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Gelbe Malfarbe aus Arsenicum

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit10 Min.Portionennicht anwendbar, kein SpeiserezeptBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Um gelbe Farbe herzustellen, nimm Arsenicum, das man auch als Ruß bezeichnet. Reibe es auf einem Stein an und vermenge es mit Eiklar. Gib danach ein wenig vom Eigelb dazu.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
arfenicum das ist ruosz Arsenicum (Auripigment) - Kein Bezug über Lebensmittelhandel möglich und aufgrund der Giftigkeit auch nicht empfohlen - historisches Maler-Pigment. Für ungiftige moderne Nachstellungen: gelbes Ockerpigment oder Gummigutt aus dem Künstlerbedarf, niemals im Lebensmittelbereich verwenden.
ayer klar Eiklar - - -
den tottern Eigelb (ein wenig) - - -

Welches Gericht ist das? mha-175 ist kein Speiserezept, sondern eine Werkstattanleitung zur Herstellung von gelber Malfarbe: Pigment auf dem Reibstein zerreiben, mit Eiklar anrühren, mit etwas Eigelb binden. Das entspricht im Grundprinzip der Ei-Tempera-Technik, wie sie bis heute in der Ikonenmalerei und Buchrestaurierung angewendet wird - kein kulinarischer, sondern ein bis heute lebendiger Handwerksvorgang. Im eigenen Buch steht das Rezept nicht allein: mha-172 (Goldtinte), mha-173 (Goldbuchstaben auflegen), mha-174 (Tinte) und mha-176 (grüne Malfarbe) bilden zusammen einen Werkstatt-Cluster für Buchmalerei-Zubehör.

Arfenicum. Der Schreiber nennt die Zutat „arfenicum“ - paläographisch nahe an „arsenicum“ (Verwechslung von f und langem s), gemeint wäre dann Auripigment, ein giftiges gelbes Arsensulfid-Pigment. Die CoReMA-Edition selbst führt den Begriff jedoch als ungeklärt; die Arsenicum-Lesart ist plausibel, aber nicht editionsseitig bestätigt.

Ruosz. Der Text setzt „arfenicum“ mit „ruosz“ (wörtlich Ruß, Kohlenschwärze) gleich - ein schwarzes Material, das zum Titel „gelbe Farbe“ nicht passt. Ob damit die dunkle Rohform des Minerals vor dem Verreiben gemeint ist oder ein Schreibfehler vorliegt, lässt sich aus dem Text nicht auflösen; der Wörterbuchbeleg für „ruosz“ bestätigt nur die wörtliche Bedeutung Ruß, nicht die inhaltliche Klärung.

Praxis. Das Pigment wird auf einem Reibstein zerkleinert - das verringert die Partikelgröße für einen gleichmäßigen, deckenden Farbauftrag - und mit Eiklar verrührt; danach kommt etwas Eigelb dazu, das zusätzlich als Bindemittel wirkt. Mengenangaben fehlen im Text vollständig, was für Werkstattrezepte dieser Zeit üblich ist, eine reale Nachstellung damit aber unbemessbar macht. Da Auripigment als Arsenverbindung giftig ist, ist jeder Kontakt mit Lebensmitteln oder Speisegeschirr ausgeschlossen - für eine ungiftige moderne Nachstellung eignen sich Ersatzpigmente wie Ockergelb.

Kann man dieses Rezept essen oder kochen?

Nein. Es handelt sich um eine Anleitung zur Herstellung von Malfarbe, nicht um ein Speiserezept. Arsenicum (Auripigment) ist ein giftiges Pigment und darf unter keinen Umständen verzehrt werden.

Was ist Arsenicum in diesem Zusammenhang?

Der Schreiber nennt die Zutat 'arfenicum', was meist als Verschreibung von 'arsenicum' gelesen wird - gemeint wäre dann Auripigment, ein gelbes bis oranges Arsensulfid-Mineral, das im Mittelalter als Pigment für kräftiges Gelb in der Buchmalerei diente. Die CoReMA-Edition selbst führt den Begriff jedoch als ungeklärt; die Zutat ist in jedem Fall hochgiftig und wird im modernen Künstlerbedarf durch ungiftige Ersatzstoffe ersetzt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein, es ist überhaupt kein Kochrezept. Als Schauelement einer Malwerkstatt-Vorführung im Lager denkbar, aber niemals mit Kochgeschirr oder in Speisenähe.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Gelbe farb die mach also . Item gelbe farbe wiltu die machen So nymm arfenicum das ist ruosz das reib auf ainem stain mit ayer klar vnd thue den tottern darein ein wenig .
arfenicum

Paläographisch als 'arsenicum' zu lesen (f/s-Verwechslung durch das lange s). Gemeint ist Auripigment, ein giftiges gelbes Mineralpigment (Arsentrisulfid), das seit dem Mittelalter in der Buch- und Tafelmalerei verwendet wurde. Die CoReMA-Edition selbst führt den Begriff als ungeklärt (unsolved).

ruosz

Wörtlich 'Ruß' (Kohlenschwärze), im Lexer-Wörterbuch unter dem Lemma 'fuligo' belegt. Ungewöhnlich für ein gelbes Pigment - vermutlich beschreibt der Schreiber hier die rohe, pulvrig-dunkle Rohform des Minerals vor dem Verreiben, nicht die fertige Farbe. Bleibt letztlich ungeklärt.

stain

Reib- oder Mahlstein, das übliche Werkzeug zum Feinreiben von Pigmenten in der Maler-Werkstatt.

ayer klar

Eiklar diente als Bindemittel für Temperafarben (Eiklar-Tempera), damit das Pigment auf Pergament oder Holz haftet.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 067r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartarfenicum

Gewählte Lesart: Arsenicum (Auripigment, gelbes Arsensulfid-Pigment) - gestützt durch die paläographische Nähe von 'f' und langem 's'.

Andere mögliche Lesart:

  • CoReMA lässt die Zutat offiziell als unsolved stehen. - Die Edition selbst trifft keine Festlegung; die Arsenicum-Lesart stützt sich auf den paläographischen Befund, ist aber nicht durch die Edition selbst bestätigt.

Lesartruosz

Gewählte Lesart: Wörtlich 'Ruß' übernommen, als Beschreibung der dunklen, pulvrigen Rohform des Minerals vor der Verarbeitung.

Andere mögliche Lesart:

  • Möglicher Schreiberfehler oder Verwechslung mit einem anderen Stoffnamen. - Ruß (Kohlenschwärze) ist schwarz und passt inhaltlich nicht zu einem gelben Pigment - die Gleichsetzung bleibt im Text ungeklärt und könnte ein Abschreibfehler sein.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 067r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Kein Kochrezept, sondern eine Farbherstellung mit giftigem Arsen-Pigment. Als Schaunummer im Lager höchstens denkbar, wenn klar als Malwerkstatt-Demonstration ausgewiesen und niemals mit Speisegeschirr in Kontakt kommt.
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Stand dieser Fassung: 17.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.