Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Um gelbe Farbe herzustellen, nimm Arsenicum, das man auch als Ruß bezeichnet. Reibe es auf einem Stein an und vermenge es mit Eiklar. Gib danach ein wenig vom Eigelb dazu.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| arfenicum das ist ruosz | Arsenicum (Auripigment) | - | Kein Bezug über Lebensmittelhandel möglich und aufgrund der Giftigkeit auch nicht empfohlen - historisches Maler-Pigment. | Für ungiftige moderne Nachstellungen: gelbes Ockerpigment oder Gummigutt aus dem Künstlerbedarf, niemals im Lebensmittelbereich verwenden. |
| ayer klar | Eiklar | - | - | - |
| den tottern | Eigelb (ein wenig) | - | - | - |
Welches Gericht ist das? mha-175 ist kein Speiserezept, sondern eine Werkstattanleitung zur Herstellung von gelber Malfarbe: Pigment auf dem Reibstein zerreiben, mit Eiklar anrühren, mit etwas Eigelb binden. Das entspricht im Grundprinzip der Ei-Tempera-Technik, wie sie bis heute in der Ikonenmalerei und Buchrestaurierung angewendet wird - kein kulinarischer, sondern ein bis heute lebendiger Handwerksvorgang. Im eigenen Buch steht das Rezept nicht allein: mha-172 (Goldtinte), mha-173 (Goldbuchstaben auflegen), mha-174 (Tinte) und mha-176 (grüne Malfarbe) bilden zusammen einen Werkstatt-Cluster für Buchmalerei-Zubehör.
Arfenicum. Der Schreiber nennt die Zutat „arfenicum“ - paläographisch nahe an „arsenicum“ (Verwechslung von f und langem s), gemeint wäre dann Auripigment, ein giftiges gelbes Arsensulfid-Pigment. Die CoReMA-Edition selbst führt den Begriff jedoch als ungeklärt; die Arsenicum-Lesart ist plausibel, aber nicht editionsseitig bestätigt.
Ruosz. Der Text setzt „arfenicum“ mit „ruosz“ (wörtlich Ruß, Kohlenschwärze) gleich - ein schwarzes Material, das zum Titel „gelbe Farbe“ nicht passt. Ob damit die dunkle Rohform des Minerals vor dem Verreiben gemeint ist oder ein Schreibfehler vorliegt, lässt sich aus dem Text nicht auflösen; der Wörterbuchbeleg für „ruosz“ bestätigt nur die wörtliche Bedeutung Ruß, nicht die inhaltliche Klärung.
Praxis. Das Pigment wird auf einem Reibstein zerkleinert - das verringert die Partikelgröße für einen gleichmäßigen, deckenden Farbauftrag - und mit Eiklar verrührt; danach kommt etwas Eigelb dazu, das zusätzlich als Bindemittel wirkt. Mengenangaben fehlen im Text vollständig, was für Werkstattrezepte dieser Zeit üblich ist, eine reale Nachstellung damit aber unbemessbar macht. Da Auripigment als Arsenverbindung giftig ist, ist jeder Kontakt mit Lebensmitteln oder Speisegeschirr ausgeschlossen - für eine ungiftige moderne Nachstellung eignen sich Ersatzpigmente wie Ockergelb.
Nein. Es handelt sich um eine Anleitung zur Herstellung von Malfarbe, nicht um ein Speiserezept. Arsenicum (Auripigment) ist ein giftiges Pigment und darf unter keinen Umständen verzehrt werden.
Der Schreiber nennt die Zutat 'arfenicum', was meist als Verschreibung von 'arsenicum' gelesen wird - gemeint wäre dann Auripigment, ein gelbes bis oranges Arsensulfid-Mineral, das im Mittelalter als Pigment für kräftiges Gelb in der Buchmalerei diente. Die CoReMA-Edition selbst führt den Begriff jedoch als ungeklärt; die Zutat ist in jedem Fall hochgiftig und wird im modernen Künstlerbedarf durch ungiftige Ersatzstoffe ersetzt.
Nein, es ist überhaupt kein Kochrezept. Als Schauelement einer Malwerkstatt-Vorführung im Lager denkbar, aber niemals mit Kochgeschirr oder in Speisenähe.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Paläographisch als 'arsenicum' zu lesen (f/s-Verwechslung durch das lange s). Gemeint ist Auripigment, ein giftiges gelbes Mineralpigment (Arsentrisulfid), das seit dem Mittelalter in der Buch- und Tafelmalerei verwendet wurde. Die CoReMA-Edition selbst führt den Begriff als ungeklärt (unsolved).
Wörtlich 'Ruß' (Kohlenschwärze), im Lexer-Wörterbuch unter dem Lemma 'fuligo' belegt. Ungewöhnlich für ein gelbes Pigment - vermutlich beschreibt der Schreiber hier die rohe, pulvrig-dunkle Rohform des Minerals vor dem Verreiben, nicht die fertige Farbe. Bleibt letztlich ungeklärt.
Reib- oder Mahlstein, das übliche Werkzeug zum Feinreiben von Pigmenten in der Maler-Werkstatt.
Eiklar diente als Bindemittel für Temperafarben (Eiklar-Tempera), damit das Pigment auf Pergament oder Holz haftet.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
arfenicum
Gewählte Lesart: Arsenicum (Auripigment, gelbes Arsensulfid-Pigment) - gestützt durch die paläographische Nähe von 'f' und langem 's'.
Andere mögliche Lesart:
ruosz
Gewählte Lesart: Wörtlich 'Ruß' übernommen, als Beschreibung der dunklen, pulvrigen Rohform des Minerals vor der Verarbeitung.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 17.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.