ganzer Muskatnuss und Zimtstangen, im Wasser eingekocht und mit geläutertem Honig fertiggestellt.

Ein Spritzen bachas zubachen Nim ein Milch In ein pfannen thues vber das feur thue ein wenig schmaltz darein vnd lass sieden vnd ruer ein Mel darein vnd mach In wol trucken wie ein brietten kuechlen taig vnd mach In darnach mit Ay= ren an vnnd mach In starck thue In dar= nach In die Spritzen vnd trucks In ein schmaltz das nit haiss sey rittlen die pfannen vnd lass bachen etc.
Spritzen

Bezeichnet hier eine Art Spritztülle oder einen Spritzbeutel, um den Teig in das heiße Fett zu drücken.

bachas

Sammelbegriff für „Gebäck/Backwerk“ (zu „bachen“ = backen), belegt im Frühneuhochdeutschen Wörterbuch (fwb-online.de) und im selben Buch dreifach: wo10-090 (Kapiteleröffnung „wie man allerlay Baches ... backen soll“), wo10-097 („Baches“), wo10-108 („Bachas“). Kein Name eines einzelnen, heute unbekannten Gebäcks.

brietten kuechlen taig

Wörtlich „gebratener/frittierter Küchlein-Teig“ (mhd. „brieten“ als Schreibvariante von „brâten“, nicht „backen“). Die Beschreibung der Zubereitung - Mehl in heißer Flüssigkeit ausrühren, dann Eier zugeben - deutet trotzdem auf einen Brandteig (Choux-Teig) hin, wie er für Spritzgebäck typisch ist; bestätigt durch das Schwesterrezept wo10-103, das denselben Vorgang ausdrücklich als Brandteig beschreibt.

trucks In ein schmaltz das nit haiss sey

Die Anweisung, den Teig in nicht zu heißes Schmalz zu drücken, ist wichtig, damit das Gebäck langsam garen und aufgehen kann, ohne außen zu verbrennen und innen roh zu bleiben.

Handschrift
Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°
Folio
Fol. 285r
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Entstehungsort unbekannt, 1543
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Milchmilk Q8495
ein wenig schmaltzanimal fat Q1423543
ein Melflour Q36465
Ayrenchicken egg Q15260613

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartzubachen

Gewählte Lesart: Frittieren in heißem Schmalz.

Andere mögliche Lesart:

  • Backen im Ofen. - Das Verb „bachen“ konnte im Frühneuhochdeutschen sowohl das Backen im Ofen als auch das Braten oder Frittieren in Fett bedeuten. Der Kontext „In ein schmaltz“ macht hier das Frittieren zur eindeutigen Lesart.

Lesartbrietten kuechlen taig

Gewählte Lesart: Brandteig (Choux-Teig).

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Art gebackener Kuchenteig. - Die Beschreibung der Zubereitung, bei der Mehl in heißer Flüssigkeit/Fett abgeröstet und dann mit Eiern gebunden wird, ist die klassische Methode zur Herstellung von Brandteig. Dies passt besser zum Spritzgebäck als ein gewöhnlicher Kuchenteig.

Originalwerk (~1543) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 285r, Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz. Foliierung nach CoReMA - die Handschrift überspringt beim Zählen die Nummer 282, auf dem Blatt selbst steht daher 286r.
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Wo10 (Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Goldstandard: Die Zubereitung ist schnell und erfordert nur eine Pfanne und eine Wärmequelle. Die Zutaten sind robust und benötigen keine spezielle Kühlung.
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Stand dieser Fassung: 03.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.