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Safrangelbe Brühe für Wildbret oder Geflügel

Das kochbúch der sabina welserin · Augsburg · 1553

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionenca. 500 ml Sauce für 4-6 Portionen Wildbret oder GeflügelBuchDas Kochbuch der Sabina Welserin (~1553)

Zuerst Schmalz in eine Pfanne geben und darin ein wenig Mehl anrösten. Ein wenig Wein dazugeben, dann die dreifache Menge Fleischbrühe hinein und alles miteinander in die Pfanne geben. Ingwer und Pfeffer daran geben und mit Safran gelb färben. So ist es fertig.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
schmaltz Schmalz - - -
mell Mehl - - -
wein Wein - - -
fleschbrie Fleischbrühe - - -
jmber Ingwer - - -
pfeffer Pfeffer - - -
gilbts Safran - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Eine gebundene, mit Ingwer, Pfeffer und Safran gewürzte Bratensauce für Wildbret oder Geflügel - die funktionale Vorfahrin heutiger gebundener Wildsaucen (Mehlschwitze, Wein, Fond), aber nicht mit ihnen identisch. Der safrangelbe Farbton und die Ingwer/Pfeffer-Würzung unterscheiden sie von der heutigen Standardrezeptur.

Praxis. Schmalz in einer Pfanne erhitzen und darin ein wenig Mehl anrösten - das nimmt dem rohen Mehl den Geschmack und bereitet die Bindung vor. Mit einem Schluck Wein ablöschen, dann die dreifache Menge fertige Fleischbrühe angießen: die Flüssigkeit löst die Röstung von der Pfanne, und die Sauce bindet beim Aufkochen. Ingwer und Pfeffer dazugeben, zuletzt mit Safran gelb färben ("gilben"). Ergibt eine dünne, safrangelbe Bratensauce - kein Ofen, kein Passieren nötig.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, Goldstandard. Die Sauce braucht nur eine Pfanne, ist in 15 Minuten fertig und alle Zutaten sind bei Zimmertemperatur unbedenklich - vorausgesetzt, eine Fleischbrühe steht schon bereit.

Was bedeutet 'gilbts' im Rezept?

'Gilben' heißt, eine Speise mit Safran gelb zu färben. Diese Wendung taucht im Kochbuch der Sabina Welserin sehr häufig als letzter Arbeitsschritt vor dem Servieren auf.

Warum wird hier Mehl in Schmalz angeröstet?

Das Anrösten von Mehl in heißem Fett nimmt dem Mehl den rohen Geschmack und bereitet die Bindung vor: mit Wein und Fleischbrühe aufgegossen, bindet das angeröstete Mehl beim Aufkochen zu einer sämigen Bratensauce.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Sabina Welserin“. Von der Verfasserin selbst 1553 datiertes Kochbuch aus dem Augsburger Patriziat - eines der wenigen frühneuzeitlichen deutschen Kochbücher, das eine Frau als Autorin nennt. Gloning zählt 205 Rezeptnummern, dazu sechs als Sub-Buchstaben gezählte Zweitschriften (1a, 2a, 3a, 7a, 136a, 137a), die im Codex an anderer Stelle stehen als ihre Originale. Handschrift: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (XXI + 55 Bl., Register auf Bl. I-XXI, Rezepte ab Bl. 1r).

Ain gelb brielin zú machen jber wilbret oder vegellen Erstlich nempt ain schmaltz jn ain pfanen vnnd rest ain wenig ain mell darin, nempt ain wenig ain wein vnnd 3 mal mer fleschbrie vnnd thiets jn die pfannen vnnd thiet jmber vnnd pfeffer daran vnn gilbts, so jst es gemacht.
brielin

Brühlein, eine kleine, gebundene Würzsauce - im Buch der Sabina Welserin ein sehr häufiger Begriff für Saucen dieser Art.

gilbts

Von 'gilben' - mit Safran gelb färben. Diese Formel steht im Buch der Sabina Welserin zwölfmal als Abschlussschritt bei gelben Saucen.

vegellen

Kleine Vögel bzw. Geflügel, hier als Alternative zum Wildbret genannt, über das die Sauce gegeben wird.

jmber

Ingwer, eines der Standardgewürze in dieser Sauce neben Pfeffer.

Handschrift
Das kochbúch der sabina welserin
Folio
Fol. 4 recto
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1553

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

schmaltzanimal fat Q1423543
mellflour Q36465
weinwine Q282
jmberginger Q15046077
pfefferpepper Q3143131
gilbtssaffron Q25434

Originalwerk (~1553) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 4 recto, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4° Cod 137 (urn:nbn:de:bvb:37-dtl-0000005911)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Internet-Ausgabe nach Stopp 1980) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Im Topf oder in der Pfanne in etwa 15 Minuten fertig, robuste Zutaten ohne Kühlbedarf. Einzige Voraussetzung ist eine fertige Fleischbrühe, die sich am Feuer schon vorher nebenher köcheln lässt.
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Stand dieser Fassung: 16.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.